MERKEL – MACHT DER FREIHEIT

MERKEL – MACHT DER FREIHEIT

Kinostart 24. November 2022

Ist schon ge­nü­gend Zeit ver­gan­gen? Will man sich nur ein Jahr nach ih­rem frei­wil­li­gen Aus­stieg aus der Po­li­tik ei­nen Film über An­ge­la Mer­kel an­schau­en? Die Re­gis­seu­rin Eva We­ber hat die­se Fra­gen mit "ja" be­ant­wor­tet und aus um­fang­rei­chem Ar­chiv­ma­te­ri­al und zahl­rei­chen In­ter­views mit Zeit­zeu­gen ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on über das Le­ben und Wir­ken der ewi­gen Kanz­le­rin ge­macht.

Das ent­schei­den­de Merk­mal von An­ge­la ist die Ab­we­sen­heit von Ego

Frau und Os­si: Kann die das? An­ge­la Mer­kel muss sich zu Be­ginn ih­rer po­li­ti­schen Kar­rie­re vie­le Selt­sam­kei­ten an­hö­ren. „Geht das nicht al­les ein biss­chen schnell für Sie? Ha­ben Sie ge­le­gent­lich das be­klem­men­de Ge­fühl, es ge­sche­he et­was mit Ih­nen, mehr als dass Sie sel­ber et­was aus sich ma­chen? An­ge­la Mer­kel: der­zeit mehr Ob­jekt als Sub­jekt?“, fragt der Jour­na­list Gün­ter Gaus 1991. Die glei­che Fra­ge ei­nem Mann ge­stellt – un­denk­bar. Mer­kel zuckt kaum wahr­nehm­bar mit den Mund­win­keln. Pro­vo­ka­tio­nen sitzt sie aus.

Mit ma­xi­ma­ler Ef­fi­zi­enz räumt sie spä­ter po­li­ti­sche Geg­ner aus dem Weg. Ih­re Rol­le im Macht­kampf um das En­de der Ära Kohl fasst der ehe­ma­li­ge bri­ti­sche Bot­schaf­ter Lord Mc­Do­nald nicht oh­ne Be­wun­de­rung so zu­sam­men: „Der al­te Mann muss­te weg. Je­mand muss­te ihn ab­fer­ti­gen.“ Wäh­rend an­de­re En­er­gie auf eit­le Hah­nen­kämp­fe ver­schwen­den, ver­folgt An­ge­la Mer­kel sto­isch ih­re Zie­le, im­mer im Diens­te der Sa­che. „Das ent­schei­den­de Merk­mal von An­ge­la ist die Ab­we­sen­heit von Ego“, sagt der ehe­ma­li­ge bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­ter To­ny Blair über sie.

„MER­KEL – Macht der Frei­heit“ ist das un­auf­ge­reg­te Por­trät ei­ner un­auf­ge­reg­ten Po­li­ti­ke­rin. Die Ex-Kanz­le­rin selbst taucht im gan­zen Film nur in be­reits be­kann­tem Ma­te­ri­al auf, für ein neu­es In­ter­view stand sie nicht zur Ver­fü­gung. Un­zäh­li­ge Ar­chiv­aus­schnit­te, Fo­tos und Fil­me hat die Re­gis­seu­rin aus­ge­wer­tet und neu zu­sam­men­ge­fügt. Kri­ti­sche Tö­ne blei­ben da­bei größ­ten­teils aus. So ent­steht das un­ter­halt­sa­me, aber ge­ra­de im An­ge­sicht der ak­tu­el­len Russ­land­kri­se et­was zu po­si­ti­ve Bild ei­ner Po­li­ti­ke­rin, die sech­zehn Jah­re lang die mäch­tigs­te Frau der Welt war.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land / GB / Dä­ne­mark 2022
96 min
Re­gie Eva We­ber

al­le Bil­der © PRO­GRESS Film­ver­leih

DIE UNBEUGSAMEN

DIE UNBEUGSAMEN

„Po­li­tik ist ei­ne viel zu erns­te Sa­che, als dass man sie al­lei­ne den Män­nern über­las­sen könn­te.“
(Kä­te Stro­bel, Bun­des­mi­nis­te­rin 1966 – 1972)

Die ers­ten Jah­re in der Bon­ner Re­pu­blik wa­ren ein rei­ner Män­ner­klub. Tors­ten Kör­ner er­zählt in sei­nem her­vor­ra­gen­den Do­ku­men­tar­film von den Pio­nie­rin­nen, die seit Grün­dung der Bun­des­re­pu­blik um Be­tei­li­gung und Gleich­be­rech­ti­gung in der Po­li­tik ge­kämpft ha­ben. Es war ein lan­ger und be­schwer­li­cher Weg. Po­li­ti­ke­rin­nen wie Ri­ta Süss­muth, Re­na­te Schmidt oder Her­ta Däub­ler-Gme­lin er­in­nern sich an die Zei­ten, als ih­nen Se­xis­mus und Ar­ro­ganz im über­wie­gend männ­lich be­setz­ten Par­la­ment ent­ge­gen­schlu­gen. Frau­en wur­den ent­we­der als schmü­cken­des Bei­werk be­lä­chelt oder als hys­te­risch ab­ge­tan. In ei­ner be­son­ders ge­lun­ge­nen Se­quenz ver­knüpft der Film die Schick­sa­le der pro­mi­nen­tes­ten weib­li­chen Ge­gen­po­le der Bon­ner Re­pu­blik: Pe­tra Kel­ly und Han­ne­lo­re Kohl. Zwei hoch­in­tel­li­gen­te Frau­en, die nur auf den ers­ten Blick un­ter­schied­li­cher nicht sein könn­ten und de­ren bei­der Le­ben tra­gisch en­de­te.

Lei­der wird „Die Un­beug­sa­men“ zur­zeit ne­ga­tiv as­so­zi­iert, denn ge­ra­de als die Ta­li­ban in Ka­bul ein­rü­cken und sich Men­schen ver­zwei­felt an Flug­zeu­gen fest­hal­ten, um Af­gha­ni­stan zu ver­las­sen, be­sucht die Bun­des­kanz­le­rin froh ge­launt die Pre­mie­re des Films. Bad Ti­ming, Ar­min La­schet fin­det das lus­tig.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land 2020
99 min
Re­gie Tors­ten Kör­ner
Ki­no­start 26. Au­gust 2021

al­le Bil­der © MA­JE­S­TIC