DUNE

DUNE

Wer Vi­sio­nen hat, soll­te zum Arzt ge­hen. Wenn an Alt­kanz­ler Schmidts Rat­schlag et­was dran ist, kann man nur hof­fen, dass "Dune" pri­vat ver­si­chert ist. Der Film ist ei­ne ein­zi­ge Vi­si­on. Die meis­ten der an­ge­te­as­ten Zu­kunfts­träu­me wer­den wohl erst im zwei­ten Teil von De­nis Ville­neu­ves Neu­ver­fil­mung des un­ver­film­bars­ten Ro­mans al­ler Zei­ten ein­ge­löst.

Wä­re "Dune" ei­ne TV-Se­rie, die man gu­ten Freun­den ans Herz le­gen möch­te, dann wür­de man sie wahr­schein­lich mit den Wor­ten „Du musst die ers­ten drei Fol­gen durch­hal­ten, dann wird es gut...“ emp­feh­len. "Dune" ist ei­ne Ein­lei­tung, ein Vor­spiel zu et­was Grö­ße­rem. Re­gis­seur Ville­neuve lässt sich viel Zeit, sei­ne Wel­ten und Cha­rak­te­re zu ent­fal­ten. Bis es rich­tig los­geht, ist schon mehr als die Hälf­te des 155-Mi­nu­ten-Werks ver­gan­gen.

Auch wenn es zwi­schen­durch mal zäh wird, "Dune" sieht wahn­sin­nig gut aus. Je­des Ein­zel­bild könn­te man sich aus­ge­druckt an die Wand hän­gen. Hübsch an­zu­se­hen ist auch die Be­set­zung: Ti­mo­thée Cha­l­a­met hat nicht nur be­nei­dens­wert lan­ge Wim­pern und ei­ne ma­kel­lo­se Haut, er ist zum Glück auch ein aus­ge­zeich­ne­ter Schau­spie­ler und ver­leiht der Rol­le des jun­gen Hel­den Paul Atrei­des die not­wen­di­ge Tie­fe und Glaub­wür­dig­keit. Über­haupt ist das al­les schau­spie­le­risch auf höchs­tem Ni­veau. Os­car Isaac, Re­bec­ca Fer­gu­son, Char­lot­te Ram­pling, Josh Bro­lin, Ja­vier Bar­dem – was soll da schon schief ge­hen? Und so­gar der ewi­ge Bro Ja­son „Aqua­man“ Mom­oa funk­tio­niert hier als sym­pa­thi­scher Co­mic Re­li­ef und Han So­lo-Er­satz. Von des­sen Leich­tig­keit hät­te der Film mehr ver­tra­gen kön­nen, denn Ville­neuve nimmt die epi­sche Ge­schich­te vom Kampf um den Spi­ce sehr ernst. Hu­mor hat da nichts ver­lo­ren. "Dune" ist mehr ma­chia­vel­li­sches Shake­speare-Dra­ma als Star-Wars-En­ter­tain­ment.

Die 4 Ster­ne wä­ren lo­cker 5 ge­wor­den, gin­ge es al­lein um die hand­werk­li­che Um­set­zung. Ka­me­ra, Sound, Vi­su­al Ef­fects, Aus­stat­tung – das ist al­les vom Feins­ten. Für sol­che Fil­me wur­de Ki­no er­fun­den. Al­so un­be­dingt auf der gro­ßen Lein­wand an­schau­en! Das Spek­ta­kel ist ein vi­su­el­les Fest (und klingt auch toll), bleibt aber emo­tio­nal leicht un­ter­kühlt. So ge­se­hen ist noch Luft nach oben. Da "Dune" en­det, als es ge­ra­de erst rich­tig los­geht, be­steht die Hoff­nung, dass der nächs­te Teil schnel­ler zur Sa­che kommt und die Ge­schich­te pa­cken­der wird. Bei Star Wars war die Fort­set­zung des Ori­gi­nals ja auch der bes­se­re Film.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Dune“
USA 2021
155 min
Re­gie De­nis Ville­neuve 
Ki­no­start 16. Sep­tem­ber 2021

al­le Bil­der © War­ner Bros. En­ter­tain­ment Inc.