Mary Poppins' Rückkehr

Lon­don, 30er Jah­re: die Wirt­schafts­kri­se drückt aufs Ge­müt und auch im Kirsch­baum­weg Num­mer 17 sind die Zei­ten al­les an­de­re als ro­sig. Mi­cha­el Banks ist mitt­ler­wei­le ein er­wach­se­ner Strick­ja­cken­trä­ger und muss sei­ne drei Kin­der als Wit­wer al­lei­ne groß­zie­hen. Nun soll das ge­lieb­te El­tern­haus ge­pfän­det wer­den. Um das zu ver­hin­dern, müs­sen er und sei­ne Schwes­ter Ja­ne bin­nen we­ni­ger Ta­ge be­wei­sen, dass sie die recht­mä­ßi­gen Be­sit­zer sind. Auf­tritt: Ma­ry Pop­pins. Durch die Wol­ken ge­schwebt, über­nimmt sie kur­zer­hand noch ein­mal das Ru­der und ret­tet den Tag.

Mit „Das Dschun­gel­buch“ kam 2016 ei­ne kon­ge­nia­le Re­al­ver­fil­mung des Zei­chen­trick­klas­si­kers in die Ki­nos. Im kom­men­den Jahr star­ten Neu­auf­la­gen von „Dum­bo“, „Ala­din“ und „Der Kö­nig der Lö­wen“: Dis­ney hat das Re­cy­cling ent­deckt. Mitt­ler­wei­le wird das ge­sam­te Port­fo­lio ei­nem Make­over un­ter­zo­gen, nun al­so Ma­ry Pop­pins. Für die Fort­set­zung des Chim Chim Cher-ee-Er­folgs von 1964 sind die Er­war­tun­gen hoch, das Ori­gi­nal hat sei­ner­zeit fünf Os­cars ge­won­nen und mach­te Ju­lie An­drews zum Welt­star.

Erst­mal die gu­te Nach­richt: Der Film sieht toll aus. Die Sets, die Cho­reo­gra­fien, die Kos­tü­me – das ist fan­ta­sie­voll in­sze­niert und bie­tet je­de Men­ge per­fekt ge­mach­tes Au­gen­fut­ter. Be­son­ders die quietsch­bun­ten Re­al­film-Zei­chen­trick­se­quen­zen ma­chen durch ih­ren re­tro „hand­ma­de“ Look gu­te Lau­ne. Die Be­set­zung ist so er­le­sen wie pro­mi­nent: Ben Whis­haw, Ju­lie Wal­ters, Me­ryl Streep, Co­lin Firth. Das Bes­te an Ma­ry Pop­pins' Rück­kehr ist aber oh­ne Zwei­fel Emi­ly Blunt. Die über­zeugt mit der nö­ti­gen Por­ti­on Schräg­heit und je­der Men­ge Charme in der Ti­tel­rol­le des flie­gen­den Kin­der­mäd­chens.

Nun die schlech­te Nach­richt: In Mu­si­cals wird ge­sun­gen, in die­sem be­son­ders viel. Das wä­re nicht wei­ter tra­gisch, wenn die Songs nicht so ba­nal wä­ren. La­la­la, reich­lich be­lang­los plät­schert es von ei­ner nichts­sa­gen­den Num­mer zur nächs­ten. Da fehlt jeg­li­ches Mit­sing- oder Ohr­wurm­po­ten­zi­al. Hät­ten die Ma­cher ge­nau­so viel Lie­be in die Ent­wick­lung der Songs wie in die vi­su­el­le Um­set­zung ge­steckt, Ma­ry Pop­pins’ Rück­kehr hät­te das Zeug zum mo­der­nen Klas­si­ker ge­habt.

FAZIT

Char­man­te Fort­set­zung, mehr fürs Au­ge als fürs Ohr.
Die Hälf­te der Songs, da­für su­per­ca­li­fra­gi­lis­tig ex­pia­li­ge­ti­scher, hät­te es auch ge­tan.

USA, 2018 
Re­gie Rob Mar­shall 
131 min 
Ki­no­start 20. De­zem­ber 2018