WIE IM ECHTEN LEBEN

Kinostart 30. Juni 2022

Ju­li­et­te Bi­no­che macht den Gün­ter Wall­raff und mischt sich in­ko­gni­to un­ter die so­zi­al Be­nach­tei­lig­ten Frank­reichs. Klos schrub­ben, Bet­ten be­zie­hen, Bö­den wi­schen. Und das bit­te im Ak­kord, denn Zeit ist Geld. Ma­ri­an­ne muss sich an das har­te Ar­beits­le­ben ge­wöh­nen, denn bis­her war sie „nur“ Haus­frau und Mut­ter, hat für ih­ren ver­mö­gen­den Mann die Buch­hal­tung ge­macht. Doch der hat sie be­tro­gen und nun muss sie bei null an­fan­gen. So we­nigs­tens ih­re gut er­fun­de­ne Bio­gra­fie.

Tat­säch­lich ist Ma­ri­an­ne ei­ne er­folg­rei­che Au­torin, die ein Buch über den All­tag der Ge­ring­ver­die­ner schrei­ben will. Und weil Er­leb­nis­se aus ers­ter Hand im­mer am bes­ten sind, taucht sie mit fal­scher Iden­ti­tät in die Welt der Hilfs­ar­bei­ter­jobs ein. Be­son­ders mit Chris­te­le, ei­ner toug­hen jun­gen Frau, die sich mit drei Kin­dern durchs Le­ben schlägt, ver­bin­det sie bald ei­ne en­ge Freund­schaft.

In un­kun­di­ger Hand wä­re die Ge­schich­te von der sen­si­blen Au­torin und ih­ren neu­en Freun­din­nen aus dem Pre­ka­ri­at wahl­wei­se ul­tra­de­pri­mie­rend oder vor Kitsch trie­fend ge­ra­ten. Doch der viel­fach aus­ge­zeich­ne­te Schrift­stel­ler und Re­gis­seur Em­ma­nu­el Car­rè­re weiß ge­nau, wie es geht: kein fal­scher Ton, kei­ne for­cier­te Ge­fühls­du­se­lei. Bei sei­nem zwei­ten Spiel­film kann er sich auf ein aus­ge­zeich­ne­tes En­sem­ble ver­las­sen, mit ei­ner wun­der­ba­ren Ju­li­et­te Bi­no­che in der Haupt­rol­le und ei­ner gan­zen Rei­he um­wer­fen­der Lai­en­dar­stel­le­rin­nen an de­ren Sei­te. Gu­ter Film.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Ouist­re­ham“
Frank­reich 2021
106 min
Re­gie Em­ma­nu­el Car­rè­re

al­le Bil­der © Neue Vi­sio­nen Film­ver­leih

DER BESTE FILM ALLER ZEITEN

Kinostart 30. Juni 2022

Die Fra­ge al­ler Fra­gen am En­de: Was bleibt von mir? Da Geld kei­ne Rol­le spielt, könn­te der 80-jäh­ri­ge Mil­li­ar­där Hum­ber­to Sua­rez ei­ne Brü­cke bau­en las­sen, die sei­nen Na­men trägt. Oder viel­leicht ei­nen Film pro­du­zie­ren? Aber nicht ir­gend­ei­nen, son­dern den bes­ten Film al­ler Zei­ten. Da­zu heu­ert er die be­rühm­te Re­gis­seu­rin Lo­la Cue­vas (Pe­né­lo­pe Cruz) und zwei noch be­rühm­te­re Schau­spie­ler an. Ein Clash der Egos: Hol­ly­wood-Star Fé­lix Ri­vero (An­to­nio Ban­de­ras) trifft auf Thea­ter­mi­men Iván Tor­res (Os­car Mar­tí­nez). Um ih­re bei­den Haupt­dar­stel­ler auf den Dreh vor­zu­be­rei­ten, hat sich die Re­gis­seu­rin ei­ne Rei­he von ex­zen­tri­schen Übun­gen aus­ge­dacht: un­ter an­de­rem lässt sie Iván und Fé­lix ih­re Tex­te le­sen, wäh­rend über ih­ren Köp­fen ein fünf Ton­nen schwe­rer Fels­bro­cken bau­melt.

Die im Ori­gi­nal ganz un­be­schei­den „Com­pe­ten­cia ofi­ci­al“ (Of­fi­zi­el­ler Wett­be­werb) ge­nann­te Sa­ti­re des Re­gie­du­os Du­prat & Cohn macht den Zu­schau­ern eben­so gro­ßen Spaß wie den Schau­spie­lern, die sich selbst und ih­re Ei­tel­kei­ten ge­hö­rig auf die Schip­pe neh­men. Der wah­re Su­per­star ist (ne­ben An­to­nio und der für im­mer schö­nen Pe­né­lo­pe) das An­we­sen, in dem ge­dreht wur­de. In sei­ner stren­gen Sach­lich­keit er­in­nert es an ein Love­child von Frank Gehry und Mies-van-der-Ro­he – Ar­chi­tek­tur­stu­den­ten wer­den feuch­te Au­gen be­kom­men. Schö­ne Men­schen, schö­ne Lo­ca­ti­on, schö­ne Bil­der: Ka­me­ra­mann Ar­nau Valls Co­lo­mer setzt den bis­si­gen In­halt in per­fekt kadrier­te, fa­bel­haf­te Bild­kom­po­si­tio­nen um.

