GLITZER UND STAUB

Die ei­ne Hand am Sat­tel­knauf, die an­de­re ele­gant über den Kopf ge­hal­ten, wie um die Au­gen vor dem Son­nen­licht zu schüt­zen. Ein­zi­ges Ziel ist es, das Gleich­ge­wicht zu hal­ten. Ein kur­zer, bru­ta­ler Tanz – wer her­un­ter­fällt, hat ver­lo­ren.

Bul­len­rei­ten ist ein un­er­freu­li­cher Sport. In sei­ner Sinn­lo­sig­keit rückt er in die Nä­he des spa­ni­schen Stier­kampfs. Tie­re lei­den zum Amü­se­ment des Zu­schau­ers. Zum Glück hat „Glit­zer und Staub“ mehr zu bie­ten als Bil­der von ge­quäl­ten Tie­ren, de­nen mit der Spo­re in die Sei­te ge­tre­ten wird. Im Mit­tel­punkt des Do­ku­men­tar­films ste­hen vier Mäd­chen zwi­schen 10 und 17 Jah­ren, die der Traum ver­bin­det, ein ech­tes Cow­girl zu wer­den. Mit dem Kli­schee vom ro­sa ge­klei­de­ten, mit Pup­pen spie­len­den Mäd­chen wird da­bei gründ­lich auf­ge­räumt.

Die Fil­me­ma­che­rin­nen An­na Koch und Ju­lia Lem­ke er­zäh­len vom Mut und An­sporn, sich in ei­nem ge­fähr­li­chen, män­ner­do­mi­nier­ten Sport zu be­wei­sen. „Never scared“ steht auf dem Gür­tel von Ari­ya­na Es­co­be­do. Ei­ne toug­he Aus­sa­ge für ein klei­nes Kind. "Jetzt erst recht" könn­te das trot­zi­ge Mot­to von May­sun lau­ten. Die 10-Jäh­ri­ge saß schon auf ei­nem Pferd, be­vor sie lau­fen konn­te. Ihr Va­ter, der sich ei­gent­lich ei­nen Sohn ge­wünscht hät­te und dar­aus auch kei­nen Hehl macht, glaubt, dass die Zu­schau­er „kras­se Ty­pen auf ei­nem kras­sen Bul­len se­hen wol­len“ – kei­ne be­son­ders er­mu­ti­gen­den Wor­te für sei­ne Toch­ter.

Bul­len­rei­ten, prak­ti­ziert von klei­nen Mäd­chen: ei­ne Ni­sche in der Ni­sche. Die Neu­gier­de der Zu­schau­er wird sich in Gren­zen hal­ten – scha­de, denn "Glit­zer und Staub" ist ein se­hens­wer­ter, ex­zel­lent fo­to­gra­fier­ter Do­ku­men­tar­film über ei­ne ver­bor­ge­ne, selt­sa­me Welt im Wil­den Wes­ten.

Deutsch­land 2020
93 min
Re­gie An­na Koch und Ju­lia Lem­ke
Ki­no­start 29. Ok­to­ber 2020

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