Bad Spies

STEL­LEN­WEI­SE KO­MISCH

Au­drey (Mi­la Ku­nis), An­fang 30, jobbt als Kas­sie­re­rin in ei­nem Su­per­markt. Ih­re Lau­ne ist eher mä­ßig, denn ihr lang­wei­li­ger Freund Drew (Jus­tin The­roux) hat ge­ra­de per SMS mit ihr Schluss ge­macht. Als sie aber er­fährt, dass ihr Ex nicht – wie be­haup­tet – ei­nen Pod­cast be­treibt, son­dern in Wahr­heit ein CIA-Agent ist, wird ihr Le­ben auf den Kopf ge­stellt. Von Bö­se­wich­ten nie­der­ge­schos­sen, bit­tet er sie mit letz­ter Kraft, ei­ne klei­ne Sta­tue nach Wien zu schaf­fen und sie dort ei­nem mys­te­riö­sen „Vern“ zu über­ge­ben.
Ge­mein­sam mit ih­rer bes­ten Freun­din Mor­gan (Ka­te McK­in­non) macht sich Au­drey auf den Weg nach Eu­ro­pa. Dort be­ginnt, ver­folgt von Ge­heim­diens­ten und rus­si­schen Auf­trags­kil­lern, ei­ne wil­de Katz-und-Maus-Jagd quer über den Kon­ti­nent.

MACHART

Hitch­cock hat's er­fun­den: Un­be­schol­te­ner Nor­mal­bür­ger wird aus hei­te­rem Him­mel in die fins­te­re Welt des Ver­bre­chens ka­ta­pul­tiert. Aus­lö­ser ist die Jagd nach ir­gend­ei­nem be­deu­tungs­lo­sen Ob­jekt: dem klas­si­schen McGuf­fin, in die­sem Fall ein USB-Stick.

„Bad Spies“ lebt vom Kon­trast zwi­schen über­ra­schend gut ge­mach­ten Ac­tion- und teils ab­sur­den Co­me­dy­sze­nen. Aber der Film hat Län­gen. Ge­ra­de die ei­gent­lich ko­mi­schen Sze­nen fin­den oft schlicht kein En­de. Da juckt es ei­nen, die Sche­re an­zu­set­zen.

Die Che­mie zwi­schen den bei­den Haupt­dar­stel­le­rin­nen stimmt, be­son­ders Ka­te McK­in­non über­zeugt. In Ne­ben­rol­len glän­zen un­ter an­de­rem Ha­san Min­haj und Sam Heu­g­han als nicht ganz so cle­ve­re Agen­ten, so­wie die im­mer tol­le Gil­li­an An­der­son als toug­he Ge­heim­dienst­che­fin.

„Bad Spies“ ist von al­lem ein biss­chen: har­ter Ac­tion­film, „beste-Freundinnen“-Road-Trip und kom­plett über­dreh­te Ko­mö­die. Das sind im Grun­de kei­ne schlech­ten Zu­ta­ten, nur will es sich in die­sem Fall nicht so recht zu­sam­men­fü­gen und lässt den Film oft aus der Ba­lan­ce ge­ra­ten.

FAZIT

Ganz un­ter­halt­sam. Kür­zun­gen hät­ten gut­ge­tan, be­son­ders ge­gen En­de wird’s er­mü­dend.

USA, 2018
Regie Susanna Fogel
117 min
Kinostart 30. August 2018

Asphaltgorillas

UN­ENT­SCHLOS­SE­NE GANGS­TER­KO­MÖ­DIE

Ber­lin bei Nacht. Dro­gen­dea­ler Atris will nicht län­ger nur Hand­lan­ger des Un­ter­welt­bos­ses El Keit­ar sein. Als er sei­nen al­ten Kum­pel Frank wie­der­trifft, be­schlie­ßen sie ge­mein­sam ein gro­ßes Ding zu dre­hen. Aus ge­lie­he­nen 200.000 Eu­ro sol­len 2 Mil­lio­nen Dol­lar Falsch­geld ge­macht wer­den. Doch der Plan geht schief. Schon bald ge­ra­ten die Freun­de zu­sam­men mit Die­bin Ma­rie zwi­schen al­le Fron­ten.

