O BEAUTIFUL NIGHT

Wong Kar-Wai meets Him­mel über Ber­lin: Das Spiel­film­de­büt des Il­lus­tra­tors Xa­ver Böhm er­zählt die un­ge­wöhn­li­che Ge­schich­te von Ju­ri, ei­nem jun­gen Mann, der je­der­zeit mit dem plötz­li­chen Herz­still­stand rech­net. Ein klas­si­scher Hy­po­chon­der.

Ei­nes Nachts, die Brust schmerzt mal wie­der, trifft er in ei­ner Flip­per­knei­pe auf ei­nen trink­fes­ten Rus­sen. Der be­haup­tet, der TOD höchst­per­sön­lich zu sein und stellt Ju­ri vor die Wahl: "Willst Du so­fort ster­ben oder vor­her noch ein biss­chen Spaß ha­ben?" Das mit dem Herz­in­farkt kann dann doch noch war­ten und so be­ge­ben sich die bei­den auf ei­ne schrä­ge Tour durch das nächt­li­che Ber­lin.

Kom­pli­ment an Ka­me­ra­frau Jie­un Yi und die Post­pro­duc­tion­fir­ma LUGUND­TRUG: So schön men­schen­leer und kunst­voll sti­li­siert hat man die Stadt sel­ten ge­se­hen.

FAZIT

Un­ge­wöhn­li­cher, hu­mor­vol­ler, vi­su­ell her­aus­ra­gen­der Film. Se­hens­wert.

Deutsch­land 2019
89 min
Re­gie Xa­ver Böhm
Ki­no­start 20. Ju­ni 2019

Ich war zuhause, aber ● La paranza dei bambini ● L'adieu à la nuit ● O Beautiful Night

Jetzt re­gen sich Jour­na­lis­ten und Zu­schau­er auf, Fa­tih Ak­ins' neu­er Film sei frau­en­feind­lich.
Mei­ne Gü­te, es geht um Frau­en­mor­de – frau­en­feind­li­cher geht's ja schon per De­fi­ni­ti­on nicht!
Dass "Der gol­de­ne Hand­schuh" kein gu­ter Film ist, ist dann noch mal ein an­de­res The­ma.

Al­ter Gag: der Prot­ago­nist geht über die Stra­ße, man ahnt nichts Bö­ses, und wird RUMMS über­fah­ren. Die Sze­ne kommt ge­fühlt in je­dem zwei­ten Ber­li­na­le-Film vor.

Ich war zuhause, aber

Seit Ta­gen parkt ein Mi­ni­bus von ZDF­neo am Pots­da­mer Platz. Ist Jan Böh­mer­mann vor Ort und plant ei­nen Coup? Will er die Ber­li­nale­ver­ant­wort­li­chen bloß­stel­len und sich über den Kul­tur­be­trieb lus­tig ma­chen? Wie hat er es nur ge­schafft, "Ich war zu Hau­se, aber" in den Wett­be­werb zu schleu­sen?
An­ders ist es nicht zu er­klä­ren, dass die­se Per­si­fla­ge (als sol­che ist sie doch ge­meint, oder???) ernst­haft als Bei­trag auf der Ber­li­na­le läuft. Som­nam­bu­le Schau­spie­ler tra­gen mit hoh­ler Stim­me Sät­ze vor wie: "Dann er­kann­te ich, dass er ein Heiz­kör­per ist. (Pau­se) Aber Heiz­kör­per se­hen an­ders aus...(Pause) Ich bin froh, dass Sie sein Leh­rer sind...". Nein, das muss man nicht ver­ste­hen. Es könn­te sich aber auch um ein Lehr­vi­deo für Sprach­stu­den­ten han­deln. Die über­ar­ti­ku­lier­ten Sät­ze blei­ben hal­lend in der Luft hän­gen, ge­ra­de lan­ge ge­nug, so­dass die Schul­klas­se die ent­spre­chen­de Über­set­zung im Chor auf­sa­gen kann: "I rea­li­zed, he was a ra­dia­tor". Au­weia.

