LARA

Die Fas­sa­den von war­mem Herbst­licht be­leuch­tet, die Re­stau­rants und Bars so ge­die­gen-chic, als wä­ren sie am Fu­ße des Eif­fel­turms ge­le­gen und selbst der in gars­ti­gem 70er-Jah­re De­sign er­starr­te Fein­kost­la­den Rog­a­cki wirkt groß­städ­tisch, wenn er von Ka­me­ra­mann Frank Grie­be in Sze­ne ge­setzt wird. Sel­ten sah das gu­te al­te West-Ber­lin äs­the­ti­scher und schö­ner aus als in „La­ra“. Die Lie­be zum Stil setzt sich über die Kos­tü­me und die Mu­sik bis zur Be­set­zung fort. Alex­an­der Khuon, Gud­run Rit­ter, Rai­ner Bock, Volk­mar Klei­nert: In Ne­ben­rol­len ist das Who is Who der deut­schen Thea­ter­sze­ne ver­sam­melt. Pas­sen­der­wei­se, denn der neue Film von Re­gis­seur Jan-Ole Gers­ter wirkt in wei­ten Tei­len wie ein ver­film­tes Thea­ter­stück.

Ein Tag in ei­nem Le­ben: An La­ras sech­zigs­tem Ge­burts­tag gibt ihr Sohn Vik­tor sein ers­tes Kla­vier­kon­zert mit Ei­gen­kom­po­si­tio­nen. Ge­streng wie ei­ne rus­si­sche Eis­kunst­lauf-Trai­ne­rin hat La­ra Vik­tors mu­si­ka­li­schen Wer­de­gang seit frü­hes­ter Kind­heit for­ciert. Co­rin­na Har­fouch spielt die emo­tio­nal ver­här­te­te Frau bril­lant. Sie um­strahlt ei­ne trau­rig-ab­wei­sen­de Au­ra der Ein­sam­keit, wie sie sonst nur Isa­bell Hup­pert zu er­zeu­gen ver­mag. Wer sich La­ra an­nä­hert, wird kühl igno­riert oder not­falls mit mes­ser­schar­fen Be­mer­kun­gen zu­recht­ge­wie­sen. Mit der Zeit hat sie so nicht nur Kol­le­gen und Freun­de, son­dern auch die ei­ge­ne Fa­mi­lie aus­ge­grenzt.

Re­gis­seur Gers­ter will er­wach­sen wer­den. Nach sie­ben­jäh­ri­ger Pau­se be­herrscht er die Kla­via­tur des Fil­me­ma­chens nach wie vor sou­ve­rän. Doch hat er den la­ko­ni­schen Hu­mor sei­nes kon­ge­nia­len Erst­lings­werks „Oh Boy“ dies­mal zu­guns­ten ei­ner an­ge­streng­ten Ernst­haf­tig­keit aus­ge­tauscht. Das Mut­ter-Sohn-Dra­ma ist ei­ne in Stil er­starr­te Fin­ger­übung. „La­ra“ wä­re als in­ter­es­san­ter Kurz­film durch­ge­gan­gen, wirkt aber auf Spiel­film­län­ge ge­streckt arg ma­nie­riert.

FAZIT

Tol­le Haupt­dar­stel­le­rin in ei­nem be­müht künst­le­risch wert­vol­len Film.

Deutsch­land 2019
98 min
Re­gie Jan-Ole Gers­ter
Ki­no­start 07. No­vem­ber 2019