Selbst­ge­sprä­che mit ei­nem Staub­sauger­rohr. „Der bes­te Film al­ler Zei­ten“ ist ein cle­ve­res Spiel mit fal­schen Fähr­ten. Was im Mo­ment noch ne­ben­säch­lich er­scheint, be­kommt erst spä­ter ei­ne tie­fe­re Be­deu­tung. Die Re­gis­seu­re wis­sen ge­nau, wie sie den Ge­dan­ken­fluss der Zu­schau­er ma­ni­pu­lie­ren kön­nen. Ein­zi­ger Wer­muts­trop­fen: Emo­tio­nal bleibt der Film un­ter­kühlt. Das liegt an sei­ner Struk­tur: Statt ei­ner Hand­lung rei­hen sich amü­san­te Sket­che an­ein­an­der, die oft ge­ni­al, aber manch­mal ein biss­chen zu vor­her­seh­bar sind.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Com­pe­ten­cia ofi­ci­al“
Spa­ni­en 2021
114 min
Re­gie Gas­ton Du­prat und Ma­ria­no Cohn

al­le Bil­der © STU­DIO­CA­NAL

ELVIS

Kinostart 23. Juni 2022

Er war Su­per­star
Er war po­pu­lär
Er war so ex­al­tiert
Be­cau­se er hat­te Flair
Er war der wah­re King, der größ­te Rock’n Roll Star al­ler Zei­ten.
Bis heu­te hat kein So­lo­künst­ler mehr Mu­sik­trä­ger ver­kauft als El­vis Pres­ley.

Baz Luhr­mann ist ei­ner der Re­gis­seu­re, de­ren Hand­schrift man schon nach we­ni­gen Ein­stel­lun­gen er­kennt. Dies­mal dau­ert es nicht ein­mal ei­ne Se­kun­de, denn schon das dia­man­ten­fun­keln­de 3D-Lo­go von War­ner Brot­hers zeigt, wo­hin die Rei­se geht. Ge­treu dem Li­be­r­ace-Mot­to „Too much of a good thing is won­derful“ schöpft der Re­gis­seur aus dem Vol­len. Al­les ist über­in­sze­niert, ge­fil­tert und auf ma­xi­ma­le Wir­kung in­sze­niert. Wer Luhr­manns Ar­bei­ten kennt, weiß, dass bei ihm Form vor In­halt geht. Das sieht al­les er­war­tungs­ge­mäß toll aus, Ca­the­ri­ne Mar­tins Kos­tü­me und das Pro­duk­ti­ons­de­sign sind ei­ne Hom­mage an Pres­leys Blü­te­zeit von den 1950er bis zu den 1970er-Jah­ren.

Doch un­ter all dem Gla­mour und Glit­ter ver­birgt sich ei­ne kom­ple­xe Ge­schich­te. Der Film be­leuch­tet das Le­ben und die Mu­sik des Su­per­stars durch das Pris­ma sei­ner schwie­ri­gen Be­zie­hung zu sei­nem be­rüch­tig­ten Ma­na­ger Co­lo­nel Tom Par­ker, mit reich­lich Fett­pro­the­sen schön ölig von Tom Hanks ge­spielt.

Egal, ob man Luhr­manns trai­ler­ar­ti­ges Schnitt­ge­wit­ter nun mag oder nicht, sein opu­len­tes Bio­pic ist vor al­lem eins: A su­per­star in the ma­king. Aus­tin But­ler gibt mit se­xu­el­ler Dy­na­mik al­les, shakes, ratt­les and rolls mit so viel Hin­ga­be, dass er nach En­de der Dreh­ar­bei­ten für zwei Wo­chen mit Er­schöp­fungs­sym­pto­men ins Kran­ken­haus muss­te. All die Mü­he hat sich ge­lohnt, denn so­gar El­vis-Wit­we Pri­scil­la ist be­geis­tert: Kein an­de­rer Film ha­be „El­vis je­mals bes­ser dar­ge­stellt“ als die­ser.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „El­vis“
USA 2022
159 min
Re­gie Baz Luhr­mann

al­le Bil­der © War­ner Bros. En­ter­tain­ment Inc.

SHIVER – DIE KUNST DER TAIKO TROMMEL

Kinostart 23. Juni 2022

Schnell die Kof­fer pa­cken und sich auf ei­ne Rei­se nach Ja­pan be­ge­ben. Ge­nau­er nach Sa­do. Wild, ur­sprüng­lich und fas­zi­nie­rend schön sieht die von dra­ma­ti­schem Oze­an­wel­len um­ge­be­ne In­sel in To­yo­da To­shia­kis Film aus.

Schön­heit be­flü­gelt Krea­ti­vi­tät. In „Shi­ver – Die Kunst der Ta­iko Trom­mel“ bil­det Sa­do die Ku­lis­se für ein au­ßer­ge­wöhn­li­ches Ex­pe­ri­ment: Der ja­pa­ni­sche Elek­tro-Mu­si­ker Ko­shiro Hi­no trifft auf das Ta­iko Per­forming Arts En­sem­ble Ko­do. Die Grup­pe be­steht seit über 40 Jah­ren und er­zeugt mit ei­ner Viel­zahl exo­ti­scher Schlag­in­stru­men­te ih­ren mitt­ler­wei­le welt­be­rühm­ten Sound.

