BELFAST

BELFAST

Kinostart 24. Februar 2022

Es gab Zei­ten, da galt es als er­stre­bens­wert, von der Hol­ly­wood For­eign Press As­so­cia­ti­on (kurz: HFPA) ei­nen Gol­den Glo­be ver­lie­hen zu be­kom­men. Da­mit ist es vor­bei. Vor gut ei­nem Jahr deck­te ein Ar­ti­kel der LA-Times das bis ins Mark kor­rup­te Sys­tem hin­ter der Or­ga­ni­sa­ti­on auf. Am schwers­ten wiegt der Vor­wurf, un­ter den 87 Mit­glie­dern ge­be es kei­ne ein­zi­ge Per­son of Co­lor. Huch. Das war bis da­hin nie­man­dem auf­ge­fal­len.

Die HFPA ver­gibt ih­re Awards vor­zugs­wei­se an Stu­di­os, die sich die Gunst der Jour­na­lis­ten mit lu­xu­riö­sen Rei­sen zu Film­sets oder an­de­ren groß­zü­gi­gen Ge­schen­ken er­wor­ben ha­ben. Die ver­deck­te Be­stechung war zwar all­ge­mein be­kannt, scher­te aber bis­lang kei­nen. Ab­sur­di­tä­ten wie die Aus­zeich­nung „Bes­ter Film“ für das Flo­ri­an Hen­ckel von Don­ners­marck-De­ba­kel „The Tou­rist“ oder der „Bes­te Comedy“-Preis für das Rid­ley-Scott-Dra­ma „Der Mar­sia­ner“ wur­den als Schrul­lig­keit be­lä­chelt. Erst die Ver­öf­fent­li­chung des LA-Times-Ar­ti­kels mach­ten die Gol­den Glo­bes igitt, plötz­lich woll­te kei­ner mehr mit dem kor­rup­ten Hau­fen in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den. Su­per­star Tom Crui­se gab sei­ne Prei­se so­gar em­pört zu­rück.

Und was hat das nun al­les mit Ken­neth Bra­naghs fa­bel­haf­tem, au­to­bio­gra­fisch in­spi­rier­tem Film „Bel­fast“ zu tun? Nichts. Au­ßer dass, ge­ra­de als man dach­te, die Gol­den Glo­bes sei­en auf im­mer ge­brand­markt, das pro­du­zie­ren­de Stu­dio da­mit wirbt, „Bel­fast“ ha­be den Gol­den Glo­be für das bes­te Dreh­buch ge­won­nen. So viel zur Halb­werts­zeit von Skan­da­len.

Da­mit nie­mand sa­gen kann, Frame­ra­te sei zu ge­schwät­zig, hier ei­ne kur­ze, knap­pe Lob­hu­de­lei: Die Ge­schich­te vom neun­jäh­ri­gen Bud­dy und sei­ner Fa­mi­lie im nord­iri­schen Bür­ger­krieg ist span­nend, be­rüh­rend, hu­mor­voll, wun­der­schön fo­to­gra­fiert und her­vor­ra­gend be­setzt. Be­son­ders New­co­mer Ju­de Hill ist ein ech­tes Na­tur­ta­lent. Ganz aus­ge­zeich­net auch der Rest des En­sem­bles: Ju­di Dench wur­de ge­ra­de für den Os­car no­mi­niert, ei­ne Eh­re, die auch Cai­trío­na Bal­fe für ih­re Dar­stel­lung ver­dient hät­te. Ja­mie Dorn­an kann char­man­ter Fa­mi­li­en­va­ter, Se­ri­en­mör­der (The Fall) und Sa­do-Ma­so-Lo­ver (50 Shades of Grey) – war­um nicht auch 007?

Man könn­te „Bel­fast“ als Wohl­fühl­film ab­stem­peln, und es gibt Mo­men­te, in de­nen hät­te ein we­nig mehr dra­ma­ti­sche Tie­fe nicht ge­scha­det. Aber das ist Jam­mern auf ho­hem Ni­veau: Bra­nagh ist mit der rich­ti­gen Mi­schung aus Nost­al­gie, Wär­me und Ko­mik ei­ne sehr per­sön­li­che Lie­bes­er­klä­rung an sei­ne Hei­mat­stadt ge­lun­gen.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Bel­fast“
GB 2021
98 min
Re­gie Ken­neth Bra­nagh

al­le Bil­der © Uni­ver­sal Pic­tures In­ter­na­tio­nal Ger­ma­ny