THE BANSHEES OF INISHERIN

THE BANSHEES OF INISHERIN

Kinostart 05. Januar 2023

Früh­mor­gens auf­ste­hen, die Tie­re auf die Wei­de trei­ben, nach­mit­tags zwei bis zehn Gui­ness trin­ken, abends mit dem Esel schmu­sen. Es ist nicht ge­ra­de viel los auf der ab­ge­le­ge­nen In­sel Inis­he­rin vor der West­küs­te Ir­lands im Jah­re 1923. Doch der ein­fach ge­strick­te Pá­draic ist mit sei­nem Le­ben rund­um zu­frie­den. Das Haus teilt er sich mit sei­ner un­ver­hei­ra­te­ten Schwes­ter Siob­hán, sei­nen bes­ten Freund Colm holt er je­den Tag pünkt­lich um zwei zum ge­mein­sa­men Bier­trin­ken ab. Bis Colm die Freund­schaft ur­plötz­lich kün­digt. „Du hast mir nichts ge­tan. Ich kann dich ein­fach nicht mehr lei­den.“ Pá­draic ver­steht die Welt nicht mehr und ver­sucht, sei­nen Freund um­zu­stim­men. Doch all sei­ne Be­mü­hun­gen nüt­zen nichts, und als Colm Pá­draic ein Ul­ti­ma­tum stellt, es­ka­lie­ren die Er­eig­nis­se mit dras­ti­schen Fol­gen.

„The Bans­hees of Inis­he­rin“ lässt sich auf vie­ler­lei Ar­ten in­ter­pre­tie­ren: ei­ne simp­le Me­di­ta­ti­on über Män­ner­freund­schaft? Ei­ne Al­le­go­rie auf den Bür­ger­krieg – ei­nen Bür­ger­krieg im Mi­kro­kos­mos, der für den da­mals to­ben­den iri­schen Bür­ger­krieg im Gro­ßen steht? Oder ein Shake­speare-Dra­ma in­klu­si­ve Hel­den, Schur­ken, He­xen und Nar­ren? Ob­wohl der Film zu gro­ßen Tei­len aus phi­lo­so­phi­schen Ge­sprä­chen über Freund­schaft und das Le­ben im All­ge­mei­nen be­steht, soll­te man sich nicht in Si­cher­heit wie­gen. Die ver­meint­lich sanf­te Gleich­mut hält ein paar bloo­dy sho­cking Über­ra­schun­gen pa­rat.

Das Dream­team ist zu­rück: Nach „Brüg­ge se­hen … und ster­ben?“ hat sich Re­gis­seur Mc­Do­nagh für sei­ne neue Tra­gi­ko­mö­die wie­der Co­lin Far­rell und Brendan Glee­son vor die Ka­me­ra ge­holt. Da­ne­ben sind un­ter an­de­rem der im­mer her­vor­ra­gen­de Bar­ry Keog­han ("Dun­kirk"), so­wie Ker­ry Con­don (be­kannt aus „Bet­ter Call Saul“) zu se­hen.

Irisch klingt zwar oft wie Klin­go­nisch auf Rück­wärts. Trotz­dem: Ori­gi­nal mit Un­ter­ti­teln ist ein Muss.
Go raibh maith agat as lé­amh (Vie­len Dank fürs Le­sen).

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „The Bans­hees of Inis­he­rin“
Ir­land 2022
109 min
Re­gie Mar­tin Mc­Do­nagh

al­le Bil­der © Walt Dis­ney Stu­dio Mo­ti­on Pic­tures GmbH

THE BATMAN

THE BATMAN

Kinostart 03. März 2022

Huch, ist schon wie­der Bat­man-Zeit? Der letz­te Auf­tritt ist ge­ra­de mal vier Jah­re her, da kommt schon die nächs­te Sym­pho­nie in Düs­ter­nis ins Ki­no. Wie al­les im Le­ben ist auch Matt Ree­ves su­per­ge­hyp­te In­ter­pre­ta­ti­on der un­sterb­li­chen Co­mic­sa­ga Ge­schmack­sa­che. Den über­styl­ten Mu­sik­vi­deo-Look muss man mö­gen. Es reg­net un­ent­wegt, die Far­ben sind ent­sät­tigt und die Bil­der künst­le­risch un­scharf. Über­haupt ist Ka­me­ra­mann Greig Fraser ganz ver­liebt in schlie­ri­ge Ma­k­ro­shots. Dass der Film zwi­schen Grunge­dy­sto­pie, „Seven“-Horror und Ja­mes-Bond-Ac­tion schlin­gert, auch dar­über muss man hin­weg­se­hen (wol­len). Von der feh­len­den Che­mie zwi­schen Ro­bert Pat­ti­son und Zoë Kra­vitz ganz zu schwei­gen: Sel­ten wirk­te ei­ne Kus­sze­ne so pflicht­schul­dig. Me­cker­block En­de.

