22 BAHNEN
Es gibt Filme, die sich mit ihren großen Themen selbst im Weg stehen. 22 BAHNEN, nach dem gleichnamigen Bestsellerroman, gehört dazu.
Ab 04. September 2025 im Kino
Die Geschichte um Tilda, eine Mathematikstudentin, die zwischen Studium, Supermarktjob und der Verantwortung für ihre kleine Schwester Ida zerrieben wird, hat eigentlich alles, was ein packendes Drama ausmacht: eine dysfunktionale Familie, Alkoholismus, Liebe, Tod und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Doch was im Roman von Caroline Wahl Tiefe hat, wirkt auf der Leinwand zu glatt und mutlos.
Regisseurin Mia Maariel Meyer greift immer wieder auf Voice-over zurück – ein Mittel, das den Eindruck eines bebilderten Hörbuchs hinterlässt. Man spürt förmlich die Angst, das Publikum mit Uneindeutigkeiten oder Leerstellen zu überfordern. Statt Reibung gibt es Erklärung, statt Drama: Young-Adult-Klischees.
Sehenswert macht 22 BAHNEN sein Ensemble. Allen voran Luna Wedler: Mit feiner Zurückhaltung trägt sie den Film, macht die Überforderung und Zerrissenheit ihrer Figur spürbar, bleibt dabei absolut glaubwürdig. Auch Zoë Baier, die Tildas kleine Schwester Ida spielt, überzeugt mit Natürlichkeit. Laura Tonke hingegen bekommt kaum Gelegenheit, ihrer Rolle als alkoholkranke Mutter echte Tiefe zu verleihen: Entweder jammert sie, oder sie ist betrunken. Mehr Facetten erlaubt das Drehbuch nicht. Und Jannis Niewöhner als Love Interest Viktor bleibt bei aller äußerlichen Attraktivität ein Fremdkörper: Das Sixpack sitzt, die Nachdenklichkeit wirkt aufgesetzt.
Handwerklich ist das Ganze durchaus sauber: Die Kamera fängt mit klaren, ruhigen Bildern Tildas Welt ein – unter Wasser, im immer erstaunlich leeren Schwimmbad, an der Supermarktkasse oder beim Rave im Steinbruch. Alles ästhetisch bis zur Beliebigkeit. Der Soundtrack setzt zudem auf Mainstream-Pop, der mit den ernsten Themen kollidiert und jede Schwere verdampfen lässt.
So bleibt 22 BAHNEN kein schlechter Film, aber ein erstaunlich zahmer. Alles wirkt ein bisschen zu gefällig – es fehlt das Drama, die Wucht, die diesen Stoff hätte groß machen können.
INFOS ZUM FILM
Deutschland 2025
102 min
Regie Mia Maariel Meyer
alle Bilder © Constantin Film







