LITTLE JOE – GLÜCK IST EIN GESCHÄFT

Bio­ge­ne­ti­ke­rin Ali­ce hat ei­ne Wun­der­blu­me ent­wi­ckelt. Die ver­langt im Ge­gen­satz zu an­de­ren, pfle­ge­leich­te­ren Neu­züch­tun­gen sehr viel Zu­wen­dung, re­gel­mä­ßi­ges Gie­ßen und lie­be­vol­le An­re­de. Als Be­loh­nung für die Mü­he ver­sprüht sie ei­nen glück­lich ma­chen­den Duft­stoff. So­weit die Theo­rie. Doch je wei­ter die ge­heim­nis­vol­le Blu­me wächst, des­to mehr ver­än­dern sich die Men­schen in Ali­ces Um­feld. Ihr Ver­dacht er­här­tet sich, dass ih­re Schöp­fung wo­mög­lich nicht so harm­los und glücks­ver­hei­ßend ist, wie ur­sprüng­lich ge­plant.

Ach­tung, die Dop­pel­gän­ger kom­men! Im Sci-Fi-Klas­si­ker „In­va­si­on of the Bo­dy Snat­chers“ über­neh­men au­ßer­ir­di­sche Sa­men­kap­seln die Kör­per der Mensch­heit und ma­chen aus ih­nen em­pa­thie­lo­se, gleich­ge­schal­te­te Hül­len. „Litt­le Joe“ er­zählt ei­ne ähn­li­che Ge­schich­te, nur ver­lang­samt und oh­ne Ali­ens.

In­ter­es­sant ist vor al­lem die Mach­art des Films: Rot, weiß und mint­grün sind vor­herr­schen­de Far­ben, das zieht sich von der Blu­me über die La­bor­kit­tel bis zur Haar­far­be der Haupt­fi­gur durch. Das abs­trak­te Farb­kon­zept un­ter­stützt den mär­chen­haf­ten Aspekt der Ge­schich­te. Die Bild­füh­rung passt sich dem zwang­haf­ten Ver­hal­ten der Fi­gu­ren an: Mehr­fach fährt die Ka­me­ra bei Dia­log­sze­nen sto­isch an den Prot­ago­nis­ten vor­bei ins Nichts. An­stel­le von Mu­sik kommt ein ner­vi­ger, hoch­fre­quen­ter Ton zum Ein­satz. 

Die ös­ter­rei­chi­sche Re­gis­seu­rin Jes­si­ca Haus­ner lie­fert mit ih­rem ers­ten eng­lisch­spra­chi­gen Film ein ir­ri­tie­ren­des, oft be­klem­men­des Gen­re­stück ab, das zeit­wei­se an ei­ne et­was zu lang ge­ra­te­ne Fol­ge der Net­flix-Se­rie „Black Mir­ror“ er­in­nert.

FAZIT

Un­ge­wöhn­li­cher Mys­tery­thril­ler, mit Emi­ly Bee­cham und Ben Whis­haw aus­ge­zeich­net be­setzt.

Ori­gi­nal­ti­tel "Litt­le Joe"
Ös­ter­reich 2019
105 min
Re­gie Jes­si­ca Haus­ner
Ki­no­start 09. Ja­nu­ar 2020