THE OLD OAK

Ab 23. November 2023 im Kino

Regisseur Ken Loach ist 87 Jahre alt und hat keine Geduld mehr. Sein (wahrscheinlich) letzter Film ist nochmals ein Aufruf zu mehr Gemeinschaft und Solidarität.

Gel­sen­kir­chen könn­te auch in Groß­bri­tan­ni­en lie­gen. Ea­sing­ton ist ei­ne die­ser ty­pisch nord­eng­li­schen Klein­städ­te, die frü­her dank Berg­bau mit Le­ben und har­ter Ar­beit er­füllt wa­ren, nun aber nach 30 Jah­ren des Nie­der­gangs zu Geis­ter­städ­ten ver­kom­men. Es gibt kei­ne Jobs, die Häu­ser ver­fal­len oder wer­den zu Schleu­der­prei­sen an In­ves­to­ren ver­scher­belt. Der letz­te Zu­fluchts­ort für die, die den Ab­sprung nicht ge­schafft ha­ben, ist der lo­ka­le Pub „The Old Oak“. Des­sen Wirt TJ Ballan­ty­ne (Da­ve Tur­ner) hat selbst ei­ni­ge Schick­sals­schlä­ge er­lebt, bei den ver­bit­ter­ten Ti­ra­den sei­ner Stamm­gäs­te schal­tet er des­halb lie­ber auf Durch­zug. Als ei­nes Ta­ges un­ter dem Pro­test der Dorf­be­woh­ner ei­ne gro­ße Grup­pe sy­ri­scher Flücht­lin­ge in Ea­sing­ton ein­trifft, ist die Auf­re­gung und Ab­leh­nung groß.

Ein Lob­lied auf die Ar­bei­ter­klas­se

THE OLD OAK er­zählt von der un­ge­wöhn­li­chen pla­to­ni­schen Be­zie­hung zwi­schen dem de­pres­si­ven Pub-Be­sit­zer TJ und der jun­gen, fo­to­be­geis­ter­ten Sy­re­rin Ya­ra (Eb­la Ma­ri). Ganz lang­sam ent­wi­ckelt sich ei­ne zar­te Freund­schaft zwi­schen den bei­den. Wahr­haf­tig und au­then­tisch ge­spielt von Da­ve Tur­ner und Eb­la Ma­ri, die hier ihr Film­de­büt gibt.

Ken Loach war und ist ein Meis­ter im Dar­stel­len des eng­li­schen Ar­bei­ter­mi­lieus. So ist auch sein neu­er – und nach ei­ge­ner Aus­sa­ge letz­ter – Film ein Lob­lied auf Ge­mein­schafts­geist und die Ar­bei­ter­klas­se. THE OLD OAK fügt sich da­mit naht­los in das Le­bens­werk des Re­gis­seurs ein.

Kei­ne Jobs, kei­ne Per­spek­ti­ve, ver­ges­sen und von der Re­gie­rung fal­len­ge­las­sen: Die Pro­ble­me der bri­ti­schen Ein­hei­mi­schen und der sy­ri­schen Flücht­lin­ge sind sich gar nicht so un­ähn­lich. Loachs Lei­den­schaft und sein Mit­ge­fühl für die­se Men­schen sind auf­rüt­telnd und ein­dring­lich. Dass der Re­gis­seur nach ei­ner fast 60-jäh­ri­gen Kar­rie­re die Ge­duld ver­lo­ren hat und des­halb sei­ne Bot­schaf­ten mit dem Holz­ham­mer ver­mit­telt, sei ihm ver­zie­hen. Nur das En­de geht dann doch zu weit und ist pu­rer So­zi­al­kitsch. Bis da­hin ist OLD OAK ein be­we­gen­des Dra­ma über Ver­lust­angst und die Schwie­rig­keit, die Hoff­nung zu be­hal­ten. Das se­hens­wer­te Al­ters­werk ei­nes kom­pro­miss­lo­sen und be­mer­kens­wer­ten Re­gis­seurs.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „The Old Oak“
Groß­bri­tan­ni­en / Frank­reich 2023
113 min
Re­gie Ken Loach

al­le Bil­der © WILD BUNCH GER­MA­NY

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