BORGA

Borga? Was issn das? „Borga“ nennen die Ghanaer einen Mann, der es im Ausland zu Reichtum gebracht hat und so seine daheimgebliebene Familie unterstützen kann.

Ist Geiz immer noch geil? Wenn sich der Durchschnittsbürger alle paar Wochen neue Fernseher, Waschmaschinen oder Drucker kauft – was passiert dann eigentlich mit den ganzen Altgeräten? Kojo und Kofi wachsen auf einer stinkenden Müllhalde in Ghana auf. Kabel abbrennen, das freigelegte Metall verkaufen, westlichen Elektroschrott ausschlachten: So sieht der triste Alltag der Kinder aus – hoffnungsvoll ist anders. Jahre später gelangt Kojo mithilfe einer Schlepperbande nach Mannheim, der nicht ganz so schönen Schachbrettstadt am Neckar. Kein Job ist zu unwürdig oder gefährlich: Kojo setzt alles daran, seiner Familie den Traum vom Wohlstand zu erfüllen und selbst ein Borga zu werden.

Ein ungewöhnlicher deutscher Film – ungewöhnlich gut, kraftvoll und im feisten Cinemascopeformat gedreht. Perfekt ist „Borga“ nicht, manchmal irritiert die etwas sprunghafte Erzählweise, aber das schmälert den positiven Gesamteindruck nicht. Hauptdarsteller Eugene Boateng (nicht mit Jérôme verwandt) ist eine echte Entdeckung, spielt die Rolle äußerst überzeugend. Den wird man sicher bald in größeren Produktionen sehen.

Der Film gewann vier Max-Ophüls-Preise, denn er „zeigt in eindringlichen, teils beklemmenden Bildern die globalen Auswirkungen des westlichen Konsums auf Kosten des afrikanischen Kontinents“, so die Begründung der Jury. Dass der Film zuvor bei verschiedenen Festivals abgelehnt wurde, weil der Regisseur eine Kartoffel ist – das ist Political Correctness ad absurdum geführt.

INFOS ZUM FILM

Ghana / Deutschland 2021
107 min
Regie York-Fabian Raabe
Kinostart 28. Oktober 2021

alle Bilder © Across Nations Filmverleih

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