Aus der Kol­la­bo­ra­ti­on zwi­schen Hi­no und Ko­do ent­stand ein fas­zi­nie­ren­des au­dio­vi­su­el­les Er­eig­nis, das ganz oh­ne Dia­lo­ge aus­kommt. Zwi­schen Kon­tem­pla­ti­on und pu­rer Kraft: Der Do­ku­men­tar­film „Shi­ver“ ist ein ver­rück­tes, ma­gi­sches und phi­lo­so­phi­sches Event.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Sen­rit­su ses­hi­meyo“
Ja­pan 2020
89 min
Re­gie To­yo­da To­shia­ki 

al­le Bil­der © Ra­pid Eye Mo­vies

PRESS PLAY AND LOVE AGAIN

Kinostart 16. Juni 2022

Ei­ne be­rühm­te An­ek­do­te: Bil­ly Wil­der er­zähl­te ein­mal, er ha­be im Schlaf im­mer die bes­ten Dreh­buch­ideen. Ei­nes Nachts mach­te er sich nach ei­nem be­son­ders leb­haf­ten Traum No­ti­zen. Als er am nächs­ten Mor­gen den Zet­tel las, stand da: Boy meets girl.
So ähn­lich muss auch das Dreh­buch zu „Press Play and Love again“ ent­stan­den sein.

Lau­ra ver­liebt sich in Har­ri­son. Har­ri­son macht Lau­ra ein Mix­tape. Har­ri­son stirbt (sor­ry, SPOI­LER). Lau­ra hört sich ein paar Jah­re spä­ter die Mu­sik­kas­set­te an und wird wie durch Zau­ber­hand in die Ver­gan­gen­heit zu­rück­ge­schleu­dert. Zu­kunfts-Lau­ra ver­sucht Ver­gan­gen­heits-Har­ri­son zu ret­ten.

Mul­ti­ver­sum ist ge­ra­de das neue Schwarz. War­um nicht ei­ne ba­na­le Love­sto­ry mit Zeit­rei­se und ver­schie­de­nen Schick­sals­va­ri­an­ten kreu­zen? Kann man ma­chen, soll­te nur ab­ge­dreh­ter um­ge­setzt wer­den. „Ever­y­thing Ever­y­whe­re All at On­ce“ und „Doc­tor Stran­ge in the Mul­ti­ver­se of Mad­ness“ zei­gen ge­ra­de, wie es rich­tig geht. Greg Björk­mans Film ist seich­te Kon­fek­ti­ons­wa­re, er­in­nert in sei­nen bes­ten Mo­men­ten an ei­ne laue Black-Mir­ror-Epi­so­de. Zu vor­her­seh­bar spult sich die Ge­schich­te ab, die bei­den Haupt­dar­stel­ler Cla­ra Ru­gaard und Le­wis Pull­man sind blass und lang­wei­lig. Dass der Film von der ers­ten bis zur letz­ten Mi­nu­te mit klimp­ri­ger Mu­sik zu­ge­kleis­tert ist, macht das Gan­ze auch nicht bes­ser. Ein­zig die Lo­ca­ti­on ent­schä­digt: Die ha­wai­ia­ni­sche In­sel Oa­hu sieht gut aus, da könn­te man auch mal hin.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Press Play“
USA 2022
85 min
Re­gie Greg Björk­man

al­le Bil­der © sple­ndid film

DIE GESCHICHTE DER MENSCHHEIT – LEICHT GEKÜRZT

Kinostart 16. Juni 2022

1977 schickt die NA­SA die Raum­son­de Voy­a­ger auf ih­re un­end­li­che Rei­se in den Welt­raum. An Bord ei­ne gol­de­ne Bild­plat­te, auf der Dr. Ger­hard Fried­le (Chris­toph Ma­ria Herbst) die wich­tigs­ten Sta­tio­nen der Mensch­heits­ge­schich­te er­klärt.

Da ist er – der schlech­tes­te Film des Jah­res!
Re­gis­seur und Dreh­buch­au­tor Erik Haff­ner ver­sucht sich in Mon­ty Py­thon-Hu­mor und schei­tert da­bei kläg­lich oder gran­di­os, ganz wie man es nimmt. Be­ein­dru­ckend, wie er mit ei­nem Best of deut­sche Co­me­dy-Cast (Bas­ti­an Pas­tew­ka, Ca­ro­lin Ke­be­kus, Axel Prahl, Ul­rich Tu­kur, Kost­ja Ull­mann, Max Gier­mann, Tom Schil­ling u.v.m.) ei­nen so un­lus­ti­gen Murks fa­bri­zie­ren konn­te. 