Deutsch­land / Ser­bi­en 2019
105 min
Re­gie An­ge­la Scha­nelec

La paranza dei bambini (Piranhas)

Der ge­ra­de mal 15-jäh­ri­ge Ni­co­la über­nimmt mit sei­ner Jung­sgang die Herr­schaft im Vier­tel Sa­ni­tà in Nea­pel. Koh­le, De­si­gner­kla­mot­ten und die neu­es­ten Snea­k­er: das ist es, was zählt. Vom schnel­len Reich­tum ge­blen­det, ver­lie­ren sie bald jeg­li­che Skru­pel. Was ist schon ein Men­schen­le­ben wert? In ih­rer Welt geht es al­lein um Geld und Macht. La par­an­za dei bam­bi­ni zeigt das hoff­nungs­lo­se Bild ei­ner Ju­gend mit den fal­schen Wer­ten. Be­son­ders be­ein­dru­cken die Lai­en­dar­stel­ler, die ih­re Rol­len als Mi­ni­ma­fio­si mehr als über­zeu­gend spie­len. Der Krieg der Knöp­fe ist trotz sei­nes so­zi­al­kri­ti­schen The­mas aus­ge­spro­chen un­ter­halt­sa­mes Ki­no. Gu­ter Film!

Ita­li­en 2018
110 min
Re­gie Clau­dio Gio­van­ne­si

L'adieu à la nuit (Farewell to the Night)

Wie schön kann das Le­ben sein? Mu­ri­el hat ei­ne Reit­schu­le, be­treibt ei­ne Kirsch­baum­plan­ta­ge und sieht aus wie Ca­the­ri­ne De­neuve. Ei­nes Ta­ges kommt ihr En­kel Alex zu Be­such, der sich an­geb­lich auf dem Weg nach Ka­na­da be­fin­det. Schon bald be­merkt Mu­ri­el, dass Alex sich ver­än­dert hat. Er ist zum Is­lam kon­ver­tiert und ver­hält sich ihr ge­gen­über selt­sam di­stan­ziert. Nach und nach er­kennt sie sei­ne wah­ren Ab­sich­ten.
Die Ge­schich­te von der Oma, die zu dras­ti­schen Mit­teln greift, um die IS-Kar­rie­re ih­res En­kels zu ver­hin­dern, ist nicht frei von Kli­schees: hier die fröh­li­chen, Rot­wein trin­ken­den Fran­zo­sen, da die ver­bis­se­nen Mos­lems, im­mer­zu am Pre­di­gen. Der Film ist in Ka­pi­tel un­ter­teilt: 1. Früh­lings­tag, 2. Früh­lings­tag usw., das zieht sich zwi­schen­durch et­was und man fragt sich, wie­vie­le Ta­ge hat so ein Früh­ling ei­gent­lich? Pro­ble­ma­tisch ist auch die Fi­gur des Alex. Er bleibt zu un­sym­pa­thisch, wes­halb man der ele­gan­ten Ca­the­ri­ne nur halb­her­zig die Dau­men für ih­re Ret­tungs­mis­si­on drückt. Na­ja.

Frank­reich / Deutsch­land 2019 
104 min
Re­gie An­dré Té­chi­né

O Beautiful Night

Wong Kar-Wai meets Him­mel über Ber­lin: Das Spiel­film­de­büt des Il­lus­tra­tors Xa­ver Böhm er­zählt die un­ge­wöhn­li­che Ge­schich­te von Ju­ri, ei­nem jun­gen Mann, der je­der­zeit mit dem plötz­li­chen Herz­still­stand rech­net. Ein klas­si­scher Hy­po­chon­der.
Ei­nes Nachts, die Brust schmerzt mal wie­der, trifft er in ei­ner Flip­per­knei­pe auf ei­nen trink­fes­ten Rus­sen. Der be­haup­tet, der TOD höchst­per­sön­lich zu sein und stellt Ju­ri vor die Wahl: "Willst Du so­fort ster­ben oder vor­her noch ein biss­chen Spaß ha­ben?" Das mit dem Herz­in­farkt kann dann doch noch war­ten und so be­ge­ben sich die Bei­den auf ei­ne schrä­ge Tour durch das nächt­li­che Ber­lin.
Kom­pli­ment an Ka­me­ra­frau Jie­un Yi und die Post­pro­duc­tion­fir­ma LUGUND­TRUG: So schön men­schen­leer und kunst­voll sti­li­siert hat man die Stadt sel­ten ge­se­hen.
Un­ge­wöhn­li­cher, hu­mor­vol­ler, vi­su­ell her­aus­ra­gen­der Film. Se­hens­wert.

Deutsch­land 2019 
89 min
Re­gie Xa­ver Böhm