A Big Bold Beautiful Journey

A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY

A Big Bold Beautiful Journey

A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY

Groß? Mutig? Schön? A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY ist allenfalls ganz nett

Ab 02. Oktober 2025 im Kino

Ja, das hätte was werden können: ein rauschhaftes, wildes Märchen, eine große Liebesgeschichte. Doch Regisseur Kogonada hat sich nicht getraut. 

Es beginnt mit einer kuriosen Episode: David leiht sich ein Auto, fährt zu einer Hochzeit, trifft dort auf Sarah. Es funkt, aber nur ein bisschen. Am nächsten Tag lotst ihn sein altmodisches Navi in ein Burger-Restaurant, wo sich die beiden erneut begegnen. Dann stellt das Gerät die entscheidende Frage: Wollen David und Sarah gemeinsam eine große, herausfordernde, wunderschöne Reise antreten? Natürlich sagen sie ja.

A Big Bold Beautiful Journey

Immerhin: Mit Margot Robbie und Colin Farrell stehen zwei echte Filmstars vor der Kamera, und wenigstens wegen der beiden lohnt sich die Reise. Vor allem Robbie verströmt Hollywoodglamour aus jeder Pore – egal, ob sie als Barbie verkleidet durch eine Plastikwelt läuft oder, wie hier, als Taylor-Swift-Doppelgängerin zurechtgemacht ist. Der verlässlich gute Colin Farrell ergänzt sie mit irisch-melancholischem Understatement.

A Big Bold Beautiful Journey

Die Reise führt sie durch Türen, die in die eigene Vergangenheit öffnen. Ein Roadtrip durch Erinnerungen, Kindheit, Jugend, verpasste Chancen. Doch schon bald zeigt sich das Problem: Was David und Sarah in ihren Rückblenden tun oder lassen, hat keinerlei Folgen. Es bleibt beim Schauen und Staunen – eine Nabelschau ohne Konsequenzen. Und schon kommt die nächste Tür. Und noch eine. Und dann noch eine. Und so weiter.

A Big Bold Beautiful Journey

So recht funktioniert A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY weder als Liebesfilm noch als Fantasy-Geschichte. Man hat eher den Eindruck, einem Off-Broadway-Theaterstück zuzuschauen, bei dem die Leinwandadaption nicht richtig geglückt ist. Alles ist korrekt ausgeleuchtet, hübsch anzusehen, nur nie wirklich riskant. Kogonada scheint überfordert von der konstruierten Geschichte; die Inszenierung tastet sich vorsichtig durch Szenen, die nach Mut, Überschwang, ja sogar nach großem Kitsch verlangt hätten. Stattdessen herrscht artige Behutsamkeit.

A BIG BOLD BEAUTIFUL JOURNEY will vieles sein – Liebesgeschichte, Fantasy, existenzielles Roadmovie – und ist am Ende vor allem eines: zu brav. Ein Film, dem das entscheidende Quäntchen Wahnsinn fehlt.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „A Big Bold Beautiful Journey“
USA 2025
109 min
Regie Kogonada

A Big Bold Beautiful Journey

alle Bilder © Sony Pictures

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THE BANSHEES OF INISHERIN

THE BANSHEES OF INISHERIN

Kinostart 05. Januar 2023

Frühmorgens aufstehen, die Tiere auf die Weide treiben, nachmittags zwei bis zehn Guiness trinken, abends mit dem Esel schmusen. Es ist nicht gerade viel los auf der abgelegenen Insel Inisherin vor der Westküste Irlands im Jahre 1923. Doch der einfach gestrickte Pádraic ist mit seinem Leben rundum zufrieden. Das Haus teilt er sich mit seiner unverheirateten Schwester Siobhán, seinen besten Freund Colm holt er jeden Tag pünktlich um zwei zum gemeinsamen Biertrinken ab. Bis Colm die Freundschaft urplötzlich kündigt. „Du hast mir nichts getan. Ich kann dich einfach nicht mehr leiden.“ Pádraic versteht die Welt nicht mehr und versucht, seinen Freund umzustimmen. Doch all seine Bemühungen nützen nichts, und als Colm Pádraic ein Ultimatum stellt, eskalieren die Ereignisse mit drastischen Folgen.

„The Banshees of Inisherin“ lässt sich auf vielerlei Arten interpretieren: eine simple Meditation über Männerfreundschaft? Eine Allegorie auf den Bürgerkrieg – einen Bürgerkrieg im Mikrokosmos, der für den damals tobenden irischen Bürgerkrieg im Großen steht? Oder ein Shakespeare-Drama inklusive Helden, Schurken, Hexen und Narren? Obwohl der Film zu großen Teilen aus philosophischen Gesprächen über Freundschaft und das Leben im Allgemeinen besteht, sollte man sich nicht in Sicherheit wiegen. Die vermeintlich sanfte Gleichmut hält ein paar bloody shocking Überraschungen parat.

