CRAWL

Da kann Greta Thunberg mit noch so schmalen Augen predigen – das Klima geht unaufhaltsam weiter den Bach runter. Kein Wunder, dass bei all den Hurrikans und sintflutartigen Regengüssen auch die Tierwelt durchdreht.

Der Amerikaner hat eine abstoßende architektonische Eigenart: Anstelle eines gescheiten Untergeschosses mit gemauerten Wänden, Licht und Partykeller baut er seine Papphäuser oft auf ein paar primitive Steinsäulen. So bleibt statt des Fundamentes nur der sogenannte Crawlspace, eine gebückt begehbare Lücke zwischen Erdreich und Unterboden. Darin verbirgt sich neben der Strom- und Gasleitung auch allerhand Getier. Aber was hat Klimawandel mit Hausbau zu tun?

Ein Sturm tobt an der Küste Floridas, Land unter. Haley ignoriert alle Aufrufe zur Evakuierung – ihr Vater wird vermisst. Sie macht sich auf die Suche und findet ihn schließlich schwer verletzt im Crawlspace unter seinem Haus. Die Zeit, ihn zu retten, wird immer knapper. Das Wasser steigt und neben Ratten und Spinnen kriecht noch eine weitere, weitaus größere Gefahr da unten. Crawl in mehrfacher Hinsicht.

Ein Vergleich mit „Jaws“ drängt sich auf, auch dort wird der Mensch zur Beute eines wütend schnappenden Untiers. Regisseur Aja inszeniert seinen atavistischen Horror-Thriller ohne Firlefanz, kommt schnell zur Sache und nervt nicht mit Metaebene und Subtext. So schön kann Genrekino sein. 

FAZIT

Ist das alles logisch? Nö, dafür aber extrem spannend.

Originaltitel „Crawl“
USA 2019
88 min
Regie Alexandre Aja
Kinostart 22. August 2019

Widows – Tödliche Witwen

Vier Ganoven lassen nach einem gründlich missglückten Raubüberfall ihre Ehefrauen als Witwen zurück. Um die noch ausstehenden Schulden bei einem verfeindeten Gangster zahlen zu können, nehmen Veronica (Viola Davis), Linda (Michelle Rodriguez), Alice und Belle ihr Schicksal in die eigenen Hände und planen einen Coup.

Fast enttäuschend, dass sich Oscarpreisträger Steve McQueen nach seinem grandiosen „12 Years a Slave“ ganze fünf Jahre Zeit liess, um nun mit dieser kleinen Fingerübung in die Kinos zurückzukehren.
In Widows wird die bekannte Geschichte vom „heist“, dem perfekt geplanten Raub, neu interpretiert:
Frauen übernehmen das Kommando. Wie schon „Ocean’s 8“ liegt Widows damit voll im #metoo-Trend.
Etwas genauer hingeschaut, erzählt der Film aber weniger die Geschichte von women of color und ihrem Weg zu Stärke und Selbstbestimmtheit, sondern die der ultimativen Gleichstellung: Frauen können genauso brutal und skrupellos wie Männer sein. Aha.

FAZIT

Widows – Tödliche Witwen – zehn Minuspunkte für den idiotischen deutschen Titel – ist ein stylish gedrehter, nicht gerade weltbewegender Thriller. Gehobene Konfektionsware.

USA, 2018
Regie Steve McQueen
130 min
Kinostart 06. Dezember 2018