The Running Man

THE RUNNING MAN

The Running Man

THE RUNNING MAN

Es wäre ja auch ein Wunder, wenn innerhalb eines Jahres gleich drei gelungene Stephen-King-Verfilmungen in die Kinos kommen würden. Nach "The Life of Chuck" und "The Long Walk" ist THE RUNNING MAN als Adaption von Kings Bachman-Roman zwar originell gedacht, insgesamt aber wenig überzeugend.

Ab 13. November 2025 im Kino

Regisseur Edgar Wright verfolgt einen überraschend schrägen Ansatz. Sein Film wirkt wie ein verschollenes Achtzigerjahre-Relikt, nur eben realisiert mit der technischen Finesse des Jahres 2025. Bildgestaltung, Ton, Ausstattung, Effekte: alles sitzt. Anachronistisch sind dagegen das Schauspiel, die Dialoge und der ganze Vibe, der sich deutlich an der damaligen Muskelkino-Ära orientieren. Es würde einen nicht wundern, käme Arnold Schwarzenegger gleich mit einem One-Liner um die Ecke.

The Running Man

Die Geschichte ist schnell erzählt. In einer autoritär gelenkten Zukunft gehört die Fernsehsendung The Running Man zum nationalen Rauschmittel. Kandidaten werden als Runner von Profikillern gejagt. Wer dreißig Tage überlebt, gewinnt ein Vermögen. Der Fabrikarbeiter Ben Richards, gespielt von Glen Powell, lässt sich aus Angst um das Leben seiner schwer erkrankten Tochter zur Teilnahme überreden. Der Produzent Dan Killian, verkörpert von Josh Brolin als aalglatter Strippenzieher, verkauft ihm das Ganze als einzigen Ausweg. Doch Richards erweist sich als zäher, moralisch unberechenbarer Gegner. Sein Überlebenswille macht ihn zum Liebling der Massen und zur Gefahr für das System.

The Running Man

Natürlich trägt der Film die Medienschelte wie ein Schild vor sich her. Das Thema ist nicht neu und die moralische Botschaft vom gemeinschaftlichen Widerstand gegen autoritäre Manipulation wirkt in unserer Gegenwart eher gut gemeint als zwingend. Im Finale schlägt der Film zudem einen zynischen Ton an, wenn der Held dann doch seine blutige Rache über alles stellt.

The Running Man

Hübsch sind die Verweise und Zitate: Schwarzeneggers Konterfei ziert den „New Dollar“, die Running Woman Laughlin (Katy O’Brian) könnte als Hardcore-Latina eine Schwester von Private Vasquez aus James Camerons Aliens sein und der Show-Moderator (Colman Domingo) erinnert nicht nur optisch an Carl Weathers, noch so einen früheren 80er-Star, der mit Arnie vor der Kamera stand. Doch zwischen Komödie, Thriller, Action und ironischer Hommage pendelt die Inszenierung so heftig, dass man nicht weiß, wohin sie eigentlich will. Ja, die Neuverfilmung ist dynamischer, sieht besser aus und ist nicht so bleiern langweilig wie der Schwarzenegger-Film. Aber das allein macht aus THE RUNNING MAN noch keinen großen Wurf.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Running Man“
USA 2025
133 min
Regie Edgar Wright

The Running Man

alle Bilder © Sony Pictures Entertainment Deutschland

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The Assassment

THE ASSESSMENT

The Assassment

THE ASSESSMENT

In der nahen Zukunft müssen Paare einen Test bestehen, bevor sie Kinder bekommen dürfen – eine Idee, die auch in der Prenzlauer-Berg-Realität sinnvoll erscheint.

Ab 03. April 2025 im Kino

„Companion“, „Baby to go“, „Dream Scenario“, „Little Joe“, „Press and play Love again“ und nun THE ASSESSMENT. Man möchte die Leser ja nicht mit dem einhundertzwanzigsten Vergleich zur britischen Serie „Black Mirror“ langweilen – aber was soll man machen, wenn mit THE ASSESSMENT der einhundertzwanzigste Film in die Kinos kommt, der sich wie eine Doppelfolge der dystopischen Serie anfühlt?

