Sentimental Value

SENTIMENTAL VALUE

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SENTIMENTAL VALUE

Nachdenklich, klug und witzig: Joachim Triers neuer Film.

Ab 04. Dezember 2025 im Kino

Es beginnt mit einer Panikattacke: Nora (Renate Reinsve) muss in wenigen Sekunden auf die Bühne – doch sie bekommt keine Luft. Während im Saal bereits die Lichter ausgehen und die Musik einsetzt, reißt sie sich das Kostüm vom Leib. Weder weiß sie ihren Text, noch kann sie sich dem Publikum stellen. Backstage versucht das Personal, die Ruhe zu bewahren, und flickt das zerstörte Kostüm in Windeseile mit Gaffer-Tape. Das ist nicht nur großartig gespielt, sondern so zum Kichern, dass man zunächst glauben könnte, SENTIMENTAL VALUE mache dort weiter, wo Der schlimmste Mensch der Welt aufgehört hat – als intelligente norwegische Komödie mit derselben Hauptdarstellerin.

Sentimental Value

Doch schnell ändert sich der Ton. Noras entfremdeter Vater Gustav (herausragend: Stellan Skarsgård) und ihre Schwester Agnes (was soll man sagen, ebenfalls hervorragend: Inga Ibsdotter Lilleaas) rücken in den Mittelpunkt des Drehbuchs von Eskil Vogt und Joachim Trier. Zwei Schwestern, die Mutter gerade gestorben – und nun steht der Vater vor der Tür, ein erfolgreicher Regisseur, der im alten Familienhaus (dem heimlichen Star der Geschichte) die tragische Geschichte seiner Mutter verfilmen will.

Sentimental Value

Feinsinniger Humor blitzt immer wieder durch, doch SENTIMENTAL VALUE ist im Kern ein Drama – inklusive Selbstmord, Trauer und vielen Tränen. Dass der Film dabei nie ins Kitschige abgleitet, verdankt er neben dem hervorragenden Ensemble (Elle Fanning glänzt in einer Nebenrolle) vor allem der präzisen Regie Joachim Triers. Der lässt hier seinen inneren Ingmar Bergman off the leash und liefert ein Familiendrama, das es mühelos mit den Werken des schwedischen Überregisseurs aufnehmen kann. Die 133 Minuten stecken voller intimer Momente – mal todtraurig, mal überraschend komisch. Dazu kommen verspielte visuelle Einfälle, mit denen in kurzen Rückblenden die Geschichte des Hauses erzählt wird.

Sentimental Value

SENTIMENTAL VALUE zeigt, wie nah sich Schmerz und Freude in einer Familie sein können – nichts wirkt gespielt, nichts forciert. Gerade daraus entsteht seine stille Kraft. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Der schlimmste Mensch der Welt bleibt Triers Meisterwerk – doch SENTIMENTAL VALUE ist kein schwächerer Nachfolger, sondern ein anderer, reiferer Film.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Affeksjonsverdi“
Norwegen / Frankreich / Dänemark / Deutschland 2025
133 min
Regie Joachim Trier

Sentimental Value

alle Bilder © PLAION PICTURES

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HOPE

HOPE

„Håp“, so der Originaltitel, startet mit knapp zwei Jahren Verspätung in den deutschen Kinos. Die norwegisch-schwedische Produktion gewann mehrere Preise, war unter anderem für den Oscar nominiert.

Anja und Tomas leben in einer Patchwork-Familie: drei gemeinsame Kinder, drei Kinder aus Tomas erster Ehe. Die Beziehung zwischen der jüngeren Choreografin und dem Theaterregisseur wird auf eine harte Probe gestellt, als bei Anja kurz vor Weihnachten ein lebensgefährlicher Hirntumor festgestellt wird.

Genau so fühlt es sich an, wenn plötzlich die katastrophalen Nachrichten niederprasseln und alles aus den Fugen gerät. In den ohnehin unwirklich erscheinenden Tagen „zwischen den Jahren“ begleitet der Film die Familie nach einem Todesurteil aus dem Nichts. Anja geht durch ein Wechselbad der Gefühle, lang gemiedene Aussprachen werden geführt, unterdrückte Gefühle gelangen an die Oberfläche.

Mit „Hope“ kommt ein berührender Film für Erwachsene in die Kinos. Harte Kost, und das ausgerechnet im zweitschlimmsten Monat des Jahres (the winner is January). Maria Sødahl erzählt die Geschichte ihrer eigenen Krankheit ohne jeden Schnickschnack, mit leisem Humor und großer Ehrlichkeit. Neben der souveränen Regie beeindrucken vor allem die beiden Hauptdarsteller Andrea Bræin Hovig und Stellan Skarsgård. „Hope“ lässt das Ende offen und bleibt – der Titel deutet es an – hoffnungsvoll. Grandios.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Håp“
Norwegen / Schweden 2019
125 min
Regie Maria Sødahl
Kinostart 25. November 2021

alle Bilder © Arsenal Filmverleih