Oder wie Schau­spie­ler Jan­nis Nie­wöh­ner es kom­pak­ter zu­sam­men­fasst: „Es gibt ei­nen Hund, es gibt ei­nen Schlüs­sel. Es gibt zwei Lie­bes­paa­re und es gibt Gangs­ter. Und al­le ver­stri­cken sich in­ein­an­der und es führt zu ei­nem rie­si­gen, schö­nen Cha­os.“

Asphalt­go­ril­las ba­siert auf der Kurz­ge­schich­te „Der Schlüs­sel“ von Fer­di­nand von Schi­rach.

MACHART

„by Buck“, heißt es selbst­be­wusst im Vor­spann. In die­sem Fall ist das eher als War­nung zu ver­ste­hen. Re­gis­seur Det­lev Buck will al­les auf ein­mal und ver­zet­telt sich da­bei in zu vie­len An­sät­zen. Der­be Kla­mot­te oder pa­the­ti­sche Hel­den­ge­schich­te, coo­ler Quen­tin-Ta­ran­ti­no-Ver­schnitt oder plat­te deut­sche Co­me­dy: der Film kann sich nicht ent­schei­den, was er denn nun sein will. Die of­fen­sicht­li­chen Vor­bil­der „Dri­ve“, „Kill Bill“ – oder ak­tu­el­ler „Ba­by Dri­ver“ – blei­ben un­er­reicht.

We­nigs­tens sind die Bil­der gut: Ka­me­ra­mann Marc Achen­bach hat das ne­on­be­leuch­te­te nächt­li­che Ber­lin schön stim­mungs­voll ein­ge­fan­gen. Und auch die Schau­spie­ler ge­hen größ­ten­teils in Ord­nung: Ge­org Fried­rich gibt den schrä­gen Ösi-Vo­gel. El­la Rumpf über­zeugt als coo­le Die­bin Ma­rie. Ok­tay Öz­d­emir sorgt für ein paar an­stän­di­ge La­cher als Si­de­kick Mo. Und Ki­da Kho­dr Ra­ma­dan schafft es als Un­ter­welt­boss El Keit­ar, gleich­zei­tig be­droh­lich und ko­misch zu sein. Nur Jan­nis Nie­wöh­ner schießt weit übers Ziel hin­aus und gri­mas­siert am Ran­de der Kla­mot­te.

FAZIT

Mit „Knall­hart“ hat Det­lev Buck be­reits 2005 den bes­se­ren Klein­gangs­ter­film ab­ge­lie­fert. „Asphalt­go­ril­las“ ist ei­ne An­samm­lung von mehr oder we­ni­ger ge­lun­ge­nen Vi­gnet­ten, die sich nicht zu ei­ner stim­mi­gen Ge­schich­te fü­gen.

Deutschland 2018
Regie Detlev Buck
103 min
Kinostart 30. August 2018

Safari – Match me if you can

NO MATCH

Die Da­ting­welt hat sich in den letz­ten Jah­ren neu er­fun­den: Au­gen­kon­takt war ges­tern, jetzt gibt’s „matchen“ auf Sa­fa­ri. Und da will die Rea­li­tät ge­pimpt wer­den: zum Bei­spiel Har­ry. Der ist ei­gent­lich Bus­fah­rer, gibt sich aber als welt­ge­wand­ter Flug­ka­pi­tän aus. Dank die­ser er­fun­de­nen ID kriegt er die jun­ge „In­fluen­ce­rin“ La­ra rum – denn Frau­en ste­hen to­tal auf Uni­form, das ist be­kannt...
Da­vids Pro­blem lässt sich nicht so ein­fach lö­sen: mit Mit­te 20 ist er im­mer noch Jung­frau. Er wür­de zwar ger­ne, aber dum­mer­wei­se kommt er schon bei der lei­ses­ten Be­rüh­rung. Fak­tisch hat­te er al­so noch nie „ech­ten“ Sex. Und des­halb wird er von Au­re­lie the­ra­piert – wel­che wie­der­um mit Har­ry ver­hei­ra­tet ist und kei­ne Ah­nung vom Dop­pel­le­ben ih­res Gat­ten hat. Ir­gend­wann trifft Da­vid auf Im­mo­bi­li­en­mak­le­rin Mo­na, die ver­hilft ihm zum „ers­ten Mal“. Und ne­ben­bei über­for­dert sie noch den al­lein­er­zie­hen­den Life mit akro­ba­ti­schem Sex im Au­to. So­weit, so kreuz und quer.

