ALS WIR TANZTEN

Me­r­ab und Ira­kli stu­die­ren Tanz an der Aka­de­mie des Ge­or­gi­schen Na­tio­nal­bal­letts in Tif­lis. Die jun­gen Män­ner hof­fen auf ei­nen fes­ten Platz im En­sem­ble. Für Me­r­ab ist es der ein­zi­ge Aus­weg aus ei­nem Le­ben oh­ne Per­spek­ti­ve. An­fangs Kon­kur­ren­ten, kom­men sich die bei­den bald nä­her, wer­den ein Lie­bes­paar. Im ho­mo­pho­ben Ge­or­gi­en müs­sen sie ih­re Be­zie­hung ge­heim hal­ten.

Das Dra­ma des schwe­di­schen Re­gis­seurs Le­van Akin hält ge­konnt die Waa­ge zwi­schen mit­rei­ßen­den Tanz­sze­nen und au­then­ti­schen Ein­bli­cken in das All­tags­le­ben Ge­or­gi­ens. Tif­lis wird als ma­ro­de Stadt ge­zeigt, in der trotzt Han­dy und Club­sze­ne die Zeit ste­hen ge­blie­ben zu sein scheint. Haupt­dar­stel­ler Le­van Gel­bak­hia­ni ist so knuf­fig, dass man ihn sich oh­ne wei­te­res ins Re­gal set­zen könn­te. Er tanzt und spielt die Ver­wir­rung der Ge­füh­le groß­ar­tig.

Für die Dreh­ar­bei­ten muss­te ein ge­än­der­tes Dreh­buch vor­ge­legt wer­den – im que­er-feind­li­chen Ge­or­gi­en hät­te es sonst kei­ne Ge­neh­mi­gun­gen ge­ge­ben. Bei der Ur­auf­füh­rung ver­sam­mel­ten sich hun­der­te na­tio­na­lis­ti­sche und or­tho­do­xe Pro­test­ler, dar­un­ter auch ei­ni­ge Pries­ter. Sie ver­brann­ten ei­ne Re­gen­bo­gen­flag­ge und zeig­ten Pla­ka­te wie „Stoppt LGBT-Pro­pa­gan­da in Ge­or­gi­en“ und „Ho­mo­se­xua­li­tät ist Sün­de und Krank­heit“.
Will­kom­men im Eu­ro­pa 2020.

FAZIT

In­ter­es­san­ter Blick in ein frem­des Land am Ran­de Eu­ro­pas.

Ori­gi­nal­ti­tel „And Then We Danced“
Schwe­den / Ge­or­gi­en 2019
113 min
Re­gie Le­van Akin
Ki­no­start 23. Ju­li 2020