THE 355

THE 355

Hol­ly­wood be­nimmt sich wie ein Hun­de­wel­pe, der schon wie­der sein Ge­schäft auf dem Wohn­zim­mer­tep­pich ver­rich­tet hat. Da hilft nur, ihn kurz mit der Schnau­ze rein­zu­stup­sen, sonst lernt Lo­bi nie. Wie vie­le „All Fe­ma­le Re­boots“ von er­folg­rei­chen Fil­men soll es noch ge­ben, be­vor Hol­ly­wood be­greift: Das will nie­mand se­hen. Fai­rer­wei­se muss er­wähnt wer­den, "The 355" ist kein Re­boot, son­dern ei­ne Zi­ta­ten­samm­lung bes­se­rer Ac­tion­fil­me. Die Au­toren The­re­sa Re­beck und Si­mon Kin­berg ha­ben ihr Dreh­buch nach dem co­py­/­pas­te-Prin­zip ver­fasst, oh­ne je­mals die Qua­li­tät der zi­tier­ten Vor­bil­der zu er­rei­chen. Viel­mehr er­in­nert das Gan­ze an ei­ne un­gu­te Nach­er­zäh­lung von Mis­si­on Im­pos­si­ble meets Ja­son Bourne meets Charlie's An­gels (mi­nus Campf­ak­tor).

Auf der Jagd nach ei­nem klas­si­schen MacGuf­fin (hier ei­ne Fest­plat­te, mit der man die Welt be­herr­schen kann) müs­sen sich ei­ne CIA-Agen­tin (Jes­si­ca Chas­tain), ei­ne bri­ti­sche Tech­nik­spe­zia­lis­tin (Lu­pi­ta Nyong‘o) und ei­ne deut­sche BND-Agen­tin (Dia­ne Kru­ger) zu­sam­men­tun, um be­sag­te Fest­plat­te wie­der­zu­fin­den und die Mensch­heit vor dem Un­ter­gang zu ret­ten. An ih­rer Sei­te kämpft die selt­sam fehl am Platz wir­ken­de Pe­né­lo­pe Cruz als chi­le­ni­sche Psy­cho­lo­gin mit per­fek­ter Fri­sur und zu di­cker Ober­lip­pe.

Öde nicht nur die Ge­schich­te, "The 355" sieht trotz exo­ti­scher Lo­ca­ti­ons auch noch er­staun­lich schä­big aus. Das hät­ten die Ma­cher vom Traum­schiff auch nicht schlech­ter hin­be­kom­men. Die Kampf­sze­nen sind lahm, die Lo­gik­brü­che ab­surd und die Mu­sik klingt wie ein vom Prak­ti­kan­ten kom­po­nier­ter Rest­pos­ten. So rech­te Lust scheint kei­ner ge­habt zu ha­ben.

Ach­tung Alu­hut-Ver­schwö­rungs­theo­rie: Wer­den Hol­ly­wood­stars ge­zwun­gen, in mi­se­ra­blen Fil­men mit­spie­len, um Stu­dio­gel­der zu wa­schen? Oder war­um ge­ben sich Os­car­preis­trä­ge­rin­nen für so ei­nen Schmar­ren her? Der Na­me des Re­gis­seurs hät­te ih­nen War­nung sein sol­len: Si­mon Kin­berg hat mit "Dark Phoe­nix" schon den schlech­tes­ten Teil der X‑­Men-Sa­ga zu ver­ant­wor­ten. 

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „The 355"
Chi­na / USA 2022
124 min
Re­gie Si­mon Kin­berg
Ki­no­start 06. Ja­nu­ar 2022

al­le Bil­der © Leo­ni­ne