MACHART

„Sa­fa­ri – match me if you can“, der kramp­fi­ge Ti­tel deu­tet das Un­heil schon an: Es soll­te wohl leicht und sprit­zig zu­ge­hen, tut es aber nicht. Plum­per Fern­seh­spiel­hu­mor, ge­paart mit lah­men Dia­lo­gen. Dar­ge­bo­ten von un­glaub­wür­di­gen Cha­rak­te­ren, die in ih­rer Holz­schnitt­ar­tig­keit bes­ten­falls als Laub­sä­ge­ar­beit durch­ge­hen. Da kann die Mu­sik noch so jaz­zig lo­cker da­her­kom­men. Nützt nix. Wisch nach links.

FAZIT

Größ­ten­teils un­lus­ti­ge Da­ting­ko­mö­die, in der viel zur Toi­let­te ge­gan­gen wird. So­mit höchs­tens Fans von Mat­thi­as-Schweig­hö­fer-Ko­mö­di­en zu emp­feh­len. Ein­zi­ger Licht­blick: Max Mauff als Da­vid.

Deutschland 2018
Regie Rudi Gaul
109 min
Kinostart 24. August 2018

Christopher Robin

FAST OOOOOOOOH!

Chris­to­pher Ro­bin (Ewan Mc­Gre­gor), der einst mit sei­nen Stoff­tie­ren je­de Men­ge Aben­teu­er im Hun­dert­mor­gen­wald er­leb­te, ist er­wach­sen ge­wor­den. Sein schlecht be­zahl­ter Job macht ihn un­glück­lich. Ehe­frau Emi­ly (Hay­ley At­well) und Toch­ter Made­line (Bron­te Car­mi­cha­el) füh­len sich zu­se­hends ver­nach­läs­sigt. Oben­drein ist sein Chef Keith Win­slow (Mark Gatiss) ein ge­mei­ner Aus­beu­ter, der ihn zur Wo­chen­end­ar­beit zwingt. Weil er des­halb ei­nen Fa­mi­li­en­aus­flug ab­sa­gen muss, ist Chris­to­pher am see­li­schen Tief­punkt an­ge­langt. Doch plötz­lich, nach über 30 Jah­ren, steht sein spre­chen­der Stoff­bär Win­nie Pu­uh (Stim­me im Ori­gi­nal: Jim Cum­mings) wie­der vor ihm. Zu­nächst glaubt Chris­to­pher, er ha­be den Ver­stand ver­lo­ren. Doch je mehr er sich auf sei­nen al­ten Freund ein­lässt, des­to glück­li­cher und be­frei­ter wird er. Der Ho­nig lie­ben­de Bär er­in­nert Chris­to­pher mit sei­nen schlich­ten aber wah­ren Weis­hei­ten dar­an, wie schön die schein­bar end­lo­sen Ta­ge der Kind­heit wa­ren.

MACHART

Der An­fang ist viel­ver­spre­chend: In kur­zen, sehr hübsch in­sze­nier­ten Buch­ka­pi­teln, wird noch wäh­rend des Vor­spanns das bis­he­ri­ge Le­ben von Chris­to­pher Ro­bin er­zählt. Da­nach ist’s erst­mal mit der Nied­lich­keit vor­bei. Denn so, wie aus dem un­be­schwer­ten Kind ein ver­lo­re­ner Er­wach­se­ner ge­wor­den ist, so ver­liert auch der Film in die­sem ers­ten Drit­tel sei­nen Schwung. Erst durch das Auf­tau­chen von Tig­ger, I‑Ah, Fer­kel und all den an­de­ren Freun­den, kommt die Leich­tig­keit und die nö­ti­ge Por­ti­on Hu­mor zu­rück. „Chris­to­pher Ro­bin“ ist nicht un­be­dingt ein Kin­der­film ge­wor­den. Eher ein Gleich­nis für Er­wach­se­ne, die sich ein Herz für Stoff­tie­re be­wahrt ha­ben. Das 50er-Jah­re Set­ting ist lie­be­voll aus­ge­stat­tet und die Ani­ma­ti­on der Tie­re tech­nisch per­fekt. Ge­nau­so wür­de es wohl aus­se­hen, wenn Ted­dy­bä­ren zum Le­ben er­wa­chen wür­den. Trotz­dem, das letz­te Quänt­chen Herz fehlt. Pad­ding­ton 2 hat das letz­tes Jahr ir­gend­wie bes­ser hin­be­kom­men.

