WEST SIDE STORY

WEST SIDE STORY

Über­flüs­sig, hier noch­mal die Ge­schich­te von To­ny, Ma­ria, den Jets und den Sharks nach­zu­er­zäh­len. Selbst ein­ge­fleisch­ten Mu­si­cal­has­sern dürf­te die Hand­lung von West Si­de Sto­ry ver­traut sein: Shake­speares Ro­meo und Ju­lia, nur eben im New York der spä­ten 1950er-Jah­re an­ge­sie­delt.

Im Lau­fe sei­ner sa­gen­haft er­folg­rei­chen Kar­rie­re hat Ste­ven Spiel­berg un­zäh­li­ge Block­bus­ter ge­dreht, Prei­se ge­won­nen, Klas­si­ker für die Ewig­keit kre­iert. Nun al­so ei­ne Neu­ver­fil­mung des zehn­fach os­car­ge­krön­ten Leo­nard-Bern­stein-Mu­si­cals. An der 2021er Ver­si­on ist erst­mal nichts falsch: Paul Ta­ze­wells Kos­tü­me strah­len in al­len Far­ben des Re­gen­bo­gens, die Sets stim­men bis ins kleins­te De­tail und Di­rec­tor of Pho­to­gra­phy Ja­nusz Ka­min­ski konn­te ge­wohnt vie­le Lam­pen in Rich­tung Ka­me­ra­op­tik dre­hen, so­dass sein Mar­ken­zei­chen – Fla­res in je­der Ein­stel­lung – ge­büh­rend zur Gel­tung kom­men. Cho­reo­gra­fie und Ge­sang sind spot­less. Al­le be­tei­lig­ten Ge­wer­ke sind auf der Hö­he ih­rer Schaf­fens­kunst. Und den­noch fragt man sich wäh­rend der ge­sam­ten 155 Mi­nu­ten: War­um?

War­um ei­ne neue Ver­si­on, die der al­ten nichts Nen­nens­wer­tes hin­zu­zu­fü­gen hat, au­ßer schi­cke­rer Op­tik und un­cha­ris­ma­ti­sche­ren Haupt­dar­stel­lern? Vor al­lem der ewi­ge Klas­sen­spre­cher An­sel El­g­ort ist als To­ny die In­kar­na­ti­on von net­ter Lan­ge­wei­le. Such a pret­ty face: Ra­chel Zegler, ei­ne ech­te Dis­ney-Prin­zes­sin mit glo­cken­kla­rer Stim­me, wird als Ma­ria in je­der Sze­ne von der tem­pe­ra­ment­vol­le­ren Aria­na De­Bo­se (als Ani­ta) an die Wand ge­spielt und ge­sun­gen. Über­haupt sind sämt­li­che Ne­ben­fi­gu­ren bes­ser be­setzt als das blas­se Paar im Zen­trum der Ge­schich­te. It's alar­ming how un­char­ming they are. 

Ste­ven Spiel­berg hat­te wohl ein­fach Lust, ei­nen sei­ner Lieb­lings­fil­me neu zu in­sze­nie­ren – mit feis­te­ren Bil­dern und bes­se­rer Tech­nik. Da­bei ver­mei­det er al­les Mo­der­ne. „La La Land“, „In the Heights“ oder Baz Luhr­manns „Ro­meo + Ju­liet“ sind da deut­lich mu­ti­ger und ver­spiel­ter. Spiel­bergs Film wirkt, als sei er ein per­fekt re­stau­rier­tes Werk aus den 1950er-Jah­ren. We­nigs­tens sind dies­mal die Pu­er­to­ri­ca­ner echt und wer­den nicht von braun ge­schmink­ten Grin­gos ge­spielt.

I feel pret­ty: "West Si­de Sto­ry" 2021 sieht gut aus und ist ganz okay, reicht aber bei wei­tem nicht an die Ori­gi­nal­ver­si­on her­an. Ei­ne Emp­feh­lung für al­le, die ger­ne schö­ne Men­schen in schö­nen Kos­tü­men se­hen wol­len, die hübsch cho­reo­gra­fiert tan­zen und da­zu be­rühm­te Lie­der sin­gen.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „West Si­de Sto­ry“
USA 2021
155 min
Re­gie Ste­ven Spiel­berg
Ki­no­start 09. De­zem­ber 2021

al­le Bil­der © Walt Dis­ney Stu­di­os Mo­ti­on Pic­tures Ger­ma­ny