LIVING – EINMAL WIRKLICH LEBEN

LIVING – EINMAL WIRKLICH LEBEN

Ab 18. Mai 2023 im Kino

Bowler Hat und Nadelstreifenanzug: Britischer geht's nicht.

Je­der Ber­li­ner, der schon mal ei­nen An­trag, ei­ne Ver­län­ge­rung oder gar Neu­aus­stel­lung von oder für ir­gend­was ge­stellt hat, kennt das: Bür­ger­äm­ter, egal un­ter wel­chem Se­nat, sind ge­nau­so schlecht wie ihr Ruf. Dass das im Lon­don der 1950er-Jah­re kein Stück bes­ser war, zeigt Oli­ver Her­ma­nus in sei­ner ge­lun­ge­nen Dra­mö­die LI­VING – EIN­MAL WIRK­LICH LE­BEN.

Ein 5 o’clock-tea ist kei­ne Tech­no­par­ty

Bow­ler Hat, Na­del­strei­fen­an­zug, vor­neh­me Zu­rück­hal­tung: Der Be­am­te Wil­liams hat schon als Kind da­von ge­träumt, ein ech­ter Gen­tle­man zu wer­den. Nun ist er alt, steht kurz vor der Pen­sio­nie­rung und er­hält von sei­nem Arzt ei­ne nie­der­schmet­tern­de Dia­gno­se: 6 bis ma­xi­mal 9 Mo­na­te blei­ben ihm noch. Sein Job als ohn­mäch­ti­ges Räd­chen im Bü­ro­kra­tie-Ge­trie­be er­scheint ihm plötz­lich sinn­los. Wil­liams macht sich auf die Su­che nach ein biss­chen Le­bens­freu­de.

Bri­ti­scher geht's nicht. Von den Er­öff­nungs­bil­dern aus ei­nem längst ver­gan­ge­nen Lon­don bis zum Ab­spann punk­tet LI­VING mit ex­qui­si­tem 1950er-Jah­re-Look. Min­des­tens so gut wie Set-De­sign, Kos­tüm und Schnitt ist die Be­set­zung: Bill Nig­hy ist per­fekt als trau­ri­ger „Mr. Zom­bie“, ge­nau wie Amy Lou Wood als sei­ne le­bens­lus­ti­ge, Spitz­na­men ver­tei­len­de Kol­le­gin Mar­ga­ret.

Igno­ran­ten könn­ten die Na­se über den lang­sa­men Er­zähl­fluss rümp­fen – aber ein 5 o’clock-tea ist nun mal kei­ne Tech­no­par­ty. LI­VING bie­tet vie­le schö­ne Sze­nen, und ob­wohl die Hand­lung eher trau­rig ist, bleibt der Zu­schau­er mit ei­nem po­si­ti­ven Ge­fühl zu­rück. Char­man­ter Witz ver­eint mit star­ken Emo­tio­nen – das Gan­ze in ei­nem un­auf­dring­li­chen, nicht be­leh­ren­den Ton er­zählt. Mar­ve­lous in­de­ed.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Li­ving“
GB / Ja­pan / Schwe­den 2022
102
Re­gie Oli­ver Her­ma­nus

al­le Bil­der © So­ny Pic­tures