TENET

Chris­to­pher No­lan ist ei­ner der we­ni­gen mo­der­nen Re­gis­seu­re, der – ab­ge­se­hen von sei­ner Bat­man-Tri­lo­gie – kei­ne Fran­chise-Fil­me pro­du­ziert, son­dern ver­schie­dens­te Gen­res neu in­ter­pre­tiert und da­mit oft ein­zig­ar­ti­ge Ki­no­er­leb­nis­se kre­iert. So ent­steht im bes­ten Fall in­tel­li­gen­tes Über­wäl­ti­gungs­ki­no, das (neu­deutsch) ei­nen Brain­fuck aus­zu­lö­sen ver­mag.

Das The­ma „Zeit“ fas­zi­niert No­lan da­bei schon seit sei­nem frü­hen Er­folg „Me­men­to“. In spä­te­ren Wer­ken wie „In­cep­ti­on“ und „In­ter­stel­lar“ spielt er im­mer wie­der mit tem­po­rä­ren An­oma­lien. Selbst „Dun­kirk“, auf den ers­ten Blick ein straigh­ter Kriegs­film, ent­puppt sich als Kunst­werk der Ver­schach­te­lung: Die glei­che Ge­schich­te wird in drei par­al­le­len Zeit­strän­gen er­zählt: als ei­ne Wo­che auf dem Land, als ein Tag auf der See und zu ei­ner Stun­de kom­pri­miert in der Luft.

Der bri­ti­sche Re­gis­seur gilt als ei­ner der größ­ten Ge­heim­nis­krä­mer der Film­ge­schich­te. So viel Ge­tue um den In­halt gab es zu­letzt bei Trumps Steu­er­erklä­rung. Wenn das Ge­heim­nis Teil des Events ist, darf man dann über­haupt et­was über die Sto­ry ver­ra­ten? Ja, denn die ver­steht man bei „Te­net“ oh­ne­hin nicht. Ein Ge­heim­agent (John Da­vid Wa­shing­ton) soll die Mensch­heit vor dem Un­ter­gang be­wah­ren. In bes­ter Ja­mes-Bond-Ma­nier jagt er ei­nen rus­si­schen Bö­se­wicht (Ken­neth Bra­nagh), der ei­nen Weg ge­fun­den hat, die Zeit zu ma­ni­pu­lie­ren. Play – Pau­se – Re­wind. Die er­zähl­te Ge­schich­te läuft ab ei­nem ge­wis­sen Punkt gleich­zei­tig vor­wärts und rück­wärts ab. Zeit-In­ver­si­on nennt sich das. Net­te Idee, doch No­lan wä­re nicht No­lan, wenn er die Sa­che nicht noch ver­kom­pli­zie­ren wür­de. Um das al­les halb­wegs zu er­klä­ren, wird un­end­lich viel ge­re­det. Da­zwi­schen über­schla­gen sich Au­tos rück­wärts und Ku­geln flie­gen in Waf­fen zu­rück.

150 Mi­nu­ten lang vi­su­el­len und akus­ti­schen Lärm auf höchs­tem Ni­veau zu ver­an­stal­ten und da­bei zu lang­wei­len, auch das ist ei­ne Kunst. "Te­net" ist laut und ge­schwät­zig. Das Gim­mick, vor- und rück­wärts lau­fen­de Sze­nen mit­ein­an­der zu kom­bi­nie­ren, hat sich schnell ver­braucht. Der Ge­schich­te zu fol­gen, ist na­he­zu un­mög­lich, Mit­ge­fühl mit den Fi­gu­ren und da­mit Span­nung kann da erst gar nicht auf­kom­men.

FAZIT

Gut aus­se­hen­des Sci­ence-Fic­tion-Dra­ma, das sich mög­li­cher­wei­se nach wie­der­hol­tem An­schau­en auch in­halt­lich er­schließt. Lässt kalt.

Ori­gi­nal­ti­tel "Te­net"
USA 2020
150 min
Re­gie Chris­to­pher No­lan
Ki­no­start 26. Au­gust 2020