„Die Ge­schich­te der Mensch­heit“ reiht ei­nen Ka­lau­er an den nächs­ten und ver­wei­gert sich da­bei jeg­li­chem ko­mö­di­an­ti­schen Ti­ming. Den hal­ben Stern gibt es für ei­ne im Ver­gleich halb­wegs funk­tio­nie­ren­de Mu­si­cal­num­mer mit Be­la B. als Jo­seph-Ignace Guil­lo­ti­ne, dem Er­fin­der der gleich­na­mi­gen Ent­haup­tungs­ma­schi­ne und die kom­plett fehl am Platz wir­ken­de (weil in ih­rer Lo­riot­haf­tig­keit lus­ti­ge) Sze­ne mit Tom Schil­ling als Graf von Stauf­fen­berg. Der Rest ist un­ters­ter Pro­vinz­thea­ter-Schrott.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land 2022
96 min
Re­gie Erik Haff­ner

al­le Bil­der © War­ner Bros. Pic­tures Ger­ma­ny

LIGHTYEAR

Kinostart 16. Juni 2022

Dass wir in düs­te­ren Zei­ten le­ben, zeigt fol­gen­de Mel­dung: In Sau­di-Ara­bi­en wird „Ligh­tyear“ ver­bo­ten, weil er ei­nen Kuss zwi­schen zwei Frau­en zeigt. Herr im Him­mel!

Jetzt wird's kom­pli­ziert: „Ligh­tyear“ ist we­der Pre­quel oder Se­quel, son­dern ein Film im Film. In "Toy Sto­ry" be­sitzt der Jun­ge An­dy ein Spiel­zeug na­mens Buzz Ligh­tyear. Die­se Ac­tion­fi­gur ba­siert auf dem Ki­no­film „Ligh­tyear“, der in der fik­ti­ven Toy-Sto­ry-Welt ein Kas­sen­schla­ger war. Fran­chise auf Me­ta­ebe­ne so­zu­sa­gen.

Man muss das al­les nicht ver­ste­hen und auch die Pix­ar-Tri­lo­gie muss man nicht ken­nen, um an „Ligh­tyear“ gro­ßen Spaß zu ha­ben. Für Nerds gibt es un­zäh­li­ge Zi­ta­te und Quer­ver­wei­se auf bei­na­he al­le Sci­ence-Fic­tion-Klas­si­ker der Film­ge­schich­te, von Ali­en über Kampf­stern Ga­lac­ti­ca, bis zu 2001, Star Wars und Trek. Doch auch oh­ne Hin­ter­grund­wis­sen bie­tet die Ge­schich­te vom zeit­rei­sen­den Space Ran­ger und sei­ner Trüm­mer­trup­pe den Zu­schau­ern je­de Men­ge Span­nung, Herz und Hu­mor.
Kein neu­er Pix­ar-Klas­si­ker, aber sehr gut ge­mach­te Un­ter­hal­tung. Die­se Wo­che der mit Ab­stand emp­feh­lens­wer­tes­te Film­start.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Ligh­tyear“
USA 2022
105 min
Re­gie An­gus Ma­cLa­ne

al­le Bil­der © Walt Dis­ney Mo­ti­on Pic­tures Ger­ma­ny

A E I O U – DAS SCHNELLE ALPHABET DER LIEBE

Kinostart 16. Juni 2022

Age is just a num­ber: Die 60-jäh­ri­ge Schau­spie­le­rin An­na und ihr 17-jäh­ri­ger Schü­ler Adri­an ver­lie­ben sich in­ein­an­der. 

Nie­mand kann ra­tio­nal be­wei­sen, dass ein be­stimm­tes Ge­schmacks­emp­fin­den das rich­ti­ge ist: Dem ei­nen ge­fällt He­le­ne Fi­scher, der an­de­re mag Toast Ha­waii. Auf die Qua­li­tät des deut­schen Ber­li­na­le-Wett­be­werbs­bei­trags „A E I O U“ kann man sich hin­ge­gen pro­blem­los ei­ni­gen: Der ist ein­fach schlecht, oder?

Ab­ge­se­hen von ei­nem wir­ren Dreh­buch, das nur ei­ne hal­be Hand­voll gu­ter Mo­men­te hat, war wohl sel­ten ein ta­lent­freie­rer Jung­mi­me als Mi­lan Herms in ei­ner Haupt­rol­le zu se­hen. Nied­li­ches Aus­se­hen al­lein reicht eben nicht. We­nigs­tens be­fin­det er sich in gu­ter Ge­sell­schaft, denn auch Udo Kier war im­mer schon mehr „Typ“ als be­gna­de­ter Schau­spie­ler. Nö, das kann nicht mal So­phie Rois ret­ten. Nach der Pre­mie­re gabs trotz­dem to­sen­den Ap­plaus. Viel­leicht kann man sich über Ge­schmack ja doch strei­ten?

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land / Frank­reich 2022
104 min
Re­gie Ni­co­let­te Kre­bitz

al­le Bil­der © Port au Prin­ce Pic­tures

ZWISCHEN UNS

Kinostart 16. Juni 2022

Mund­win­kel hoch heißt Freu­de.
Mund­win­kel run­ter heißt Trau­er.
Eva und ihr Sohn Fe­lix üben das vor dem Spie­gel.
Ist ja nicht so schwer nor­ma­ler­wei­se. Für den au­tis­ti­schen Jun­gen hin­ge­gen schon, denn Emo­tio­nen zu le­sen ist für ihn ein Ra­te­spiel.