FAZIT

Fast der ganz gro­ße Fa­mi­li­en­film 2018. Aber et­was fehlt. Hät­te die Lo­bi AG (www​.lo​biag​.com) die­sen Film pro­du­ziert, wä­re er wo­mög­lich DEUT­LICH nied­li­cher und herz­er­wär­men­der ge­wor­den.

USA, 2018
Regie Marc Forster
104 min
Kinostart 16. August 2018

Breaking In

KON­VEN­TIO­NEL­LER THRIL­LER

Shaun Rus­sel (Ga­bri­el­le Uni­on) be­sucht mit ih­ren bei­den Kin­dern Jas­mi­ne und Glover das An­we­sen ih­res ver­stor­be­nen Va­ters. Dort wer­den sie von vier Ga­no­ven er­war­tet. De­nen ist es trotz High­tech- Über­wa­chungs­an­la­ge ge­lun­gen, ins Haus ein­zu­bre­chen. Denn in ei­nem Safe sol­len Mil­lio­nen Dol­lar Bar­geld ver­steckt sein, aber nur Shaun weiß, wo der sich be­fin­det. Um sie zum Re­den zu brin­gen, wer­den die Kin­der als Gei­seln ge­nom­men. Shaun kann ent­kom­men und ver­sucht mit al­len Mit­teln, ih­re Fa­mi­lie zu ret­ten.

MACHART

Das hät­te Po­ten­ti­al ge­habt. Power­frau macht Bö­se­wich­te platt. Lei­der wur­de das in "Pa­nic Room" schon­mal bes­ser und deut­lich span­nen­der er­zählt. "Brea­king In" ist lieb­los ge­mach­te Kon­fek­ti­ons­wa­re und we­der die Dreh­buch­au­to­ren noch der Re­gis­seur und sei­ne Dar­stel­ler ha­ben sich viel Mü­he ge­ge­ben. Die Ge­schich­te ist vor­her­seh­bar, kli­schee­haft oder oft lä­cher­lich über­trie­ben. So ent­wi­ckelt sich die Mut­ter un­glaub­wür­di­ger­wei­se im Lau­fe des Films zu ei­ner Art Ram­bo. Die teils in Slow Mo­ti­on ge­dreh­ten Ac­tion­sze­nen wir­ken kon­zept­los und stel­len­wei­se un­frei­wil­lig ko­misch. Nicht er­wäh­nens­wert ist lei­der auch der un­in­spi­rier­te Score von Tom Tykwer-Mit­strei­ter John­ny Klimek. Ein Üb­ri­ges trägt (wie­der­mal) die deut­sche Syn­chro­ni­sa­ti­on bei.

FAZIT

Oh­ne nen­nens­wer­te Über­ra­schun­gen. Bleibt von An­fang bis En­de mit­tel­mä­ßig. In je­der Hin­sicht ein C‑Picture.

USA, 2018
Regie James McTeigue
88 min
Kinostart 16. August 2018

Vollblüter

FAS­ZI­NIE­REN­DER THRIL­LER

Teen­ager Lil­ly ist freund­lich, hilfs­be­reit und hat das Aus­se­hen ei­ner Por­zel­lan­pup­pe. Zu­sam­men mit ih­rer Mut­ter lebt sie im Lu­xus­an­we­sen ih­res rei­chen Stief­va­ters. Ih­re bes­te Freun­din heißt Aman­da: gro­ße Au­gen, nied­li­ches Ge­sicht, hoch­in­tel­li­gent. Per­fek­te Up­per­class-Welt in Con­nec­ti­cut. So­weit der ers­te Ein­druck.

Doch hin­ter der re­prä­sen­ta­ti­ven Fas­sa­de ver­birgt sich ei­ne dys­funk­tio­na­le Fa­mi­lie. Stief­va­ter Mark schleicht wie ein Sitt­lich­keits­ver­bre­cher durchs Haus und macht Lil­ly das Le­ben schwer. Nicht wei­ter ver­wun­der­lich, dass sie ihn zu­tiefst ver­ach­tet. Die Mut­ter brät stun­den­lang im So­la­ri­um, da der Gat­te "ei­nen dunk­le­ren Teint be­vor­zugt". Und Aman­da hat in Wahr­heit das Ge­fühls­le­ben ei­nes Ro­bo­ters. Pro­blem­los kann sie wahl­wei­se Trä­nen oder ein per­fekt ein­stu­dier­tes Lä­cheln ab­ru­fen. Je mehr Zeit die bei­den Freun­din­nen mit­ein­an­der ver­brin­gen, des­to mehr ver­su­chen sie, sich ge­gen­sei­tig zu ma­ni­pu­lie­ren. In vier Ka­pi­teln legt der Film Schicht um Schicht den ver­rot­te­ten Kern frei, bis es zur Ka­ta­stro­phe kommt.

