THE SILENCE

Hor­ror­film­schu­le, ers­tes Se­mes­ter: stei­ge­re lang­sam die Span­nung, zei­ge dein Mons­ter nicht zu früh. Bei „The Si­lence“ dau­ert es gan­ze drei Mi­nu­ten, bis die „Avis­pas“ ih­ren ers­ten Auf­tritt ha­ben. Die häss­li­chen Vö­gel sind ei­ne Mi­schung aus Gum­mi­f­le­der­maus, Ali­en und go­ti­schem Was­ser­spei­er. Kaum, dass sie ei­ner un­ter­ir­di­schen Höh­le nach meh­re­ren Mil­lio­nen Jah­ren Ge­fan­gen­schaft ent­fleucht sind, fal­len sie in Hitchcock'scher Ma­nier blut­gie­rig über die Mensch­heit her. Die Vie­cher sind blind, ver­fü­gen aber über ein aus­ge­zeich­ne­tes Ge­hör. Des­halb heißt es ab so­fort: Ru­he! Wie pas­send, dass Haupt­fi­gur Al­ly (Ki­er­nan Ship­ka) ge­hör­los ist. Aus die­ser Be­hin­de­rung macht der Film zwar nichts wei­ter, aber da­durch be­herrscht Al­lys Fa­mi­lie per­fekt die Ge­bär­den­spra­che. Das er­leich­tert die ge­räusch­lo­se Kom­mu­ni­ka­ti­on er­heb­lich. (Wä­re stumm nicht noch bes­ser ge­we­sen?)

Wem die Ge­schich­te vom ge­räusch­emp­find­li­chen Mons­ter ir­gend­wie be­kannt vor­kommt – letz­tes Jahr lief „A Quiet Place“ in den Ki­nos. Al­ler­dings war der um Klas­sen bes­ser und hat sei­ne Mons­ter klu­ger­wei­se nicht ge­zeigt, was ih­re Be­droh­lich­keit er­heb­lich ge­stei­gert hat.

„The Si­lence“ ver­sagt auf vie­len Ebe­nen. John R. Leo­net­tis Film ist größ­ten­teils un­span­nend, un­be­hol­fen in­sze­niert und stüm­per­haft zu­sam­men­ge­hackt. Man­ches wirkt ir­ri­tie­rend zu­sam­men­hang­los, als stamm­ten Sze­nen aus ei­nem an­de­ren Film – sie be­gin­nen oh­ne Ein­füh­rung und en­den oh­ne Auf­lö­sung. Wich­ti­ge Tei­le, die ei­gent­lich dem Ver­ständ­nis dien­ten, schei­nen er­satz­los der Sche­re zum Op­fer ge­fal­len zu sein. Mög­lich, dass es ir­gend­wann mal ei­ne län­ge­re, bes­se­re, oder so­gar noch viel schlech­te­re Ver­si­on des Films gab.

FAZIT

Das Le­ben ist teu­er und sonst ver­läss­lich gu­te Schau­spie­ler ma­chen zwi­schen­durch auch mal Schrott­fil­me fürs Geld. „The Si­lence“ – sel­ten sah man Stan­ley Tuc­ci schlech­ter.

USA 2019
90 min
Re­gie John R. Leo­net­ti
Ki­no­start 16. Mai 2019

Captain Marvel

Ne­ga­ti­ve Kri­tik an Cap­tain Mar­vel ist Me­ckern auf ho­hem Ni­veau. Wie ge­wohnt ist das neu­es­te Ka­pi­tel im Mar­vel Cin­e­ma­tic Uni­ver­se per­fekt ge­mach­tes Pop­korn­ki­no. Al­ler­dings liegt die Lat­te mitt­ler­wei­le so hoch, sind die Fans der­art ver­wöhnt, dass es auf­fällt, wenn Sto­ry und Ef­fek­te nur gu­ter Durch­schnitt sind. Cap­tain Mar­vel bie­tet kaum et­was, was man nicht so oder bes­ser schon in an­de­ren Pro­duk­tio­nen ge­se­hen hät­te. Nach dem bahn­bre­chen­den "Black Pan­ther" und wit­zi­gen "Ant-Man and the Wasp" im ver­gan­ge­nen Jahr ist dies eher ei­ne klei­ne Zwi­schen­mahl­zeit bis zum gro­ßen Fi­na­le in "Aven­gers: End­ga­me".

Cap­tain Mar­vel spielt Mit­te der 1990er Jah­re: Zwei ver­fein­de­te Ali­en­völ­ker ver­la­gern aus ir­gend­ei­nem nicht nä­her er­läu­ter­ten Grund ih­re Aus­ein­an­der­set­zung auf un­se­re Er­de. Da­bei spielt Ca­rol Dan­vers aka Cap­tain Mar­vel ei­ne Schlüs­sel­rol­le – sie kann als Ein­zi­ge den in­ter­ga­lak­ti­schen Krieg be­en­den.

Im ers­ten Vier­tel noch auf gu­te Art ver­wir­rend, bei­na­he wie ein Traum in­sze­niert, wird Cap­tain Mar­vel im wei­te­ren Ver­lauf im­mer kon­ven­tio­nel­ler. Neu ist, dass dies­mal nicht die Bö­se­wich­ter ge­ne­risch und da­mit un­in­ter­es­sant sind, son­dern die Hel­din selbst. Brie Lar­son ist zwar ei­ne aus­ge­zeich­ne­te, Os­car-ge­krön­te Schau­spie­le­rin, aber aus der ein­di­men­sio­na­len Fi­gur Cap­tain Mar­vel kann selbst sie nicht viel her­aus ho­len. Die Ti­tel­hel­din bleibt ei­nem auch nach zwei Ki­no­stun­den selt­sam egal. Das könn­te dar­an lie­gen, dass der Film die klas­si­sche Ent­wick­lungs­ge­schich­te der Hel­din dra­ma­tur­gisch um­geht. Statt den ge­wohn­ten Weg vom No­bo­dy zum Su­per­he­ro zu er­zäh­len, ver­fügt Cap­tain Mar­vel schon von An­fang an über ih­re Su­per­kräf­te. Das wird aus­führ­lich in den mitt­ler­wei­le zum Stan­dard ge­hö­ren­den "Haut glüht von in­nen, En­er­gie­strahl aus Auge/​Hand/​Mund zer­bombt alles"-Szenen ge­zeigt. We­nigs­tens brin­gen der di­gi­tal ver­jüng­te Sa­mu­el L. Jack­son und ei­ne nied­li­che Ali­en­kat­ze ein biss­chen Spaß in die Sa­che.

FAZIT

Beim Ren­nen um den bes­ten weib­li­chen Su­per­hel­den geht DC als kla­rer Sie­ger her­vor: "Won­der Wo­man" hat mehr Charme, Witz und Herz als der 21. Film aus dem Mar­vel-Uni­ver­sum.

USA 2019
124 min
Re­gie An­na Bo­den & Ryan Fleck
Ki­no­start 07. März 2019