In Max Feys Dra­ma „Zwi­schen uns“ geht es um ei­nen 13-jäh­ri­gen Jun­gen mit Asper­ger-Syn­drom. Des­sen Mut­ter Eva ver­sucht al­les Men­schen­mög­li­che, ih­ren Sohn zu in­te­grie­ren, doch im­mer wie­der kommt es zu Pro­ble­men in der Schu­le. Nur beim Nach­barn, dem Fisch­händ­ler Pel­le, blüht Fe­lix auf.

Wenn es um das sehr be­grenz­te Gen­re „ge­stör­te Ter­ror­kin­der“ geht, hat „Sys­tem­spren­ger“ die Lat­te vor drei Jah­ren sehr hoch ge­hängt. Nicht zu Un­recht durf­te die ge­nia­le Haupt­dar­stel­le­rin He­le­na Zen­gel an­schlie­ßend so­gar mit Tom Hanks dre­hen.

Ne­ben ei­ner wun­der­ba­ren Liv Li­sa Fries, die hier end­lich mal ihr 20er-Jah­re Ber­lin­gö­ren-Image ab­le­gen darf und dem grund­sym­pa­thi­schen Thu­re Lin­hardt spielt Jo­na Ei­sen­blät­ter die Haupt­rol­le. Viel­leicht fehlt Re­gis­seur Fey bei sei­nem De­büt­film noch die nö­ti­ge Er­fah­rung, Kin­der rich­tig zu in­sze­nie­ren. Viel­leicht gibt es aber auch we­ni­ge Jung­schau­spie­ler, die ei­ne so schwie­ri­ge Rol­le meis­tern kön­nen. Rich­tig glaub­wür­dig ist die Dar­stel­lung des au­tis­ti­schen Kin­des zwi­schen schmol­len­dem Star­ren und Schrei­an­fäl­len je­den­falls nicht. So bleibt „Zwi­schen uns“ nur dank sei­ner zu­rück­hal­tend sprö­den In­sze­nie­rung und der er­wach­se­nen Dar­stel­ler se­hens­wert.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land 2022
86 min
Re­gie Max Fey

al­le Bil­der © Wild Bunch Ger­ma­ny

MIT HERZ UND HUND

Kinostart 09. Juni 2022

Es ist mehr als nur ei­ne ur­ba­ne Le­gen­de, dass so man­che Zwei­bei­ner-Lie­be beim Gas­si­ge­hen ih­ren schnup­pern­den An­fang nahm. Selbst im Zeit­al­ter von Tin­der und Par­ship wer­den im­mer noch – al­te Hun­de­schu­le – schwanz­we­delnd die bes­ten Kon­tak­te ge­knüpft. Wie bei Da­ve und Fern, zwei Lon­do­ner Ü60-Rent­nern, de­ren Ro­man­ze ab dem 9. Ju­ni in drei­und­zwan­zig Spa­zier­gän­gen ih­ren Lauf mit Hin­der­nis­sen nimmt. „23 Walks“ – Auf Deutsch wie üb­lich ver­nied­licht „Mit Herz und Hund“.

Der na­tur­lie­ben­de, frei­mü­ti­ge Pen­sio­när Da­ve mit sei­ner eben­so un­an­ge­lein­ten Schä­fer­hün­din er­regt zu­nächst eher den Un­mut der re­so­lu­ten Fern und ih­res York­shire-Ter­ri­ers. Bei zwangs­läu­fi­gen Wie­der­be­geg­nun­gen in den ört­li­chen Aus­lauf­ge­bie­ten be­merkt die Schei­dungs­ge­schä­dig­te je­doch bald, dass der Ex-Kran­ken­pfle­ger über viel Herz und an­de­re Qua­li­tä­ten ver­fügt. An­ders als die ge­wohnt treue Zu­nei­gung des tie­ri­schen Er­satz­part­ners ver­ur­sacht mensch­li­ches Be­geh­ren jen­seits der Le­bens­mit­te ein un­ver­hoff­tes Ge­fühls­cha­os von mops­fi­del bis hun­de­elend.

Be­vor es zum fi­na­len Walk kommt, durch­lebt der Zu­schau­er mit Herr­chen und Frau­chen, ih­rem mensch­li­chen An­hang und den bei­den Wuff­kes ei­ne uni­ver­sel­le Lie­bes­ge­schich­te, die über­all in der ers­ten Welt spie­len könn­te. Von Re­gis­seur Paul Mor­ri­son lau­nig-lie­bens­wert in­sze­niert und dank der har­mo­nie­ren­den Per­for­mance von Ali­son Ste­ad­man und Da­ve Johns ei­ne emp­feh­lens­wer­te Co­ming-of-Best-Age Tra­gi­ko­mö­die, die Lust macht, den in­ne­ren Schwei­ne­hund zu über­win­den.

An­ja Besch

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „23 Walks“
Groß­bri­tan­ni­en 2020
97 min
Re­gie Paul Mor­ri­son

al­le Bil­der © Welt­ki­no Film­ver­leih

JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER

Kinostart 08. Juni 2022

„Die Di­no­sau­ri­er wer­den im­mer trau­ri­ger
Denn die Sau­ri­er dür­fen nicht an Bord“
In Lon­zos ab­scheu­li­chem Lied von 1980 durf­ten sie nicht auf die Ar­che No­ah und muss­ten des­halb jäm­mer­lich er­trin­ken. Nun ha­ben die Di­nos tat­säch­lich Grund zur Trau­er, denn mit dem über­frach­te­ten Fi­na­le der Ju­ras­sic-World-Tri­lo­gie schlägt zu­min­dest im Ki­no ihr end­gül­tig letz­tes Stünd­lein.

