FABIAN ODER DER GANG VOR DIE HUNDE

Die Ka­me­ra glei­tet durch den U‑Bahnhof Hei­del­ber­ger Platz im heu­ti­gen Ber­lin. An den war­ten­den Fahr­gäs­ten vor­bei, die Trep­pe hin­auf, und plötz­lich be­fin­den wir uns im Ber­lin der 1930er-Jah­re. Nüch­tern, meist di­stan­ziert führt uns Ja­kob Fa­bi­an durch die bro­deln­de Groß­stadt. Tags­über un­ter­for­der­ter Wer­be­tex­ter, zieht der an­ge­hen­de Schrift­stel­ler nachts mit sei­nem bes­ten Freund La­bu­de durch die Bor­del­le und Knei­pen Ber­lins. Ein un­ste­ter Geist, im­mer auf der Su­che. Ver­än­de­rung liegt in der Luft, die Wei­ma­rer Re­pu­blik geht zu En­de, die Na­zis sind auf dem Vor­marsch. Erst die Lie­be zu Cor­ne­lia Bat­ten­berg wird ein Licht­blick in Fa­bi­ans Le­ben, stellt sei­ne iro­ni­sche Welt­an­schau­ung in­fra­ge.

Do­mi­nik Graf wählt für die Neu­ver­fil­mung von Erich Käst­ners gleich­na­mi­gem Ro­man die Stil­mit­tel ei­ner In­de­pen­dent-Pro­duk­ti­on. Ori­gi­nal­schau­plät­ze in Gör­litz und Baut­zen ste­hen für das his­to­ri­sche Ber­lin und Dres­den, kör­ni­ges Su­per-8-Ma­te­ri­al wech­selt mun­ter mit al­ten Ar­chiv­auf­nah­men und auf­wen­dig ein­ge­rich­te­ten Sze­nen in Alt­bau­fluch­ten. Graf er­zählt sei­ne Vi­si­on vom Tanz auf dem Vul­kan oh­ne Kli­schees, frei von Kitsch und ver­zich­tet auf com­pu­ter­ge­nerier­ten Hol­ly­wood­glanz. Das ist weit weg von „Ba­by­lon Ber­lin“. 

Ka­me­ra­mann Han­no Lentz ver­wen­det ein fast qua­dra­ti­sches Bild­ver­hält­nis, das gän­gi­ge Ki­no­for­mat der Zeit, in der die Ge­schich­te spielt. Ei­nes der klei­nen, un­auf­fäl­li­gen De­tails, die den Film so stim­mig ma­chen.
Tom Schil­ling, un­ser Mann für in­tel­lek­tu­el­le Sla­cker, ist die Ide­al­be­set­zung für den ver­lo­re­nen Fa­bi­an. An sei­ner Sei­te glän­zen Saskia Ro­sen­dahl, Al­brecht Schuch und Me­ret Be­cker.

„Fa­bi­an oder der Gang vor die Hun­de“ ist ein im bes­ten Sin­ne alt­mo­di­scher und zu­gleich sehr mo­der­ner Film. Die drei Stun­den Lauf­zeit hät­ten hier und da ein paar Kür­zun­gen ver­tra­gen, doch laut Re­gis­seur gibt es ei­nen Grund für die Län­ge: Er woll­te, dass sein Film in et­wa so lan­ge dau­ert wie die Lek­tü­re des Buchs.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land 2021
178 min
Re­gie Do­mi­nik Graf
Ki­no­start 05. Au­gust 2021

al­le Bil­der © DCM Pic­tures

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