WIR ELTERN

„Er­zie­hung ist die or­ga­ni­sier­te Ver­tei­di­gung der Er­wach­se­nen ge­gen die Ju­gend.“
Das wuss­te schon Mark Twa­in vor mehr als hun­dert Jah­ren. Er­zie­hung kann ja theo­re­tisch auch be­deu­ten: sanft in die rich­ti­ge Bahn len­ken und sich an der Ent­wick­lung des Kin­des er­freu­en. But­ter­wei­ches Ver­ständ­nis für al­les oder dau­ern­des Re­gle­men­tie­ren ma­chen aus dem Kind sel­ten ei­nen brauch­ba­ren Er­wach­se­nen. So wird höchs­tens er­folg­reich die Ent­wick­lung zur Selbst­stän­dig­keit ver­hin­dert. 

In die­sem Sin­ne zeigt das Re­gie­duo Bergkraut/​Schweikert in sei­ner sehr rough ge­dreh­ten Schwei­zer Ho­me­sto­ry „Wir El­tern“ ei­ne ganz nor­ma­le furcht­ba­re Fa­mi­lie. Man weiß gar nicht, wen man ner­vi­ger fin­den soll: die spät­pu­ber­tä­ren Zwil­lings­söh­ne, An­fang 20, die par­tout nicht aus dem Ho­tel Ma­ma bzw. Pa­pa aus­zie­hen wol­len. Oder die viel zu ver­ständ­nis­vol­len Aka­de­mi­ker-El­tern, die, wenn sie dann mal auf den Tisch hau­en, ga­ran­tiert kei­ne Kon­se­quen­zen fol­gen las­sen.

Frei nach wah­ren Be­ge­ben­hei­ten spielt hier der Va­ter und Re­gis­seur Eric Berg­kraut mit sei­nen ei­ge­nen Söh­nen das mit­un­ter schwie­ri­ge Fa­mi­li­en­le­ben nach. Lus­ti­ge Idee: Zwi­schen­durch ge­ben ech­te Ex­per­ten Er­zie­hungs­tipps.

FAZIT

Der Film wird in den deut­schen Ki­nos in ei­ner von den Dar­stel­lern selbst ge­spro­che­nen hoch­deut­schen Ver­si­on ge­zeigt. Die Syn­chro­ni­sa­ti­on scha­det dem Film sehr. Wer die Mög­lich­keit hat, soll­te sich lie­ber die Schwei­zer Ori­gi­nal­ver­si­on mit Un­ter­ti­teln an­schau­en.

Schweiz 2019
94 min
Re­gie Eric Berg­kraut und Ruth Schwei­kert
Ki­no­start 16. Ju­li 2020