The Assassment

Mia (Elizabeth Olsen) und Aaryan (Himesh Patel) halten sich für die perfekten Eltern, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Während sie naturverbunden in einem Gewächshaus an Pflanzen experimentiert, zieht er sich regelmäßig in virtuelle Welten zurück, um dort möglichst lebensechte Haustiere zu erschaffen. Über ihre Eignung als Eltern entscheidet eine sogenannte „Gutachterin“. Virginia (Alicia Vikander) quartiert sich für sieben Tage bei den beiden ein und stellt ihnen unbequeme Fragen.

The Assassment

Eine der vielen cleveren Ideen des Films: Ab Tag zwei verhält sich Virginia wie ein Albtraum-Kleinkind – inklusive aller dazugehörigen Schrecken. Schließlich sollen Mia und Aaryan beweisen, dass sie auch in Stresssituationen die Nerven behalten. Alicia Vikander spielt diese nervtötende Göre im Erwachsenenkörper großartig.

The Assassment

Neben der starken Besetzung ist es vor allem das ungewöhnliche Setting, das THE ASSESSMENT zu einem besonderen Film macht. Statt in einer aalglatten Zukunftswelt spielt ein Großteil der Geschichte auf einer rauen, kanarisch anmutenden Insel in einem minimalistischen 60er-Jahre-Haus – gespickt mit modernem Hightech-Schnickschnack. Das Drehbuch nutzt dabei das Sci-Fi-Genre geschickt, um relevante Themen wie Klimawandel, Elternschaft und Elitedenken anzusprechen.

Problematisch ist allein das nicht enden Wollende. Der Film ist in sieben Kapitel unterteilt – eins pro Testtag. Eine ohnehin unglückliche Struktur, denn egal, wie spannend die Geschichte ist, das strikte Abarbeiten dieser Kapitel sorgt eher für Ermüdung. Immerhin überraschend: Nach dem siebten Kapitel ist nicht Schluss. Stattdessen beginnt fast ein neuer Film, das Setting wechselt, die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung. Das hätte locker für zwei „Black Mirror“-Folgen gereicht.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Assessment“
GB / Deutschland / USA 2024
114 min
Regie Fleur Fortuné

The Assessment

alle Bilder © capelight pictures

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LITTLE JOE – GLÜCK IST EIN GESCHÄFT

Biogenetikerin Alice hat eine Wunderblume entwickelt. Die verlangt im Gegensatz zu anderen, pflegeleichteren Neuzüchtungen sehr viel Zuwendung, regelmäßiges Gießen und liebevolle Anrede. Als Belohnung für die Mühe versprüht sie einen glücklich machenden Duftstoff. Soweit die Theorie. Doch je weiter die geheimnisvolle Blume wächst, desto mehr verändern sich die Menschen in Alices Umfeld. Ihr Verdacht erhärtet sich, dass ihre Schöpfung womöglich nicht so harmlos und glücksverheißend ist, wie ursprünglich geplant.

Achtung, die Doppelgänger kommen! Im Sci-Fi-Klassiker „Invasion of the Body Snatchers“ übernehmen außerirdische Samenkapseln die Körper der Menschheit und machen aus ihnen empathielose, gleichgeschaltete Hüllen. „Little Joe“ erzählt eine ähnliche Geschichte, nur verlangsamt und ohne Aliens.

Interessant ist vor allem die Machart des Films: Rot, weiß und mintgrün sind vorherrschende Farben, das zieht sich von der Blume über die Laborkittel bis zur Haarfarbe der Hauptfigur durch. Das abstrakte Farbkonzept unterstützt den märchenhaften Aspekt der Geschichte. Die Bildführung passt sich dem zwanghaften Verhalten der Figuren an: Mehrfach fährt die Kamera bei Dialogszenen stoisch an den Protagonisten vorbei ins Nichts. Anstelle von Musik kommt ein nerviger, hochfrequenter Ton zum Einsatz. 

Die österreichische Regisseurin Jessica Hausner liefert mit ihrem ersten englischsprachigen Film ein irritierendes, oft beklemmendes Genrestück ab, das zeitweise an eine etwas zu lang geratene Folge der Netflix-Serie „Black Mirror“ erinnert.

FAZIT

Ungewöhnlicher Mysterythriller, mit Emily Beecham und Ben Whishaw ausgezeichnet besetzt.

Originaltitel „Little Joe“
Österreich 2019
105 min
Regie Jessica Hausner
Kinostart 09. Januar 2020