MACHART

Schon mit der ers­ten Sze­ne ent­wi­ckelt "Voll­blü­ter" sei­ne düs­te­re Sog­kraft. Nachts, ein Mäd­chen, ein Pferd, ein Mes­ser. Un­heil­voll. Da­mit ist die Stim­mung für den gan­zen Film ge­setzt. Stän­di­ge Be­dro­hung liegt in der Luft. Die ru­hi­gen, ele­gan­ten Ka­me­ra­ein­stel­lun­gen, kom­bi­niert mit dem Knis­tern und Kna­cken der ner­ven­auf­rei­ben­den Mu­sik er­zeu­gen ei­ne kon­stan­te Span­nung.

"Voll­blü­ter" funk­tio­niert glei­cher­ma­ßen als dunk­le Ko­mö­die und Thril­ler. Die wah­re Be­dro­hung ist nicht der Stief­va­ter, son­dern ver­steckt sich hin­ter den mas­ken­haft-hüb­schen Ge­sich­tern der Haupt­dar­stel­le­rin­nen. So­mit ist die Ge­schich­te per­fekt auf Oli­via Coo­ke und Anya Tay­lor-Joy zu­ge­schnit­ten, de­nen in ih­ren Rol­len jeg­li­che Emo­ti­on und Em­pa­thie ab­geht. Zwei eis­kal­te Mör­de­rin­nen in hüb­scher Ver­pa­ckung.

FAZIT

Co­ry Fin­ley lie­fert mit der Ver­fil­mung des von ihm ver­fass­ten Büh­nen­stücks "Tho­roughbreds" sein be­ein­dru­cken­des Re­gie­de­büt ab. Prä­zi­se und sou­ve­rän in­sze­niert. Ei­ne Ent­de­ckung.

USA 2018
Regie Cory Finley
92 min
Kinostart 09. August 2018

Deine Juliet

CHAR­MAN­TE LIE­BES­GE­SCHICH­TE

Lon­don, 1946. Die jun­ge, er­folg­rei­che Schrift­stel­le­rin Ju­liet (Li­ly Ja­mes) er­hält Post von der Ka­nal­in­sel Guern­sey. Far­mer Daw­sey (Mi­chiel Hu­is­man) bit­tet sie, ihm bei der Su­che nach ei­nem sel­te­nen Buch zu hel­fen. Dar­aus er­gibt sich ein re­ger Brief­wech­sel und so er­fährt Ju­liet, dass es auf der In­sel den Li­te­ra­tur­ver­ein „Guern­sey­er Freun­de von Dich­tung und Kar­tof­fel­scha­len­auf­lauf“ gibt. Des­sen teils ex­zen­tri­sche Mit­glie­der ha­ben sich mit dem Le­se­kreis über die schwe­re Zeit wäh­rend der deut­schen Be­sat­zung ge­ret­tet. Ob­wohl we­der ihr Ver­lob­ter, noch ihr Ver­le­ger son­der­lich be­geis­tert sind, fährt Ju­liet spon­tan nach Guern­sey. Sie plant, ei­nen Ar­ti­kel über den un­ge­wöhn­li­chen Buch­club und sein Ge­heim­nis zu schrei­ben.

MACHART

Das nächs­te Rei­se­ziel steht fest: Corn­wall und De­von; weil ein Dreh auf der ech­ten In­sel Guern­sey lo­gis­tisch zu auf­wän­dig ge­we­sen wä­re, muss­te die Film­crew an die Süd­küs­te des bri­ti­schen Fest­lan­des aus­wei­chen. Und ach, ist das schön da! Grü­ne Steil­küs­ten, ver­wun­sche­ne Gär­ten und Kopf­stein­pflas­ter­we­ge un­ter rau­schen­den Laub­bäu­men. Ge­nau die rich­ti­ge Um­ge­bung für ei­ne ro­man­ti­sche Lie­bes­ge­schich­te. Die At­mo­sphä­re ist very bri­tish und so ge­müt­lich wie ei­ne Teati­me bei Fa­mi­lie Craw­ley. Über­haupt, Down­ton Ab­bey: Ein Ver­gleich drängt sich auf, denn bei „Dei­ne Ju­liet“, so der et­was lah­me deut­sche Ti­tel, macht ge­fühlt der hal­be Cast der ITV-Se­rie mit. Ne­ben Lil­ly Ja­mes als Ti­tel­hel­din, spie­len noch Jes­si­ca Brown Find­lay, Matthew Goo­de und Pe­ne­lo­pe Wil­ton mit. Da die letz­te „Down­ton Abbey“-Folge schon ei­ne Wei­le her und der oft an­ge­kün­dig­te Ki­no­film noch nicht in Sicht ist, kommt die­ser net­te Er­satz ge­ra­de recht, die schlimms­ten Ent­zugs­er­schei­nun­gen zu mil­dern.

