GENERATION BEZIEHUNGSUNFÄHIG

GENERATION BEZIEHUNGSUNFÄHIG

Be­zie­hun­gen und Ro­man­tik sind Tim (Fre­de­rick Lau) ein Gräu­el. Nach One-Night-Stands mel­det er sich grund­sätz­lich nicht zu­rück, auf Tin­der war­tet schon die nächs­te Frau. Als er sein weib­li­ches Pen­dant Ghost (Lui­se He­yer) ken­nen­lernt und sich un­ver­se­hens in sie ver­liebt, muss er von sei­ner ei­ge­nen bit­te­ren Me­di­zin kos­ten: Nach ein paar in­ten­si­ven Dates wird er von sei­ner An­ge­be­te­ten geg­hos­tet.

"Ge­ne­ra­ti­on Bzie­hungs­un­fä­hig" ist ei­ne weit­ge­hend un­lus­ti­ge Ko­mö­die mit ei­nem ner­vi­gen Fre­de­rick Lau und ei­ner char­man­ten Lui­se He­yer. Mi­cha­el Nasts Sach­buch-Best­sel­ler, 2016 er­schie­nen, lie­fert die Vor­la­ge. In der Ver­fil­mung dient die ver­stol­per­te Lie­bes­ge­schich­te als lo­cke­re Rah­men­hand­lung für ei­ne Rei­he eher zu­sam­men­hang­lo­ser Be­ge­ben­hei­ten aus dem Le­ben ei­nes Be­zie­hungs­krüp­pels.

"Die Kän­gu­ru-Chro­ni­ken“ wa­ren letz­tes Jahr so er­folg­reich, dass ge­ra­de ei­ne Fort­set­zung ge­dreht wird. Folg­lich gibt es ei­ne Men­ge Zu­schau­er, die auch He­le­na Huf­na­gels Film zum Brül­len ko­misch fin­den wer­den. Hu­mor ist eben Ge­schmack­sa­che, wuss­te schon Til Schwei­ger.
Apro­pos: Be­son­ders stö­rend an „Ge­ne­ra­ti­on Be­zie­hungs­un­fä­hig“ ist wie­der mal die Un­art, je­de Sze­ne mit ei­nem Pop­song zu un­ter­le­gen. Hier scheint die Aus­wahl von ei­nem pen­sio­nier­ten rbb-Re­dak­teur ge­trof­fen wor­den zu sein. Als Tim und sein Opa ei­nen Joint rau­chen ist die mu­si­ka­li­sche Be­glei­tung da­zu – rich­tig: Don’t Bo­gart That Joint – so ori­gi­nell kann nur deut­sche Co­me­dy sein.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land 2020
80 min
Re­gie He­le­na Huf­na­gel
Ki­no­start 29. Ju­li 2021

al­le Bil­der © War­ner Bros. Pic­tures Ger­ma­ny

NIGHT LIFE

Geld, Geld, Geld. Im­mer nur Geld. Al­le brau­chen es, oh­ne Geld ist man am Arsch. Die­se leid­vol­le Er­kennt­nis kommt nicht nur den Bar­kee­pern Mi­lo und Ren­zo in „Night Life“ – die bei­den schlit­tern nicht ganz un­ver­schul­det in ei­ne Dro­gen­ge­schich­te mit rach­süch­ti­gen Gangs­tern – son­dern wohl auch den Dar­stel­lern und dem Re­gis­seur die­ses Films. An­ders ist nicht zu er­klä­ren, wes­halb sich sonst brauch­ba­re Mi­men wie Fre­de­rick Lau und Ely­as M’Barek für ei­ne so al­ber­ne Kla­mot­te her­ge­ben. Ob­wohl „Kla­mot­te“ noch zu nett ist, denn das im­pli­ziert ja ei­nen ge­wis­sen Charme. Da wird auf Teu­fel komm raus over­ac­ted, als sei­en die Schau­spie­ler kom­plett von der Lei­ne ge­las­sen wor­den. Re­gis­seur Si­mon Ver­hoe­ven ist – was das Su­jet be­trifft – kein ganz Un­be­kann­ter, hat aber im Lau­fe sei­ner Kar­rie­re schon deut­lich Bes­se­res ab­ge­lie­fert.

„Night Life“ be­wegt sich auf dem Ni­veau ei­ner al­ber­nen, größ­ten­teils un­ko­mi­schen Pro­Sie­ben-Ko­mö­die aus den 90ern. Man war­tet im Ki­no fast un­wei­ger­lich auf den nächs­ten Wer­be­block. Ein­zi­ger Licht­blick: Pa­li­na Ro­jin­ski bringt ei­nen Hauch Charme in die­sen fa­den Kla­mauk.

FAZIT

Ein La­cher al­le 20 Mi­nu­ten ist zu we­nig.

Deutsch­land 2020
110 min
Re­gie Si­mon Ver­hoe­ven
Ki­no­start 13. Fe­bru­ar 2020

DAS PERFEKTE GEHEIMNIS

Schlim­me Vor­stel­lung: Beim Pär­chen­a­bend legt je­der sein Smart­phone auf den Tisch und al­le dür­fen se­hen, was da so den gan­zen Abend rein­kommt. Zu ei­nem solch ris­kan­ten Spiel ent­schlie­ßen sich sie­ben Freun­de beim ge­mein­sa­men Abend­essen. Nach­rich­ten wer­den vor­ge­le­sen, Te­le­fo­na­te laut mit­ge­hört, es gibt kei­ne Ge­heim­nis­se. An­fangs noch ein harm­lo­ser Spaß wird die gro­ße Trans­pa­renz bald zum De­sas­ter. 

