I AM GRETA

Gre­ta Thun­berg Su­per­star. Ist es nun gu­tes oder un­glück­li­ches Ti­ming, aus­ge­rech­net in Co­ro­na-Zei­ten ei­ne Do­ku über die schwe­di­sche Um­welt­ak­ti­vis­tin in die Ki­nos zu brin­gen? Der Sieg über den Vi­rus hat auf der Lis­te der zu lö­sen­den Mensch­heits­pro­ble­me den Top-Spot über­nom­men, Um­welt­schutz ist da­bei ein we­nig in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten. Ei­ne fil­mi­sche Ge­dächt­nis­auf­fri­schung scha­det al­so nicht.

"I am Gre­ta" er­zählt die Ge­schich­te ei­nes Mäd­chens, das mit 15 Jah­ren an­fängt, frei­tags ein­fach nicht mehr in die Schu­le zu ge­hen. Was als ein­sa­mer Pro­test vor dem schwe­di­schen Par­la­ment be­ginnt, wei­tet sich schon bald zu ei­ner glo­ba­len Ju­gend­be­we­gung aus. Wo im­mer Gre­ta mitt­ler­wei­le auf­taucht, wird sie wie ein Rock­star ge­fei­ert. Po­li­ti­ker schmü­cken sich mit ih­rer An­we­sen­heit, so­gar der Papst emp­fängt die jun­ge Schwe­din. Aber bringt all die Öf­fent­lich­keit et­was? Hat sich die Mensch­heit tat­säch­lich ge­än­dert? Gre­ta zwei­felt und fragt im­mer wie­der: Funk­tio­niert mein Mi­kro­fon? Hört ihr mich über­haupt?

Gre­ta tap­fer auf ho­her See, Gre­ta in­nig­lich schmu­send mit ih­rem Pferd, Gre­ta wü­tend auf dem UNO-Kli­ma­gip­fel in New York – „How dare you!“ Die Ma­cher wis­sen ge­nau, was die Fans se­hen und hö­ren wol­len. Ge­ra­de als man dem Film vor­wer­fen möch­te, zu ma­ni­pu­la­tiv zu sein, zu viel Star­kult auf­zu­bau­en, kom­men die Mit-Ver­ur­sa­cher der zer­stör­ten Um­welt zu Wort: Die Sym­pa­thie­trä­ger Trump und Bol­so­n­a­ro, zwei mäch­ti­ge Män­ner, die sich nicht ent­blö­den, ein sech­zehn­jäh­ri­ges Mäd­chen mit Asper­ger-Syn­drom vor der Welt­öf­fent­lich­keit schlecht zu re­den. Ei­ne Er­in­ne­rung, dass der Kampf noch lan­ge nicht ge­won­nen ist.

Ori­gi­nal­ti­tel „I am Gre­ta“
Schwe­den / Deutsch­land / USA / GB 2020
97 min
Re­gie Na­than Gross­man
Ki­no­start 16. Ok­to­ber 2020

CRAWL

Da kann Gre­ta Thun­berg mit noch so schma­len Au­gen pre­di­gen – das Kli­ma geht un­auf­halt­sam wei­ter den Bach run­ter. Kein Wun­der, dass bei all den Hur­ri­kans und sint­flut­ar­ti­gen Re­gen­güs­sen auch die Tier­welt durch­dreht.

Der Ame­ri­ka­ner hat ei­ne ab­sto­ßen­de ar­chi­tek­to­ni­sche Ei­gen­art: An­stel­le ei­nes ge­schei­ten Un­ter­ge­schos­ses mit ge­mau­er­ten Wän­den, Licht und Par­ty­kel­ler baut er sei­ne Papp­häu­ser oft auf ein paar pri­mi­ti­ve Stein­säu­len. So bleibt statt des Fun­da­men­tes nur der so­ge­nann­te Crawl­space, ei­ne ge­bückt be­geh­ba­re Lü­cke zwi­schen Erd­reich und Un­ter­bo­den. Dar­in ver­birgt sich ne­ben der Strom- und Gas­lei­tung auch al­ler­hand Ge­tier. Aber was hat Kli­ma­wan­del mit Haus­bau zu tun?

Ein Sturm tobt an der Küs­te Flo­ri­das, Land un­ter. Ha­ley igno­riert al­le Auf­ru­fe zur Eva­ku­ie­rung – ihr Va­ter wird ver­misst. Sie macht sich auf die Su­che und fin­det ihn schließ­lich schwer ver­letzt im Crawl­space un­ter sei­nem Haus. Die Zeit, ihn zu ret­ten, wird im­mer knap­per. Das Was­ser steigt und ne­ben Rat­ten und Spin­nen kriecht noch ei­ne wei­te­re, weit­aus grö­ße­re Ge­fahr da un­ten. Crawl in mehr­fa­cher Hin­sicht.

Ein Ver­gleich mit „Jaws“ drängt sich auf, auch dort wird der Mensch zur Beu­te ei­nes wü­tend schnap­pen­den Un­tiers. Re­gis­seur Aja in­sze­niert sei­nen ata­vis­ti­schen Hor­ror-Thril­ler oh­ne Fir­le­fanz, kommt schnell zur Sa­che und nervt nicht mit Me­ta­ebe­ne und Sub­text. So schön kann Gen­re­ki­no sein. 

FAZIT

Ist das al­les lo­gisch? Nö, da­für aber ex­trem span­nend.

Ori­gi­nal­ti­tel „Crawl“
USA 2019
88 min
Re­gie Alex­and­re Aja
Ki­no­start 22. Au­gust 2019