Kinostart 08. September 2022

Bunt be­leuch­te­te Mo­tor­boo­te fah­ren mit lau­ter Mu­sik­be­schal­lung durch nächt­li­che ve­ne­zia­ni­sche Ka­nä­le. Das sieht zwar hübsch aus, ist für die An­woh­ner aber wahr­schein­lich ge­nau­so ener­vie­rend wie die mons­trö­sen Kreuz­fahrt­schif­fe, die bis vor Kur­zem viel zu dicht an der La­gu­nen­stadt vor­bei­zie­hen durf­ten. Re­gis­seur Yuri An­ca­ra­ni hat sich der ei­gen­wil­li­gen Sze­ne aus jun­gen Män­nern und ih­ren Speed­boo­ten drei Jah­re lang an­ge­schlos­sen und ei­nen se­mi-do­ku­men­ta­ri­schen Film über sie ge­dreht.

„At­lan­ti­de“ könn­te auch als Vi­deo­in­stal­la­ti­on in ei­ner Ga­le­rie oder als vi­su­el­le Be­glei­tung ei­ner Trance/​Technoparty lau­fen. Die­ser Stil kommt nicht von un­ge­fähr, Yuri An­ca­ra­ni ist ein ita­lie­ni­scher Künst­ler, der sich kom­plett ei­ner klas­si­schen Dra­ma­tik ver­wei­gert. Da­mit er­in­nert sein Film an Ar­bei­ten des US-Re­gis­seurs Lar­ry Clark. Auch hier ist die Hand­lung eher ei­ne da­hin­ge­streu­te Skiz­ze von Lie­be, Sehn­sucht und Tod. Weil man es kaum bes­ser be­schrei­ben könn­te, hier ein Aus­zug aus dem Pres­se­text:

„Dies ist kein Film über Ve­ne­dig (…), son­dern über sei­ne "Back­streets", die wei­ten Was­ser­we­ge der La­gu­ne. An­ca­ra­ni fin­det dort die sel­te­ne Schön­heit ei­ner kris­tall­kla­ren Land­schaft, die von ei­ner Grup­pe jun­ger Leu­te be­wohnt wird, de­ren Le­bens­in­halt es ist, Speed­boo­te auf­zu­mot­zen und in ei­nem Rhyth­mus aus Ad­re­na­lin und Chill-out zu le­ben.“

"Im Rhyth­mus aus Ad­re­na­lin und Chill-out le­ben“! Wer will das nicht? We­ni­ger ly­risch aus­ge­drückt: „At­lan­ti­de“ ist ein au­dio-vi­su­el­les Er­leb­nis, ein sof­ter LSD-Trip, un­ter­malt von ei­nem trei­ben­den elek­tro­ni­schen Sound­track, Hip-Hop und sym­pho­ni­scher Or­ches­ter­mu­sik. Die stärks­te Sze­ne des Films (sie­he Trai­ler un­ten) zeigt ein jun­ges Mäd­chen, das im Dro­gen­rausch auf ei­nem Schnell­boot durch das nächt­li­che Ve­ne­dig ge­fah­ren wird und sich da­zu ek­sta­tisch be­wegt. Auf­re­gen­der wird es auch in den rest­li­chen 100 Mi­nu­ten nicht, dar­auf muss man sich ein­las­sen wol­len.
Jetzt noch mal in poe­tisch: „At­lan­ti­de“ ist ein kunst­vol­ler Fie­ber­traum aus Mu­sik, Licht und Far­ben.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „At­lan­ti­de"
Ita­li­en / Frank­reich / USA / Qa­tar 2021
104 min
Re­gie Yuri An­ca­ra­ni

al­le Bil­der © Ra­pid Eye Mo­vies

3 Meinungen zu “ATLANTIDE

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