TED BUNDY: NO MAN OF GOD

TED BUNDY: NO MAN OF GOD

Als sie das Dreh­buch zu­ge­schickt be­kommt, fragt sich Re­gis­seu­rin Am­ber Sea­ley zu Recht: „War­um wol­len die noch ei­nen Ted-Bun­dy-Film ma­chen?!“, gibt es doch mitt­ler­wei­le un­zäh­li­ge Spiel- und Do­ku­men­tar­fil­me, die sich mit dem Le­ben des Se­ri­en­kil­lers aus­ein­an­der­set­zen. Bun­dy ver­ge­wal­tig­te und tö­te­te laut ei­ge­ner Aus­sa­ge mehr als 30 Frau­en und Mäd­chen. Bill Hag­mai­er, ei­ner der ers­ten Pro­fi­ler, die da­zu aus­ge­bil­det wur­den, psy­cho­lo­gi­sche Tä­ter­pro­fi­le von Se­ri­en­mör­dern zu er­stel­len, soll­te im Auf­trag des FBI den zum To­de Ver­ur­teil­ten zum Re­den brin­gen. Das In­ter­view zog sich über fünf Jah­re, die Ton­band­auf­zeich­nun­gen lie­fer­ten spä­ter die Vor­la­ge für den Best­sel­ler „Ted Bun­dy: Con­ver­sa­ti­ons wi­th a Kil­ler“.

„Ted Bun­dy: No Man of God“ ist ein Kam­mer­spiel: Die meis­ten Sze­nen fin­den im Ver­hör­raum statt. Bun­dy strahlt ei­ne sub­ti­le Bös­ar­tig­keit aus, der sich Hag­mai­er kaum ent­zie­hen kann. Ein we­nig er­in­nert das Katz- und Maus­spiel an Han­ni­bal Lec­ter und Cla­ri­ce Star­ling. Eli­jah Wood spielt Hag­mai­er mit ei­ner un­auf­dring­li­chen En­er­gie, sanft und groß­äu­gig. Lu­ke Kir­by, der dem ech­ten Bun­dy frap­pie­rend ähn­lich sieht, ver­kör­pert die Ma­nie­ris­men und Spra­che des Mör­ders her­vor­ra­gend. Ob­wohl sich ei­ni­ge der In­ter­view­sze­nen un­nö­tig in die Län­ge zie­hen, bleibt die Span­nung dank der schau­spie­le­ri­schen Leis­tun­gen durch­weg er­hal­ten. Re­gis­seu­rin Am­ber Sea­ley ver­steht es, ih­re weib­li­che Sicht un­auf­dring­lich in den Film ein­zu­we­ben. Manch­mal ver­harrt die Ka­me­ra wie ne­ben­bei kurz auf ei­ner Frau am Ran­de ei­ner Ein­stel­lung – ei­ne Sta­tis­tin auf dem Bür­ger­steig, in ei­nem Au­to, in ei­nem Flur – als lei­se Er­in­ne­rung dar­an, dass in Fil­men über männ­li­che Se­ri­en­mör­der die Op­fer oft ver­ges­sen wer­den.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „No Man of God“
USA 2021
100 min
Re­gie Am­ber Sea­ley
Ki­no­start 23. Sep­tem­ber 2021

al­le Bil­der © Cen­tral Film