„Ju­ras­sic Park war das Wich­tigs­te, was der Pa­lä­on­to­lo­gie in den letz­ten Jahr­zehn­ten wi­der­fah­ren ist, denn die­ser Film er­weck­te die Di­no­sau­ri­er für ei­ne neue Ge­ne­ra­ti­on wie­der zum Le­ben“, sagt Ste­phen Brusat­te, Pro­fes­sor an der Uni­ver­si­ty of Edin­burgh. 
Fol­ge­rich­tig be­ginnt der mitt­ler­wei­le sechs­te Teil der Sau­ri­er­se­rie fast so wis­sen­schaft­lich wie ei­ne Do­ku­men­ta­ti­on auf dem Na­tio­nal Geo­gra­phic Chan­nel: Ei­ne Re­por­te­rin fasst für Neu­ein­stei­ger noch ein­mal zu­sam­men, was bis­her ge­schah. Ei­ne von vie­len un­ele­gan­ten Ideen, die das holp­ri­ge Dreh­buch pa­rat hält.

Seit die fos­si­len Tier­chen im letz­ten Teil ver­se­hent­lich in Frei­heit ge­lang­ten, le­ben sie nun über den gan­zen Pla­ne­ten ver­teilt. „Ein gi­gan­ti­sches Rin­gen um die Herr­schaft zwi­schen Mensch und Di­no­sau­ri­er be­ginnt.“, wie es im be­droh­li­chen Mar­ke­ting­jar­gon heißt. Ein an Ste­ve Jobs an­ge­lehn­ter Bö­se­wicht (ei­ne wei­te­re la­zy Script­idee) plant den öko­lo­gi­schen Su­per­gau. Es dro­hen al­so nicht nur T‑Rex und Co son­dern auch ka­pi­ta­lis­ti­scher Grö­ßen­wahn. Für die Wie­der­her­stel­lung der na­tür­li­chen Ord­nung braucht es des­halb die ver­ein­ten Kräf­te der Ge­ne­ra­tio­nen: Chris Pratt und Bryce Dal­las Ho­ward kämp­fen an der Sei­te der Ori­gi­nal­be­set­zung Lau­ra Dern, Sam Neill und Jeff Gold­blum.

Ob den Spit­zen­platz in der Nah­rungs­ket­te am En­de der Mensch oder der Sau­ri­er ge­winnt, soll hier nicht ver­ra­ten wer­den. Der Weg da­hin ist ei­ne feist pro­du­zier­te, doch zu oft ge­se­he­ne Block­bus­ter­rei­se. Ei­ne sechs­te Fahrt durch die im­mer glei­che Geis­ter­bahn ver­liert eben ir­gend­wann ih­ren Schre­cken. Die Ef­fek­te sind top, nur die Ge­schich­te scheint end­gül­tig aus­er­zählt, "Ein neu­es Zeit­al­ter" ist ei­ne Zi­ta­ten­samm­lung an­de­rer Aben­teu­er-Ac­tion-Fil­me – gab's schon, kennt man. Höchs­te Zeit, den Di­nos mal wie­der ein paar Mil­lio­nen Jah­re Pau­se zu gön­nen.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Ju­ras­sic World: Do­mi­ni­on“
USA 2022
147 min
Re­gie Co­lin Tre­vor­row

al­le Bil­der © Uni­ver­sal Pic­tures In­ter­na­tio­nal Ger­ma­ny

FRANCE

Kinostart 09. Juni 2022

„France“ ist pein­lich. Es fängt schon furcht­bar an: In ei­ner Mon­ta­ge aus in­sze­nier­tem Ma­te­ri­al und ei­ner ech­ten Pres­se­kon­fe­renz fragt die Star­jour­na­lis­tin France de Meurs den fran­zö­si­schen Prä­si­den­ten, ob er acht­los oder hilf­los sei. Wäh­rend Macron ge­dul­dig ant­wor­tet, blö­deln France und ih­re Pro­du­zen­tin mit obs­zö­nen Be­cken­be­we­gun­gen und Zün­ge­lei­en der­art hem­mungs­los, dass man sich kurz nach der Se­rio­si­tät von „Dumm und Düm­mer“ sehnt.

„France“ ist nicht lus­tig. Ein ganz ba­na­ler Ver­kehrs­un­fall: France fährt ei­nen jun­gen Mann über den Hau­fen, an­schlie­ßend ent­deckt sie, dass ih­re Trä­nen­drü­sen funk­tio­nie­ren. Fort­an weint sie in fast je­der Sze­ne. Ge­gen ih­re auf­ge­wühl­ten Emo­tio­nen hilft nur ei­ne Kur im Sa­na­to­ri­um. Dort, im Lie­ge­stuhl auf die Ber­ge bli­ckend, folgt das nächs­te High­light der „ge­nia­len Me­di­en­sa­ti­re“: Ei­ne völ­lig über­dreh­te Ju­lia­ne Köh­ler schnat­tert sich über die An­we­sen­heit der deut­schen Bun­des­kanz­le­rin in Ra­ge, nur de­ren Na­men will ihr par­tout nicht ein­fal­len. Es ist – SPOI­LER – An­ge­la Mer­kel.

