GIRL YOU KNOW IT'S TRUE

Ab 21. Dezember 2023 im Kino

Sie verkauften 14 Millionen Alben, wurden zu Stars – gesungen haben andere. Ist die Geschichte von Milli Vanilli knapp 30 Jahre später noch relevant genug, um daraus einen Kinofilm zu machen?

Der ko­me­ten­haf­te Auf­stieg und der kras­se Ab­sturz der bei­den Back­ground­tän­zer Ro­bert Pi­la­tus und Fa­bri­ce Mor­van, bes­ser be­kannt als Mil­li Va­nil­li, ist 1993 der größ­te Skan­dal, den die Mu­sik­ge­schich­te bis da­to er­lebt hat. Ver­gleich­bar in et­wa, wenn heu­te raus­kä­me, dass Tay­lor Swift seit Jah­ren die Lip­pen zum Play­back ei­ner an­de­ren Sän­ge­rin be­wegt. Mil­li Va­nil­li sind in­ter­na­tio­na­le Stars aus Mün­chen. Num­mer eins Hits welt­weit, ver­göt­tert in Ame­ri­ka und Ge­win­ner des Gram­mys als Best New Ar­tists. Doch dann lässt Pro­du­zent Frank Fa­ri­an bei ei­ner Pres­se­kon­fe­renz die Bom­be plat­zen: Rob und Fab ha­ben nicht ei­nen Ton auf ih­rem mil­lio­nen­fach ver­kauf­ten Al­bum selbst ge­sun­gen. Al­les Lug und Trug. Ih­re Plat­ten wer­den öf­fent­lich von ent­täusch­ten Fans mit Bull­do­zern zer­malmt.

Ei­ne al­ber­ne deut­sche Kla­mot­te auf RTL-Ni­veau?

Wenn Men­schen, die es gut mit ei­nem mei­nen, hö­ren, dass man sich bei strö­men­dem Re­gen zur Pres­se­vor­füh­rung ei­nes Mil­li Va­nil­li-Bio­pics mit Mat­thi­as Schweig­hö­fer (!) auf­macht, ern­tet man Mit­leid. War­um tust Du dir das an? Die ei­ge­ne Lust ist auch nicht ge­ra­de groß, schließ­lich sieht der Trai­ler ver­bo­ten schlecht aus. Ei­ne al­ber­ne deut­sche Kla­mot­te auf RTL-Ni­veau über zwei Fake-Mu­si­ker – wer braucht das? Und dann die gro­ße Über­ra­schung: Nicht nur nervt Schweig­hö­fer nicht, der Film ist rich­tig gut. Un­ter­halt­sam, wit­zig und vor al­lem auf den Punkt be­setzt. Ti­jan Njie und Elan Ben Ali se­hen den Ori­gi­na­len un­fass­bar ähn­lich und kön­nen auch noch spie­len.

Die Rah­men­hand­lung zeigt die bei­den auf dem Hö­he­punkt ih­rer Kar­rie­re. In ei­nem lu­xu­riö­sen Ho­tel­zim­mer auf die Couch ge­fläzt, er­zäh­len sie ih­re Ge­schich­te. Da­bei durch­bricht Re­gis­seur Ver­hoe­ven, wie auch spä­ter bei an­de­ren Sze­nen, die vier­te Wand. Die Dar­stel­ler spre­chen di­rekt zu den Zu­schau­ern. Nur ei­ne von vie­len gu­ten Ideen, die den Film auch vi­su­ell in­ter­es­sant ma­chen. Schön wi­der­lich ist die Aus­stat­tung. Wer da­bei war, er­in­nert sich: so ge­schmack­los sah En­de der 80er-Jah­ren die Mo­de wirk­lich aus. Ne­ben der ei­gent­li­chen Skan­dal­ge­schich­te gibt es Wis­sens­wer­tes über die Ab­grün­de des Mu­sik­busi­ness (der gro­ße Hit „Girl you know it’s true“ war ge­klaut – Fa­ri­an selbst nennt es ei­ne Neu­in­ter­pre­ta­ti­on) und die fa­mi­liä­ren Hin­ter­grün­de der bei­den ge­fal­le­nen Stars.

Wie so oft, fin­det auch GIRL YOU KNOW IT’S TRUE kein En­de. Es gibt da ei­ne be­stimm­te Sze­ne mit ei­nem Walk­man, die das per­fek­te Schluss­bild für die­sen un­er­war­tet gu­ten Film ge­we­sen wä­re. Aber das ist nur ein klei­nes Man­ko – die un­glaub­lich wah­re Ge­schich­te von Mil­li Va­nil­li ist ei­ne echt ge­lun­ge­ne Über­ra­schung zu Weih­nach­ten.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land 2023
124 min
Re­gie Si­mon Ver­hoe­ven

al­le Bil­der © LEO­NI­NE Stu­di­os

Eine Meinung zu “GIRL YOU KNOW IT'S TRUE

  1. Jo­han­na von Ador­jan fand den auch gut. Sie hat die bei­den im P1 beim Tan­zen be­wun­dert, ICH ha­be die bei­den vom P1 nach Hau­se ge­fah­ren, weil sie kein Geld fürs Ta­xi hat­ten.

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