FAZIT

„The Guern­sey Li­te­ra­ry and Po­ta­to Peel Pie So­cie­ty“, so der kom­pli­zier­te Ori­gi­nal­ti­tel, ist al­les in ei­nem: Liebes‑, Kriegs- und Kri­mi­nal­ge­schich­te. Den­noch plät­schern die 124 Mi­nu­ten ein biss­chen zu harm­los da­hin, grö­ße­re Über­ra­schun­gen gibt es nicht. Da­für ist es schön an­zu­se­hen und lehr­reich: Wer wuss­te au­ßer­halb Eng­lands, dass „schon bald“ auch „in two shakes of a lamb’s tail“ heißt? ?

GB, 2018
Regie Mike Newell
124 min
Kinostart 09. August 2018
Mission: Impossible - Fallout

Mission: Impossible – Fallout

MIS­SI­ON AC­COM­PLISHED

SPOI­LER: Ethan Hunt und sein Team ret­ten auch dies­mal die Welt.

Und wie sie das tun! Tom Crui­se und Re­gis­seur Chris­to­pher Mc­Quar­rie ha­ben mit „Mis­si­on: Im­pos­si­ble – Fall­out“ noch­mal ei­nen drauf­ge­setzt. Schön selbst­iro­nisch – und trotz 2,5 Stun­den Lauf­zeit kei­ne Se­kun­de lang­wei­lig.

Schon un­se­re Groß­el­tern wuss­ten: Tom Crui­se al­tert nicht. "Kaum zu glau­ben, dass der 56-Jäh­ri­ge sei­ne Stunts im­mer noch selbst macht" (©BUNTE+GALA). Für den neu­en Film hat er nun je­den­falls das He­li­ko­pter­flie­gen ge­lernt. Al­so kei­ne Er­mü­dungs­er­schei­nun­gen in Sicht, ganz im Ge­gen­teil. „M: I – Fall­out“ ist der viel­leicht ge­lun­gens­te Teil der Spio­na­ge­film­rei­he. Wie im­mer spielt die Sto­ry nur ei­ne Ne­ben­rol­le, hier geht es in ers­ter Li­nie um Ac­tion und Thrill. Und da­von gibt’s reich­lich. Al­lein we­gen der ful­mi­nan­ten Ver­fol­gungs­jag­den quer durch Pa­ris lohnt sich das An­schau­en. Das sieht al­les ex­trem echt und ge­fähr­lich aus. Nie hat man das Ge­fühl, die Bil­der sei­en zu To­de ma­ni­pu­liert oder gar kom­plett im Com­pu­ter ent­stan­den. Re­gie und Dreh­buch sind straff und auf den Punkt; schließ­lich ist Mc­Quar­rie der ein­zi­ge Re­gis­seur, der nach „M: I – Ro­gue Na­ti­on“ noch ei­nen wei­te­ren Teil des Fran­chise in­sze­nie­ren durf­te. Er weiß al­so, wie’s geht.

FAZIT

Kei­ner rennt so schön wie Tom. Fast schon be­ru­hi­gend zu hö­ren, dass er sich bei den Dreh­ar­bei­ten den Knö­chel ver­letzt hat. Er scheint al­so doch aus Fleisch und Blut zu sein.

„M: I – Fall­out“ ist der bis­her bes­te "klas­si­sche" Ac­tion­film in die­sem Jahr – per­fek­te Un­ter­hal­tung oh­ne Zeit zum Durch­at­men. 007, die Lat­te liegt hoch.

USA 2018
Regie Christopher McQuarrie
147 min
Kinostart 02. August 2018