Willkommen in Marwen

Der Spiel­zeug­kon­zern Mate­ll bringt nächs­tes Jahr "Bar­bie – der Film" in die Ki­nos – in der Ti­tel­rol­le be­acht­li­cher­wei­se Mar­got Rob­bie. Plas­tik­pup­pen mit Steck­na­del­bei­nen, ge­spielt von Os­car­preis­trä­gern? Die gibt's schon jetzt im neu­en Ste­ve Ca­rell-Film zu se­hen. Will­kom­men in Mar­wen ist al­ler­dings kei­ne quietsch­bun­te "Bar­bie meets Ken"-Lovestory, son­dern die wah­re Ge­schich­te ei­nes trau­ma­ti­sier­ten Man­nes.
Mark Ho­gan­camp wird von ei­ner Hor­de Rechts­ra­di­ka­ler fast tot­ge­prü­gelt. Aus dem Ko­ma er­wacht, fehlt ihm jeg­li­che Er­in­ne­rung an sein frü­he­res Le­ben. Zur The­ra­pie er­schafft er sich sei­ne ei­ge­ne Wirk­lich­keit im Gar­ten: Mar­wen, ein bel­gi­sches Mi­nia­tur­städt­chen im Maß­stab 1:6 zur Zeit des Zwei­ten Welt­krie­ges. Dort lebt, ne­ben bö­sen Na­zis und ei­ner Trup­pe schwer be­waff­ne­ter Frau­en, auch sein Al­ter Ego – der coo­le, ame­ri­ka­ni­sche Cap­tain Ho­gie. Ho­gan­camp fo­to­gra­fiert die bar­bie­haf­ten Pup­pen, die das Aus­se­hen sei­ner Freun­de und Fein­de ha­ben, in selbst er­dach­ten Sze­nen, aus de­nen er stets als Held her­vor­geht.

Ro­bert Ze­me­ckis ist vor al­lem für den Ein­satz bahn­bre­chen­der Spe­zi­al­ef­fek­te be­rühmt. "Zu­rück in die Zu­kunft", "Der Tod steht ihr gut", "Cont­act" oder "For­rest Gump" – im­mer wie­der hat der Re­gis­seur mit in­no­va­ti­ven Tech­ni­ken das Fil­me­ma­chen re­vo­lu­tio­niert. Bei Will­kom­men in Mar­wen wer­den nun erst­mals com­pu­ter­ani­mier­te Pup­pen mit den re­al ge­dreh­ten Au­gen und Mün­dern der Schau­spie­ler ver­schmol­zen. Ein fast sur­rea­ler Ef­fekt, fas­zi­nie­rend, aber auch et­was spoo­ky.

FAZIT

Vi­su­ell au­ßer­ge­wöhn­lich, dra­ma­tur­gisch eher schwach. Die Cha­rak­te­re blei­ben kli­schee­haft und sind zu flach ge­zeich­net. Es gibt nur zwei Ka­te­go­rien Mensch: ent­we­der gü­tig oder grund­bö­se. Will­kom­men in Mar­wen ist trotz sei­ner ori­gi­nel­len Ge­schich­te ein durch­schnitt­li­ches Hol­ly­wood­me­lo­dram, das hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück­bleibt.

USA, 2019
116 min
Re­gie Ro­bert Ze­me­ckis
Ki­no­start 28. März 2019