Das Dreamteam ist zurück: Nach „Brügge sehen … und sterben?“ hat sich Regisseur McDonagh für seine neue Tragikomödie wieder Colin Farrell und Brendan Gleeson vor die Kamera geholt. Daneben sind unter anderem der immer hervorragende Barry Keoghan („Dunkirk“), sowie Kerry Condon (bekannt aus „Better Call Saul“) zu sehen.

Irisch klingt zwar oft wie Klingonisch auf Rückwärts. Trotzdem: Original mit Untertiteln ist ein Muss.
Go raibh maith agat as léamh (Vielen Dank fürs Lesen).

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „The Banshees of Inisherin“
Irland 2022
109 min
Regie Martin McDonagh

alle Bilder © Walt Disney Studio Motion Pictures GmbH

THE BATMAN

THE BATMAN

Kinostart 03. März 2022

Huch, ist schon wieder Batman-Zeit? Der letzte Auftritt ist gerade mal vier Jahre her, da kommt schon die nächste Symphonie in Düsternis ins Kino. Wie alles im Leben ist auch Matt Reeves supergehypte Interpretation der unsterblichen Comicsaga Geschmacksache. Den überstylten Musikvideo-Look muss man mögen. Es regnet unentwegt, die Farben sind entsättigt und die Bilder künstlerisch unscharf. Überhaupt ist Kameramann Greig Fraser ganz verliebt in schlierige Makroshots. Dass der Film zwischen Grungedystopie, „Seven“-Horror und James-Bond-Action schlingert, auch darüber muss man hinwegsehen (wollen). Von der fehlenden Chemie zwischen Robert Pattison und Zoë Kravitz ganz zu schweigen: Selten wirkte eine Kusszene so pflichtschuldig. Meckerblock Ende.

Im Gegensatz zu anderen MCU oder DC-Filmen haben sich die Drehbuchautoren diesmal eine richtige Story ausgedacht. So ist „The Batman“ mehr finstere Detektivgeschichte als hirnloser, computergenerierter Sommerblockbuster. Der Riddler ist auf Rachefeldzug in Gotham City und tötet sich munter durch die städtische Politik- und Polizeiszene. Immer wieder hinterlässt er Grußkarten mit kryptischen Botschaften, die auf das nächste Opfer hinweisen. Zum Glück vermag Batman die Rätsel schneller zu lösen, als Catwoman miau sagen kann. Matt Reeves kaut dankenswerterweise nicht schon wieder die Originstory Batmans durch, sondern fokussiert sich auf dessen Wandlung vom Rächer zum Menschenfreund.

Und sonst? Vorher noch mal aufs Klo gehen, der Film ist fast 3 Stunden lang. Robert Pattison macht seine Sache als brooding Antihero mit vampirhafter Blässe gut – Just staying in character, schließlich gehört eine Fledermaus ja auch zur Gattung der Blutsauger. Die große Überraschung dann im Abspann: Colin Farrell spielt den Pinguin. Kompliment an die Maskenbildner – so unkenntlich, das hätte auch Florian Silbereisen sein können. Die Special-Effects sind State of the Art und halten sich zum Glück halbwegs an physikalische Gesetzte. Alles wirkt überzeugend handgemacht. Sieht gut aus, klingt auch gut: Michael Giacchino setzt bei seinem Soundtrack auf die große Überwältigung, Hans Zimmer lässt grüßen. Vor allem das Catwoman-Thema erinnert stark an einen Bond-Score.

„The Batman“ hat nicht die genreverändernde Kraft der Nolan-Filme. Allerdings liegt die Latte nach dessen Trilogie (bis auf den letzten Teil) sehr hoch und es darf berechtigterweise gefragt werden, ob die Zeit nach dem müden Ben Affleck-Auftritt wirklich schon wieder reif für einen weiteren Fledermausmann ist. Die Aussage des Regisseurs, sein Film sei eine vom DCU entkoppelte, eigenständige Geschichte (ähnlich wie „The Joker“) wird am Ende Lügen gestraft: Im berüchtigten Arkham Asylum lauert schon der nächste Bösewicht. Fortsetzung garantiert.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Th Batman“
USA 2022
176 min
Regie Matt Reeves

alle Bilder © Warner Bros. Entertainment Inc.