„France“ hat auch ein paar ge­lun­ge­ne Sze­nen. Die zei­gen France als über­am­bi­tio­nier­te Kriegs­re­por­te­rin, die ihr Ka­me­ra­team und sich für die per­fek­te Ein­stel­lung in Le­bens­ge­fahr bringt. Wag the dog – Wenn die Rea­li­tät zu harm­los aus­sieht, schubst die Jour­na­lis­tin schon mal auf­stän­di­sche Ein­hei­mi­sche durchs Bild, bis die Dra­ma­tik passt. Paul Ron­z­hei­mer ge­fällt das.

„France“ kann man sich spa­ren. Zum The­ma "Jour­na­lis­mus im Film" gibt es un­zäh­li­ge Wer­ke, aber mit Si­cher­heit war kei­nes so schlecht ge­macht und un­rea­lis­tisch wie die­ses. Sa­ti­risch ist dar­an gar nichts, höchs­tens un­frei­wil­lig ko­misch. Die pseu­do­mo­ra­li­sche Me­ta­mor­pho­se von der kal­ten Jour­na­lis­tin zum em­pa­thi­schen Men­schen­kind ist kom­plett un­glaub­wür­dig. Nicht mal ei­ne bes­se­re Schau­spie­le­rin hät­te das ret­ten kön­nen. Schon gar nicht Léa Sey­doux, die sich hier auf ei­nen ein­zi­gen Ge­sichts­aus­druck be­schränkt – wahl­wei­se mit und oh­ne Trä­nen. Ca vaut pas la pei­ne!

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „France“
Frank­reich / Deutsch­land / Bel­gi­en / Ita­li­en 2021
133 min
Re­gie Bru­no Du­mont

al­le Bil­der © MFA+ Film­Dis­tri­bu­ti­on

RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN

Kinostart 09. Juni 2022

Pi­la­tes­leh­re­rin Kath­rin braucht ei­ne neue Nie­re. Ihr ego­zen­tri­scher Mann Ar­nold kä­me als Spen­der in­fra­ge, quält sich aber kei­ne ein­deu­ti­ge Zu­sa­ge ab. Ganz an­ders der ge­mein­sa­me Freund Götz. Aus dem di­cken Bauch her­aus er­klärt er sich be­reit, Kath­rin ei­ne sei­ner Nie­ren ab­zu­tre­ten. Die­se Groß­zü­gig­keit stößt sei­ner Frau Dia­na sau­er auf.

Soll­te man der Ehe­frau ei­ne Nie­re spen­den, ob­wohl das ein gro­ßes ge­sund­heit­li­ches Ri­si­ko be­deu­ten könn­te? Wä­re es nicht bes­ser, auf ei­nen ver­stor­be­nen Spen­der zu war­ten oder gar ei­ne Nie­re im Dark­net zu kau­fen? High­light des Films ist Sa­mu­el Fin­zi als hand­lungs­ge­hemm­ter Gat­te: Er wür­de, hät­te, woll­te – und macht dann doch nicht.

Mi­cha­el Kreihsls Ko­mö­die ba­siert auf ei­nem Thea­ter­stück und das merkt man ihm deut­lich an. Auf der Büh­ne auf vier Per­so­nen be­schränkt, wur­den fürs Ki­no noch un­nö­ti­ge Ne­ben­rol­len hin­zu­ge­fügt, die vom ei­gent­li­chen Kern der Ge­schich­te ab­len­ken. Die mä­ßig lus­ti­ge Ko­mö­die ist nach gut ei­ner Stun­de aus­er­zählt, wird aber durch ei­ne we­nig glaub­wür­di­ge Wen­dung noch wei­ter in die Län­ge ge­streckt. Die Schau­spie­ler ge­ben ihr bes­tes, doch ge­gen die bie­de­re TV-In­sze­nie­rung kom­men sie nur schwer an. Bou­le­vard­ko­mö­die, die aus ih­rem The­ma zu we­nig macht.

INFOS ZUM FILM

Ös­ter­reich 2021
93 min
Re­gie Mi­cha­el Kreihsl

al­le Bil­der © Film­welt Ver­lei­hagen­tur GmbH

EIN GROSSES VERSPRECHEN

Kinostart 09. Juni 2022

Ju­di­tha und Erik pla­nen ih­ren er­füll­ten ge­mein­sa­men Le­bens­abend, denn mit der Pen­sio­nie­rung des en­ga­gier­ten Uni­ver­si­täts­pro­fes­sors soll end­lich Zeit für die schö­nen Din­ge sein. Tan­zen im Gar­ten, Vö­gel füt­tern und mit dem Se­gel­boot fah­ren – so was halt. Doch Ju­di­tha lei­det un­ter MS, und ge­ra­de jetzt macht die tü­cki­sche Ner­ven­krank­heit ei­nen hef­ti­gen Schub. Un­gut auch, dass sie die sturs­te Frau auf Got­tes Er­den ist. Hil­fe, egal von wem, lehnt sie ri­go­ros ab. Das macht das Zu­sam­men­le­ben nicht ge­ra­de ein­fach. Erik be­drückt die häus­li­che En­ge zu­se­hends, und dass die bei­den sich im­mer noch lie­ben, macht es nur noch schlim­mer. Denn wer will sei­ne Lie­be schon lei­den se­hen?

