BRAVE THE DARK
Christliche Werte vermitteln – warum nicht? Wer’s mag. Ob das allerdings so klischeebeladen und cringe wie in BRAVE THE DARK geschehen muss, ist fraglich.
Ab 11. September 2025 im Kino
Pennsylvania, 1986: Stan Deen (Jared Harris) ist Mitte fünfzig und oft traurig. Der Lehrer für Englisch und Theater hat vor über zwei Jahren seine Mutter verloren. Die alte Dame und ihr alleinstehender Sohn haben zusammengelebt, Stan hat sich aufopferungsvoll um sie gekümmert.
An seiner Schule sind alle wahnsinnig nett und grüßen sich mit Namen. Nur der 17-jährige Nate (Nicholas Hamilton) macht Ärger. Keine Überraschung, schließlich trägt er Lederjacke und raucht! Dann wird er auch noch bei einem Einbruch erwischt und landet im Knast. Die Eltern tot, die Großeltern entfremdet, die Freundin wendet sich ab. Nur sein Lehrer Mr. Deen sieht das Gute in dem jungen Troublemaker und bietet an, seine Vormundschaft zu übernehmen.
Der hübsche Boy, der von der Seite ein bisschen wie der junge Kevin Bacon aussieht (und in einer späteren Tanzszene auch dessen Footloose-Moves drauf hat), und der ältere, alleinstehende Herr ziehen zusammen.
Nein, Halt. So eine Geschichte ist das nicht.
BRAVE THE DARK ist keine schwule Sugardaddy-Story. Dass der Lehrer – ganz nach guter alter Onkelmanier – dem Knaben Schokolade schenkt, ihn bei sich einziehen lässt und der Jungschauspieler einmal zu oft grundlos das T-Shirt auszieht: geschenkt. Wer Böses denkt, hat die himmlische Botschaft nicht verstanden.
Die christliche Gutmenschgeschichte basiert auf wahren Begebenheiten (steht jedenfalls im Vorspann) und wurde von den Angel Studios produziert. Dahinter steckt eine erzkonservative Mormonengruppe aus Utah. Neben BRAVE THE DARK haben die bereits das dilettantisch gemachte und inhaltlich fragwürdige Drama Bonhoeffer in die Kinos gebracht. Erschreckenderweise, aber wenig überraschend, sind die Angel-Studios mit ihren Werken in den USA sehr erfolgreich.
Interessanter als das öde Rührstück: Der 2002 verstorbene irische Schauspieler Richard Harris (Gladiator, Harry Potter) hatte zwei Söhne. Der eine ist ebenfalls ein berühmter Schauspieler: Jared Harris – genau, der aus Mad Men und Chernobyl. Der andere heißt Damian Harris und ist Regisseur, unter anderem von BRAVE THE DARK. Und das erklärt wiederum, weshalb sich ein so hervorragender Schauspieler wie Jared in einen derart fragwürdigen Film verirrt: aus Bruderliebe! Amen.
INFOS ZUM FILM
Originaltitel „Brave the Dark“
USA 2025
112 min
Regie Damian Harris
alle Bilder © Kinostar








