HAMNET
Ab 22. Januar 2026 im Kino
Vielleicht ahnt man es schon aufgrund der Punktzahl: HAMNET ist ein guter Film. Und gleichzeitig Chloé Zhaos Comeback. Die chinesische Regisseurin wurde für ihre ersten beiden Filme The Rider und Nomadland zum neuen Wunderkind hochgeschrieben, um dann für ihr nächstes Projekt, den Marvel-Flop Eternals, zu Recht in Grund und Boden kritisiert zu werden.
HAMNET erzählt die Geschichte von Agnes und William Shakespeare, die sich Hals über Kopf verlieben, heiraten und drei Kinder bekommen. Doch ein paar Jahre später stirbt ihr einziger Sohn Hamnet an der Pest. Den Tod des Kindes verarbeitet der Dichter in seinem berühmten Werk „Hamlet“.
Chloé Zhao könnte man unterstellen, dass ihr bisweilen ein Händchen fürs Timing fehlt. Denn vor allem die (bessere) zweite Hälfte ihres Films, genauer der Schluss, ist zwar zum Steinerweichen traurig, doch wird so lange gemolken, bis es fast ins Lächerliche kippt. Dazu zeigt sie immer wieder lange Nahaufnahmen von Schauspielerinnen und Schauspielern, die schreien und weinen. Da wäre der ein oder andere erlösende Schnitt die bessere Wahl gewesen. Man denkt sich in seinem verwöhnten Zuschauerhirn: Bin ich jetzt gefühlskalt oder werde ich hier gerade manipuliert, NOCH trauriger zu sein? Aber egal: Denn der Rest macht diese Schwächen wieder wett.
Zum Beispiel die Besetzung: In den Hauptrollen brillieren Jessie Buckley als Agnes und der wie immer gern gesehene Paul Mescal als William S. himself. HAMNET zeigt ziemlich eindrucksvoll, warum Kunst manchmal so viel erfüllender ist als glattgebügelter Kommerz. Für die breite Masse ist das hier vermutlich nicht gemacht – trotzdem wünscht man dem Film viele Zuschauer. Denn wann musste man im Kino zuletzt bei einem Shakespeare-Stoff weinen? Buz Luhrmanns Romeo + Julia ist auch schon 30 Jahre her.
Neben den Schauspielern überzeugen auch Musik und Ausstattung. Warm, geerdet, ohne CGI-Schnickschnack – alles wirkt handfest und echt. Dazu passt der eindringliche Klassikscore von Max Richter perfekt.
Der Film findet eine gute Balance zwischen Leichtigkeit und Schmerz, was ihn schon jetzt zu einem Topkandidaten für diverse Auszeichnungen in diesem (noch jungen) Kinojahr macht: HAMNET geht zweifellos auf Oscarkurs.
INFOS ZUM FILM
Originaltitel „Hamnet“
GB 2025
125 min
Regie Chloé Zhao
alle Bilder © Universal Pictures International Germany









