BERLINALE 2021 – TAG 3

Halb­zeit. Un­vor­stell­bar, dass vor ei­nem Jahr noch Hun­dert­schaf­ten mas­ken­lo­ser Men­schen im Ki­no sa­ßen und ge­mein­sam ge­hus­tet ha­ben. Frü­her war eben doch nicht al­les bes­ser. Bleibt die Hoff­nung, dass sich das Vi­rus bis zum Som­mer ver­zo­gen hat. Husch, husch.

WETTBEWERB

PETITE MAMAN

Schrä­ge Idee: Nach dem Tod ih­rer Groß­mutter hilft Nel­ly ih­ren El­tern beim Aus­räu­men des Hau­ses. Beim Spie­len im Wald lernt sie die gleich­alt­ri­ge Ma­ri­on ken­nen, die sich als ih­re Mut­ter im Kin­des­al­ter ent­puppt. Ver­gan­gen­heit trifft Ge­gen­wart. "Pe­ti­te Ma­man" wirkt wie ei­ne zar­te, sehr fran­zö­si­sche Ant­wort auf die Net­flix­se­rie "Dark". Der neue Film von Cé­li­ne Sciam­ma er­zählt vom Er­wach­sen­wer­den, von Trau­er­be­wäl­ti­gung und Ab­schieds­schmerz. Schön.

Frank­reich 2021
72 min
Re­gie Cé­li­ne Sciam­ma

WETTBEWERB

RENGETEG – MINDENHOL LÁTLAK

Die ner­vös ver­wa­ckel­te Ka­me­ra bleibt kon­se­quent nah auf den Ge­sich­tern und Hän­den der Prot­ago­nis­ten. Es pas­siert fast nichts im neu­en Film von Bence Flie­gauf, da­für wird un­end­lich viel ge­re­det. "Ren­ge­teg – Min­den­hol Lát­lak" ist ei­ne Soap-Ope­ra in Hör­spiel­form. Vi­su­ell eher quä­lend, be­rei­tet es doch ein voy­eu­ris­ti­sches Ver­gnü­gen, den Ge­sprä­chen zu lau­schen.
Die poe­ti­sche­re Be­schrei­bung steht wie im­mer im Pres­se­text:
"Ein Mann spricht mit dem Klei­der­schrank – wes­halb? Wenn Men­schen Sphä­ren sind, kön­nen sie sich je be­geg­nen?"

Eng­li­scher Ti­tel "Fo­rest – I See You Ever­y­whe­re"
Un­garn 2020
112 min
Re­gie Bence Flie­gauf

WETTBEWERB

RAS VKHEDAVT, RODESAC CAS VUKUREBT?

Was wir se­hen, wenn wir zum Him­mel schau­en, bleibt bis zum En­de un­ge­klärt – Blau viel­leicht? Schwarz sieht der Zu­schau­er, wenn er den ein­ge­blen­de­ten An­wei­sun­gen in die­sem Film folgt: ein ers­ter Glo­cken­ton si­gna­li­siert, man sol­le die Au­gen schlies­sen, ein zwei­ter, wann man sie wie­der öff­nen darf. So viel In­ter­ak­ti­on war sel­ten. Nach fünf Mi­nu­ten wan­dert der Blick zur Uhr und es stellt sich die ban­ge Fra­ge, wie man die noch fol­gen­den 145 über­ste­hen soll. Schön, dass es auch mit­tel­mäs­si­ge Stu­den­ten­fil­me in das Wett­be­werbs­pro­gramm schaf­fen. Ge­winnt be­stimmt den Gol­de­nen Bä­ren.

Deut­scher Ti­tel "Was se­hen wir, wenn wir zum Him­mel schau­en?"
Deutsch­land / Ge­or­gi­en 2021
150 min
Re­gie Alex­and­re Ko­be­r­idz

BERLINALE SPEZIAL

LIMBO

Ein Jung­po­li­zist und sein er­fah­re­ner Part­ner sind ei­nem ob­ses­si­ven, be­son­ders bru­ta­len Frau­en­mör­der auf der Spur. Müll, ab­ge­trenn­te Hän­de und über­all Schmeiß­flie­gen – Hong­kong zeigt sich hier von sei­ner schmut­zigs­ten Sei­te.
Der neue Film von Soi Cheang (Dog Bi­te Dog) ist ein sty­lisher, in schwarz-weiß ge­dreh­ter Cop-Thril­ler – span­nend bis zu­letzt und teils ex­zes­siv bru­tal. Das schreit nach US-Re­make: Rus­sell Cro­we und Jo­seph Gor­don-Le­vitt bit­te für die Haupt­rol­len be­set­zen. 

Hong­kong, Chi­na / Volks­re­pu­blik Chi­na 2021
118 min
Re­gie Soi Cheang