Im Ge­gen­satz zu an­de­ren MCU oder DC-Fil­men ha­ben sich die Dreh­buch­au­to­ren dies­mal ei­ne rich­ti­ge Sto­ry aus­ge­dacht. So ist „The Bat­man“ mehr fins­te­re De­tek­tiv­ge­schich­te als hirn­lo­ser, com­pu­ter­ge­nerier­ter Som­mer­block­bus­ter. Der Ridd­ler ist auf Ra­che­feld­zug in Got­ham Ci­ty und tö­tet sich mun­ter durch die städ­ti­sche Po­li­tik- und Po­li­zei­sze­ne. Im­mer wie­der hin­ter­lässt er Gruß­kar­ten mit kryp­ti­schen Bot­schaf­ten, die auf das nächs­te Op­fer hin­wei­sen. Zum Glück ver­mag Bat­man die Rät­sel schnel­ler zu lö­sen, als Cat­wo­man mi­au sa­gen kann. Matt Ree­ves kaut dan­kens­wer­ter­wei­se nicht schon wie­der die Ori­g­in­sto­ry Bat­mans durch, son­dern fo­kus­siert sich auf des­sen Wand­lung vom Rä­cher zum Men­schen­freund.

Und sonst? Vor­her noch mal aufs Klo ge­hen, der Film ist fast 3 Stun­den lang. Ro­bert Pat­ti­son macht sei­ne Sa­che als broo­ding An­ti­he­ro mit vam­pir­haf­ter Bläs­se gut – Just stay­ing in cha­rac­ter, schließ­lich ge­hört ei­ne Fle­der­maus ja auch zur Gat­tung der Blut­sauger. Die gro­ße Über­ra­schung dann im Ab­spann: Co­lin Far­rell spielt den Pin­gu­in. Kom­pli­ment an die Mas­ken­bild­ner – so un­kennt­lich, das hät­te auch Flo­ri­an Sil­ber­ei­sen sein kön­nen. Die Spe­cial-Ef­fects sind Sta­te of the Art und hal­ten sich zum Glück halb­wegs an phy­si­ka­li­sche Ge­setz­te. Al­les wirkt über­zeu­gend hand­ge­macht. Sieht gut aus, klingt auch gut: Mi­cha­el Gi­ac­chi­no setzt bei sei­nem Sound­track auf die gro­ße Über­wäl­ti­gung, Hans Zim­mer lässt grü­ßen. Vor al­lem das Cat­wo­man-The­ma er­in­nert stark an ei­nen Bond-Score.

„The Bat­man“ hat nicht die gen­re­ver­än­dern­de Kraft der No­lan-Fil­me. Al­ler­dings liegt die Lat­te nach des­sen Tri­lo­gie (bis auf den letz­ten Teil) sehr hoch und es darf be­rech­tig­ter­wei­se ge­fragt wer­den, ob die Zeit nach dem mü­den Ben Af­fleck-Auf­tritt wirk­lich schon wie­der reif für ei­nen wei­te­ren Fle­der­maus­mann ist. Die Aus­sa­ge des Re­gis­seurs, sein Film sei ei­ne vom DCU ent­kop­pel­te, ei­gen­stän­di­ge Ge­schich­te (ähn­lich wie „The Jo­ker“) wird am En­de Lü­gen ge­straft: Im be­rüch­tig­ten Ark­ham Asyl­um lau­ert schon der nächs­te Bö­se­wicht. Fort­set­zung ga­ran­tiert.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Th Bat­man“
USA 2022
176 min
Re­gie Matt Ree­ves

al­le Bil­der © War­ner Bros. En­ter­tain­ment Inc.