ANNETTE

ANNETTE

Kinostart 16. Dezember 2021

To­xi­sche Männ­lich­keit, das Mu­si­cal. Das Bes­te kommt gleich am An­fang: Ein gran­dio­ser one-ta­ke er­öff­net den Film. Re­gis­seur Le­os Ca­r­ax, die Haupt­dar­stel­ler Adam Dri­ver und Ma­ri­on Cot­il­lard lau­fen ge­mein­sam mit den Kom­po­nis­ten­brü­dern Ron und Rus­sell Ma­el („Sparks“), „So May We Start“ sin­gend aus ei­nem Ton­stu­dio ins nächt­li­che LA. Da­bei schlüp­fen die Schau­spie­ler nach und nach in ih­re Rol­len – die Ge­schich­te kann be­gin­nen.

Mit den Mu­si­cal­er­fol­gen „A Star is Born“ und „La La Land“ hat „An­net­te“ nur die Grund­idee ge­mein­sam: Zwei Künst­ler ver­lie­ben sich in­ein­an­der. Ann ist ei­ne be­rühm­te Opern­sän­ge­rin, Hen­ry ein mis­an­thro­pi­scher Stand-Up Co­me­di­an. Als me­di­en­ge­fei­er­tes Star-Pär­chen rei­ten sie ei­ne Wei­le auf ei­ner Er­folgs­wel­le durchs Le­ben und sin­gen „We love each other so much“ da­zu. Doch nach der Ge­burt ih­rer Toch­ter An­net­te wan­delt sich die gro­ße Lie­be in noch grö­ße­ren Hass. Ein Boots­aus­flug hat ver­häng­nis­vol­le Fol­gen, Na­ta­lie Wood und Ro­bert Wag­ner kön­nen da­von ein Lied sin­gen.

Und plötz­lich mu­tiert das Mu­si­cal zum Pup­pen­film: Ti­tel­fi­gur Ba­by An­net­te wird in den meis­ten Sze­nen von ei­ner höl­zer­nen Ma­rio­net­te ge­spielt. Die­ser schrä­ge Kunst­griff wird mit kei­ner Sil­be er­wähnt oder er­klärt. Zu gro­tesk, wenn Ann und Hen­ry ihr un­heim­li­ches Pup­pen­kind in den Ar­men hal­ten oder sin­gend an des­sen Wie­ge ste­hen. Apro­pos: Ge­sun­gen wird sehr viel. Der Film ver­zich­tet fast gänz­lich auf ge­spro­che­ne Dia­lo­ge. Adam Dri­ver ist zwar kein be­gna­de­ter Sän­ger, doch den nicht be­son­ders lie­bens­wer­ten Hen­ry spielt er mit kon­se­quen­ter fuck-you-Hal­tung gran­di­os. In­ter­es­san­te Idee, gu­te Mu­sik, tol­le Schau­spie­ler – und trotz­dem macht der Film nur be­dingt Freu­de.

Re­gis­seur Le­os Ca­r­ax („Die Lie­ben­den von Pont-Neuf“) hat den Ruf ei­nes schwie­ri­gen Künst­lers, des­sen Ar­bei­ten oft als sper­rig gel­ten. „An­net­te“ ist we­ni­ger Mu­si­cal, mehr ex­pe­ri­men­tel­le, mo­der­ne Oper, die man nicht un­be­dingt ver­ste­hen muss. Man­che wer­den das für gro­ße Kunst hal­ten, weil es so schön schräg und an­ders ist. Die meis­ten wird das selt­sa­me, oft er­mü­den­de Mu­sik­dra­ma rat­los zu­rück­las­sen.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „An­net­te“
Frank­reich / Bel­gi­en / Deutsch­land / USA 2021
140 min
Re­gie Le­os Ca­r­ax

al­le Bil­der © Ala­mo­de Film