BE NATURAL – SEI DU SELBST

BE NATURAL – SEI DU SELBST

„Sei Du selbst!“, ist die wich­tigs­te Re­gie­an­wei­sung, die Ali­ce Guy-Bla­ché ih­ren Schau­spie­lern gibt.
Ali­ce Guy-Bla­ché?
Mit dem Nicht­ken­nen der fran­zö­si­schen Film­pio­nie­rin be­fin­det man sich in bes­ter Ge­sell­schaft. Selbst aus­ge­buff­te Ci­ne­as­ten kom­men bei ih­rem Na­men ins Grü­beln. Im Ge­gen­satz zu den Ge­brü­dern Lu­miè­re oder Tho­mas Al­va Edi­son ist Ali­ce Guy-Bla­ché heu­te aus dem kol­lek­ti­ven Ki­no-Ge­dächt­nis ver­schwun­den. Er­staun­lich, denn seit 1896 hat sie als Re­gis­seu­rin, Pro­du­zen­tin, Stu­dio-Be­sit­ze­rin und Dreh­buch­au­to­rin über 1.000 Fil­me ge­dreht.

Für „Be Na­tu­ral – Sei Du selbst“ hat die Fil­me­ma­che­rin Pa­me­la B. Green mehr als acht Jah­re re­cher­chiert. Sie be­fragt in ih­rer akri­bi­schen Do­ku­men­ta­ti­on vie­le be­kann­te Per­sön­lich­kei­ten des Film­busi­ness, dar­un­ter Ben King­s­ley, Ge­e­na Da­vis und Ju­lie Del­py. Ne­ben den In­ter­views gibt es je­de Men­ge Aus­schnit­te aus den ver­schol­len ge­glaub­ten Wer­ken Guy-Bla­chés zu se­hen. Wie ei­ne Kri­mi­na­lis­tin spürt Green da­bei die wah­re Ge­schich­te ei­ner ver­ges­se­nen Frau auf, oh­ne die sich das Ki­no viel­leicht nie von der be­staun­ten Jahr­markts­at­trak­ti­on zu sei­ner heu­ti­gen Kunst­form wei­ter­ent­wi­ckelt hät­te.

Ih­ren Back­ground als Mu­sik­vi­deo- und Wer­be­re­gis­seu­rin merkt man Green an. Teil­wei­se ist "Be Na­tu­ral" ein biss­chen zu hek­tisch ge­schnit­ten – man­che O‑Töne sind nur 3 Wor­te lang – und auch die re­stau­rier­ten Ori­gi­nal­sze­nen wür­de man ger­ne ein biss­chen län­ger be­stau­nen. Da­für ent­schä­di­gen die lie­be­voll ani­mier­ten Trick-Se­quen­zen, die das Pa­ris und Hol­ly­wood des frü­hen 20. Jahr­hun­derts wie­der auf­le­ben las­sen. Jo­die Fos­ter spricht im Ori­gi­nal die Off­stim­me, in Deutsch­land star­tet der Film OmU und syn­chro­ni­siert in den Ki­nos.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Be Na­tu­ral: The Un­told Sto­ry of Ali­ce Guy-Bla­ché“
USA 2018
103 min
Re­gie Pa­me­la B. Green
Ki­no­start 05. Au­gust 2021

al­le Bil­der © Film­per­len

Hotel Artemis

MEM­BERS ON­LY

2028, auf den Stra­ßen von Los An­ge­les herrscht Bür­ger­krieg. Als ein Bank­über­fall gründ­lich schief­geht, schaf­fen es die an­ge­schos­se­nen Gangs­ter ge­ra­de noch schwer­ver­letzt ins Ho­tel Ar­te­mis. Hin­ter des­sen schä­bi­ger Fas­sa­de ver­birgt sich ei­ne Art Club für Ver­bre­cher in Not, in­klu­si­ve mo­der­ner Kli­nik. Die Re­geln sind ul­tras­t­reng und nur re­gis­trier­ten Mit­glie­dern wird der Ein­tritt ge­währt. Wer der "Nur­se" (Jo­die Fos­ter) kei­nen Code vor­zei­gen kann, kommt nicht rein. Egal, ob er (oder sie) ge­ra­de ver­blu­tet. Im Lau­fe der Nacht che­cken im­mer mehr rach­durs­ti­ge Schwer­ver­bre­cher ins Ho­tel ein. Die Si­tua­ti­on ge­rät zu­se­hends au­ßer Kon­trol­le.

MACHART

Aus­nahms­wei­se mal kein Pre­quel, Se­quel oder kei­ne Co­mic­ver­fil­mung, son­dern ei­ne ei­gen­stän­di­ge, ori­gi­nel­le Ge­schich­te. Auf alt ge­schminkt, tip­pelt Jo­die Fos­ter – wie im­mer her­vor­ra­gend – durch die end­lo­sen Gän­ge des Ho­tels und hält da­bei die Ge­schich­te zu­sam­men. Der Film ist schön düs­ter und schafft vom ers­ten Bild an ei­ne klaus­tro­pho­bi­sche Stim­mung. Das hät­te ei­gent­lich für ein et­was schrä­ges, schö­nes Stück Gen­re­ki­no ge­reicht. Doch selbst der an­sehn­li­che Cast (u.a. Jeff Gold­blum, So­fia Bou­tel­la, Za­cha­ry Quin­to) kann nicht ver­hin­dern, dass der Film im letz­ten Drit­tel kippt. Was zu­nächst wie ein ganz gu­ter Ter­ry-Gil­liam-Film da­her­kommt, wird lei­der ge­gen En­de zu ei­ner aus­ufern­den Ge­walt- und Splat­ter­or­gie.

FAZIT

Ori­gi­nel­le Ge­schich­te, tol­le Aus­stat­tung, am En­de un­nö­tig viel Ge­walt – trotz­dem emp­feh­lens­wert.

USA, 2018
Regie Drew Pearce
110 min
Kinostart 26. Juli 2018