HOUSE OF GUCCI

HOUSE OF GUCCI

Der Guc­ci-Clan: ei­ne Fa­mi­lie so gla­mou­rös und ab­grün­dig wie zehn Soap-Operas zu­sam­men. Kein Wun­der, dass Rid­ley Scotts Aus­stat­tungs­traum über das ita­lie­ni­sche Mo­de­im­pe­ri­um nä­her an ed­lem Den­ver-Clan-Trash als an Hoch­kul­tur an­ge­sie­delt ist.

„House of Guc­ci“ ist bahn­bre­chend. Nicht als Film, denn nach dem Vor­freu­de we­cken­den Trai­ler bleibt das Ge­samt­pro­dukt ein we­nig hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück. Trotz über­dreh­tem Schau­spiel – vor al­lem Jared Le­to de­fi­niert den Be­griff des over­ac­tings neu – lässt das Dra­ma um den Auf­trags­mord an Mau­ri­zio Guc­ci eher kalt. Nein, „House of Guc­ci“ ist bahn­bre­chend, da es der ers­te Film in der Mensch­heits­ge­schich­te ist, der in der deut­schen Syn­chro­ni­sa­ti­on wahr­schein­lich bes­ser als im Ori­gi­nal ist. Por­co dio, sind die Ak­zen­te in der US-Ver­si­on schlecht. Die Schau­spie­ler spre­chen ein Mi­ra­co­li-eng­lisch, un­ge­fähr so au­then­tisch wie der „Isch abe gar kein Auto“-Italiener aus der Nes­ca­fé-Wer­bung. Auch hier schlägt der sei­nen Dia­log­text fast jo­deln­de Jared Le­to sei­ne Mit­strei­ter um Län­gen. Je­re­my Irons, in­ner­halb ei­nes Sat­zes wahl­los zwi­schen Teati­me-bri­tish und Ma­fio­si-ita­lia­no chan­gie­rend, folgt di­rekt auf Platz zwei. Der US-Mo­de­de­si­gner Tom Ford bringt es nach der Pre­mie­re auf den Punkt: "Zwi­schen­durch war ich mir nicht si­cher, ob ich da ge­ra­de ei­nen Sketch von Sa­tur­day Night Live se­he."

An­sons­ten: Lus­ti­ge 80er-Jah­re-Mo­de mit Schul­ter­pols­tern, ab­sur­de El­nett-de-Lu­xe-Fri­su­ren und das mu­si­ka­lisch Bes­te der 70er, 80er und 90er-Jah­re: Das star­ge­stopf­te 3‑Stunden Epos ist mit Adam Dri­ver, Sal­ma Hay­ek und Al Pa­ci­no er­le­sen be­setzt. Die Show stiehlt al­ler­dings La­dy Ga­ga, die als mör­de­ri­sche Pa­tri­zia Reg­gia­ni ne­ben den ex­qui­si­ten Kos­tü­men das High­light des Films ist.

FAZIT

Beim Ren­nen um das bes­te „Er­schos­se­ner-Mo­de­schöp­fer-aus-Ita­li­en-Bio­pic“ bleibt die Ryan Mur­phy-Se­rie um Gi­an­ni Ver­sace Sie­ger.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „House of Guc­ci“
USA 2021
158 min
Re­gie Rid­ley Scott
Ki­no­start 02. De­zem­ber 2021

al­le Bil­der © Uni­ver­sal Pic­tures In­ter­na­tio­nal Ger­ma­ny