Da­zu muss man in Stim­mung sein: Wend­la Nöl­les Dra­ma macht we­nig Hoff­nung, von schlimm wird es nur noch schlim­mer. Stellt sich zwi­schen den De­pres­si­ons­schü­ben, die man als Zu­schau­er er­lei­det, die Fra­ge: War­um soll man sich das an­schau­en? Nichts ge­gen schick­sals­haf­te Ge­schich­ten über an­de­re Men­schen, aber der im­mer bo­cki­ger wer­den­den Ju­di­tha und ih­rem hilf­los lei­den­den Erik beim ge­mein­sa­men Un­ter­gang zu­zu­schau­en ist quä­lend.

Se­hens­wert ma­chen den of­fen­sicht­lich für das Fern­se­hen ge­dreh­te Film – die klas­si­sche 90-Mi­nu­ten Lauf­zeit und der NDR als Pro­du­zent las­sen kei­nen Zwei­fel, dass „Ein gro­ßes Ver­spre­chen“ schon bald am Film­Mitt­woch um 20.15 Uhr im Ers­ten lau­fen wird – die fa­bel­haf­ten Schau­spie­ler. Der bei uns vor al­lem als Kurt Wal­lan­der be­kann­te Rolf Lass­gård über­zeugt als sen­si­bler, aber gänz­lich über­for­der­ter Ehe­mann und die oh­ne­hin im­mer fa­mo­se Dag­mar Man­zel rührt und nervt glei­cher­ma­ßen als an ih­rer Krank­heit zu­grun­de ge­hen­de Ju­di­tha.

Har­te Kost, aber der Film hü­tet sich vor Rühr­se­lig­kei­ten und bie­tet ei­ne ehr­li­che, be­ein­dru­ckend ge­spiel­te Aus­ein­an­der­set­zung mit der Angst vor Krank­heit und Ver­ein­sa­mung im Al­ter, ge­tra­gen von zwei her­vor­ra­gen­den Schau­spie­lern.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land 2021
90 min
Re­gie Wend­la Nöl­le

al­le Bil­der © Film­per­len

ERWARTUNG – DER MARCO EFFEKT

Kinostart 02. Juni 2022

„Er­war­tung – Der Mar­co-Ef­fekt“ ist ein ganz of­fen­sicht­lich fürs Fern­se­hen (Co-Pro­du­zent ist das ZDF) ge­dreh­ter Thril­ler, der nun bei uns in den Ki­nos lan­det. Ein biss­chen mehr ci­ne­as­ti­sche Grö­ße und et­was we­ni­ger bie­de­re TV-Stan­gen­wa­re hät­te es schon sein dür­fen. Je­de Ein­stel­lung at­met hier Fern­se­hen, trotz des os­car­prä­mier­ten Re­gis­seurs. Ein ty­pi­scher Sonn­tag-Abend-Kri­mi, nur dass es hier nicht nach 90 Mi­nu­ten vor­bei ist – Die dün­ne Sto­ry vol­ler Zu­fäl­le dehnt sich auf über zwei Stun­den.

Kurt Wal­lan­der heißt jetzt Carl Mørck und kommt aus Dä­ne­mark. Wie sein schwe­di­sches Vor­bild wan­delt auch die­ser Kom­mis­sar stets am Ran­de ei­ner De­pres­si­on. Ei­nes trü­ben Mor­gens lan­det ein seit Jah­ren ab­ge­schlos­se­ner Fall auf sei­nem Schreib­tisch. Der Rei­se­pass ei­nes seit vier Jah­ren ver­schwun­de­nen Fa­mi­li­en­va­ters wur­de im Be­sitz des 14-jäh­ri­gen Ro­ma-Jun­gens Mar­co ge­fun­den, als die­ser il­le­gal über die dä­ni­sche Gren­ze woll­te. Kom­mis­sar Mørck und sein Team kom­men ei­ner fins­te­ren Ver­schwö­rung auf die Spur, die bis ganz nach oben reicht – und de­ren un­frei­wil­li­ge Schlüs­sel­fi­gur der jun­ge Mar­co ist. 

Har­ry, fahr den Wa­gen vor. „Er­war­tung – Der Mar­co-Ef­fekt“ ist kon­ven­tio­nel­le, ei­ni­ger­ma­ßen so­li­de ge­mach­te Un­ter­hal­tung, oh­ne Trä­nen­sä­cke und oh­ne gro­ße Über­ra­schun­gen. Den To­des­stoß be­sorgt wie im­mer die deut­sche Syn­chro­ni­sa­ti­on. Für Dut­zend­wa­re wie die­se lohnt nicht der Weg ins Ki­no, so was läuft auch stän­dig in den Öf­fent­lich Recht­li­chen. Schrott-Kri­mi­au­tor Jus­si Ad­ler-Ol­sen lie­fert die Vor­la­ge, dies ist be­reits der fünf­te Film, der auf sei­ner Ro­man­se­rie ba­siert.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Mar­co ef­fek­ten“
Dä­ne­mark / Deutsch­land / Tsche­chi­en 2021
125 min
Re­gie Mar­tin Zan­dvliet

al­le Bil­der © Koch Films