MEIN FABELHAFTES VERBRECHEN

MEIN FABELHAFTES VERBRECHEN

Ab 06. Juli 2023 im Kino

Auch ein Meisterregisseur schwächelt mal. François Ozons hochkarätig besetzte Boulevard-Klamotte läuft ab Donnerstag im Kino.

Sie ist jung, hübsch und bit­ter­arm. Nun steht die mä­ßig be­gab­te Möch­te­gern­schau­spie­le­rin Made­lei­ne Ver­die vor Ge­richt. An­ge­klagt für ei­nen Mord, den sie nicht be­gan­gen hat. Ein ein­fluss­rei­cher Film­pro­du­zent wur­de er­schos­sen auf­ge­fun­den, kurz nach­dem Made­lei­ne des­sen Vil­la über­stürzt ver­las­sen hat. Auf der An­kla­ge­bank ge­steht sie über­ra­schend – aus Not­wehr ha­be sie ge­han­delt. Der Frei­spruch bringt ihr Rol­len­an­ge­bo­te, Ruhm und Reich­tum. Da taucht der ehe­ma­li­ge Stumm­film­star Odet­te Chau­met­te auf und be­haup­tet, sie sei die wah­re Mör­de­rin.

Er­staun­lich durch­schnitt­li­che Bou­le­vard­ko­mö­die

Das sieht zwar al­les gut aus: Kos­tü­me, Sets und Aus­stat­tung sind vom Feins­ten. Aber die er­staun­lich durch­schnitt­li­che und vor al­lem in der ers­ten Hälf­te ge­pflegt lang­wei­li­ge Bou­le­vard­ko­mö­die wird nur durch sei­nen er­le­se­nen Cast am Le­ben ge­hal­ten. Mit we­ni­ger pro­mi­nen­ten Schau­spie­lern be­setzt wä­re MEIN FA­BEL­HAF­TES VER­BRE­CHEN auch als Ohn­sorg-Thea­ter­stück im deut­schen Fern­se­hen der 1970er-Jah­re durch­ge­gan­gen.

Fran­çois Ozon wä­re nicht Fran­çois Ozon, hiel­te er nicht auch hier ein flam­men­des Plä­doy­er für die Stär­ke der Frau­en. Im­mer­hin. An­sons­ten fragt man sich, was den Star­re­gis­seur ge­rit­ten hat, die­se schnell zu ver­ges­sen­de Ko­mö­die mit Hang zum Me­lo­dra­ma­ti­schen als sein neu­es Pro­jekt zu wäh­len. Be­son­ders nach dem sehr ge­lun­ge­nen SOM­MER 85 ei­ne über­ra­schen­de Ent­schei­dung. Es muss wohl der Spaß an ein paar thea­ter­haf­ten Ef­fek­ten, den (zu) vie­len Plot-Twists und ei­nem hoch­ka­rä­ti­gen En­sem­ble ge­we­sen sein. Ne­ben Isa­bel­le Hup­pert als al­tern­de Di­va glänzt das who is who des fran­zö­si­schen Films – un­ter an­de­rem Dan­ny Boo­ne, Na­dia Te­reszkie­wicz, Re­bec­ca Mar­der, Fa­bri­ce Luchi­ni und An­dré Dus­sol­lie.

Als lau­ni­ge Fin­ger­übung geht MEIN FA­BEL­HAF­TES VER­BRE­CHEN durch, von Ozon darf man sonst deut­lich mehr er­war­ten.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Mon Crime“
Frank­reich 2023
102 min
Re­gie Fran­çois Ozon

al­le Bil­der © WELT­KI­NO

RISIKEN UND NEBENWIRKUNGEN

Kinostart 09. Juni 2022

Pi­la­tes­leh­re­rin Kath­rin braucht ei­ne neue Nie­re. Ihr ego­zen­tri­scher Mann Ar­nold kä­me als Spen­der in­fra­ge, quält sich aber kei­ne ein­deu­ti­ge Zu­sa­ge ab. Ganz an­ders der ge­mein­sa­me Freund Götz. Aus dem di­cken Bauch her­aus er­klärt er sich be­reit, Kath­rin ei­ne sei­ner Nie­ren ab­zu­tre­ten. Die­se Groß­zü­gig­keit stößt sei­ner Frau Dia­na sau­er auf.

Soll­te man der Ehe­frau ei­ne Nie­re spen­den, ob­wohl das ein gro­ßes ge­sund­heit­li­ches Ri­si­ko be­deu­ten könn­te? Wä­re es nicht bes­ser, auf ei­nen ver­stor­be­nen Spen­der zu war­ten oder gar ei­ne Nie­re im Dark­net zu kau­fen? High­light des Films ist Sa­mu­el Fin­zi als hand­lungs­ge­hemm­ter Gat­te: Er wür­de, hät­te, woll­te – und macht dann doch nicht.

Mi­cha­el Kreihsls Ko­mö­die ba­siert auf ei­nem Thea­ter­stück und das merkt man ihm deut­lich an. Auf der Büh­ne auf vier Per­so­nen be­schränkt, wur­den fürs Ki­no noch un­nö­ti­ge Ne­ben­rol­len hin­zu­ge­fügt, die vom ei­gent­li­chen Kern der Ge­schich­te ab­len­ken. Die mä­ßig lus­ti­ge Ko­mö­die ist nach gut ei­ner Stun­de aus­er­zählt, wird aber durch ei­ne we­nig glaub­wür­di­ge Wen­dung noch wei­ter in die Län­ge ge­streckt. Die Schau­spie­ler ge­ben ihr bes­tes, doch ge­gen die bie­de­re TV-In­sze­nie­rung kom­men sie nur schwer an. Bou­le­vard­ko­mö­die, die aus ih­rem The­ma zu we­nig macht.

INFOS ZUM FILM

Ös­ter­reich 2021
93 min
Re­gie Mi­cha­el Kreihsl

al­le Bil­der © Film­welt Ver­lei­hagen­tur GmbH