Mo­ment mal, da geht man voll ne­ga­ti­ver Vor­ur­tei­le in die neue Ko­mö­die der „Fack ju Göhte“-Macher – und dann amü­siert man sich halb­wegs gut. Cle­ve­re Idee, gu­te Fi­gu­ren­kon­stel­la­ti­on, sehr un­ter­halt­sa­me Ge­schich­te – da stimmt doch was nicht!
Des Rät­sels Lö­sung: „Das per­fek­te Ge­heim­nis“ wur­de nicht von Deut­schen ent­wi­ckelt, son­dern be­ruht auf ei­ner in­ter­na­tio­nal ge­tes­te­ten Idee. Den glei­chen Film gibt es be­reits als grie­chi­sche, spa­ni­sche, tür­ki­sche, fran­zö­si­sche, me­xi­ka­ni­sche, ko­rea­ni­sche und chi­ne­si­sche Ver­si­on. Die deut­sche ist so­mit die ach­te Neu­auf­la­ge des ita­lie­ni­schen Ki­no­hits „Per­fet­ti Sco­no­sci­uti“, der 2016 al­lei­ne in sei­nem Hei­mat­land knapp 3 Mil­lio­nen Zu­schau­er ins Ki­no lock­te.
Da zwi­schen­mensch­li­che Ver­hal­tens­wei­sen und Ma­rot­ten trotz Glo­ba­li­sie­rung im­mer noch halb­wegs un­ter­schied­lich sind, wird die iden­ti­sche Ge­schich­te ein­fach für je­des Land ent­spre­chend ad­ap­tiert. Die­ses kal­ku­lier­te, ri­si­ko­lo­se Re­cy­cling könn­te man bös­wil­lig auch mut­los nen­nen.

„Das per­fek­te Ge­heim­nis“ ist mit Ely­as M’Barek, Flo­ri­an Da­vid Fitz, Jel­la Haa­se, Ka­ro­li­ne Her­furth, Fre­de­rick Lau, Wo­tan Wil­ke Möh­ring und Jes­si­ca Schwarz or­dent­lich und typ­ge­recht be­setzt. Re­gis­seur Bo­ra Dag­te­kin hält dank des gu­ten Dreh­buchs zwei Stun­den lang die Waa­ge zwi­schen Ko­mö­die, Dra­ma, Kla­mauk und Tief­gang.

FAZIT

Zur Ein­stim­mung kann man sich schon mal die fran­zö­si­sche Ver­si­on „Le Jeu“ an­schau­en, läuft auf Net­flix.

Deutsch­land 2019
115 min
Re­gie Bo­ra Dag­te­kin
Ki­no­start 31. Ok­to­ber 2019

Sweethearts

Fran­ny stol­pert ver­peilt durchs Le­ben und lei­det au­ßer­dem un­ter hef­ti­gen Pa­nik­at­ta­cken. Mel – wie Gib­son – ist das kom­plet­te Ge­gen­teil: ei­ne toug­he, al­lein­er­zie­hen­de Mut­ter, die weiß, wo’s lang geht. Mit dem Raub ei­ner Dia­man­ten­ket­te will sie sich und ih­rer Toch­ter end­lich ein bes­se­res Le­ben er­mög­li­chen. Doch der Über­fall geht schief: Aus ei­ner Not­si­tua­ti­on her­aus nimmt Mel aus­ge­rech­net die durch­ge­knall­te Fran­ny als Gei­sel. An­fangs noch schwer ge­nervt, ge­wöh­nen sich die Frau­en bald an­ein­an­der und wer­den so­gar Freun­din­nen. Stock­holm­syn­drom heißt das wohl. Doch zum Girl­bon­ding bleibt nicht viel Zeit: Von der Po­li­zei und ei­ner Hor­de Gangs­ter ge­jagt, wird die Si­tua­ti­on für die bei­den im­mer brenz­li­ger.

Re­gis­seu­rin Ka­ro­li­ne Her­furths zwei­ter Lang­film. Steht sie dann noch un­ter Wel­pen­schutz? Am sehr, sehr, sehr kon­stru­ier­ten Dreh­buch trägt sie je­den­falls Mit­schuld. Das un­aus­ge­go­re­ne Werk hat sie zu­sam­men mit Mo­ni­ka Fäß­ler ver­fasst.

Swee­the­arts will/​soll wohl ei­ne Hom­mage an Thel­ma und Loui­se sein. Ge­glückt ist das nicht, denn der Film wirkt wie ei­ne harm­lo­se, et­was un­be­hol­fen in­sze­nier­te Fol­ge ei­ner ZDF-Vor­abend­se­rie. Da­zu passt der un­in­spi­rier­te TV-Look. Im Jahr 2019 darf man sich wun­dern: Ha­ben Ba­by­lon Ber­lin, Bad Banks, Dark und an­de­re vi­su­ell auf­re­gen­de deut­sche Pro­duk­tio­nen denn gar kei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen?

FAZIT

Bei al­lem Ge­me­cke­re: Ka­ro­li­ne Her­furth kann rich­tig gut Schau­spie­ler in­sze­nie­ren, je­den­falls an­de­re. Sie selbst nervt mit ih­rer schnapp­at­men­den Über­dreht­heit ge­hö­rig. Han­nah Herz­sprung, Fre­de­rick Lau, An­ne­ke Kim Sar­nau, Ro­nald Zehr­feld, Kat­rin Sass – tol­le Schau­spie­ler in ei­ner mit­tel­mä­ßi­gen Ko­mö­die.

Deutsch­land 2018
107 min
Re­gie Ka­ro­li­ne Her­furth
Ki­no­start 14. Fe­bru­ar 2019