JURASSIC WORLD: EIN NEUES ZEITALTER

Kinostart 08. Juni 2022

„Die Dinosaurier werden immer trauriger
Denn die Saurier dürfen nicht an Bord“
In Lonzos abscheulichem Lied von 1980 durften sie nicht auf die Arche Noah und mussten deshalb jämmerlich ertrinken. Nun haben die Dinos tatsächlich Grund zur Trauer, denn mit dem überfrachteten Finale der Jurassic-World-Trilogie schlägt zumindest im Kino ihr endgültig letztes Stündlein.

„Jurassic Park war das Wichtigste, was der Paläontologie in den letzten Jahrzehnten widerfahren ist, denn dieser Film erweckte die Dinosaurier für eine neue Generation wieder zum Leben“, sagt Stephen Brusatte, Professor an der University of Edinburgh. 
Folgerichtig beginnt der mittlerweile sechste Teil der Saurierserie fast so wissenschaftlich wie eine Dokumentation auf dem National Geographic Channel: Eine Reporterin fasst für Neueinsteiger noch einmal zusammen, was bisher geschah. Eine von vielen uneleganten Ideen, die das holprige Drehbuch parat hält.

Seit die fossilen Tierchen im letzten Teil versehentlich in Freiheit gelangten, leben sie nun über den ganzen Planeten verteilt. „Ein gigantisches Ringen um die Herrschaft zwischen Mensch und Dinosaurier beginnt.“, wie es im bedrohlichen Marketingjargon heißt. Ein an Steve Jobs angelehnter Bösewicht (eine weitere lazy Scriptidee) plant den ökologischen Supergau. Es drohen also nicht nur T-Rex und Co sondern auch kapitalistischer Größenwahn. Für die Wiederherstellung der natürlichen Ordnung braucht es deshalb die vereinten Kräfte der Generationen: Chris Pratt und Bryce Dallas Howard kämpfen an der Seite der Originalbesetzung Laura Dern, Sam Neill und Jeff Goldblum.

Ob den Spitzenplatz in der Nahrungskette am Ende der Mensch oder der Saurier gewinnt, soll hier nicht verraten werden. Der Weg dahin ist eine feist produzierte, doch zu oft gesehene Blockbusterreise. Eine sechste Fahrt durch die immer gleiche Geisterbahn verliert eben irgendwann ihren Schrecken. Die Effekte sind top, nur die Geschichte scheint endgültig auserzählt, „Ein neues Zeitalter“ ist eine Zitatensammlung anderer Abenteuer-Action-Filme – gab’s schon, kennt man. Höchste Zeit, den Dinos mal wieder ein paar Millionen Jahre Pause zu gönnen.

INFOS ZUM FILM

Originaltitel „Jurassic World: Dominion“
USA 2022
147 min
Regie Colin Trevorrow

alle Bilder © Universal Pictures International Germany

Hotel Artemis

MEMBERS ONLY

2028, auf den Straßen von Los Angeles herrscht Bürgerkrieg. Als ein Banküberfall gründlich schiefgeht, schaffen es die angeschossenen Gangster gerade noch schwerverletzt ins Hotel Artemis. Hinter dessen schäbiger Fassade verbirgt sich eine Art Club für Verbrecher in Not, inklusive moderner Klinik. Die Regeln sind ultrastreng und nur registrierten Mitgliedern wird der Eintritt gewährt. Wer der „Nurse“ (Jodie Foster) keinen Code vorzeigen kann, kommt nicht rein. Egal, ob er (oder sie) gerade verblutet. Im Laufe der Nacht checken immer mehr rachdurstige Schwerverbrecher ins Hotel ein. Die Situation gerät zusehends außer Kontrolle.

MACHART

Ausnahmsweise mal kein Prequel, Sequel oder keine Comicverfilmung, sondern eine eigenständige, originelle Geschichte. Auf alt geschminkt, tippelt  Jodie Foster – wie immer hervorragend – durch die endlosen Gänge des Hotels und hält dabei die Geschichte zusammen. Der Film ist schön düster und schafft vom ersten Bild an eine klaustrophobische Stimmung. Das hätte eigentlich für ein etwas schräges, schönes Stück Genrekino gereicht. Doch selbst der ansehnliche Cast (u.a. Jeff Goldblum, Sofia Boutella, Zachary Quinto) kann nicht verhindern, dass der Film im letzten Drittel kippt. Was zunächst wie ein ganz guter Terry-Gilliam-Film daherkommt, wird leider gegen Ende zu einer ausufernden Gewalt- und Splatterorgie.

FAZIT

Originelle Geschichte, tolle Ausstattung, am Ende unnötig viel Gewalt – trotzdem empfehlenswert.

USA, 2018
Regie Drew Pearce
110 min
Kinostart 26. Juli 2018

Isle of Dogs – Ataris Reise

FÜR HUNDEFREUNDE

Der extra gemeine Bürgermeister der japanischen Stadt Megasaki City verdonnert alle Hunde zu Isolationshaft. Angeblich mit einem tödlichen Schnupfenvirus infiziert, müssen des Menschen beste Freunde auf Trash Island vor den Toren der Stadt vegetieren. Als der 12-jährige Atari mit einem Flugzeug auf der Insel abstürzt, retten ihn die dort lebenden Kläffer. Die Herren der Insel, die Alphahunde Boss, Chief, Rex und Duke, helfen Atari bei der Suche nach seinem Hund Spots.

MACHART

Ein Leben ohne Hunde ist möglich, aber sinnlos. Das ist – frei nach Loriot – das Motto dieses Films.

„Isle of Dogs“ ist einfach toll. Und augenscheinlich mit unendlich viel Liebe gemacht. Ein weiteres Meisterwerk von Wes Anderson. Wie schon „The Fantastic Mr. Fox“ in Stop-Motion-Technik hergestellt und mit einem großartigen Voice-Cast (zumindest im Original) gesegnet.

Bryan Cranston, Bill Murray, Jeff Goldblum, Edward Norton und Scarlett Johansson machen die animierten Tiere lebendig und lassen den Zuschauer schnell vergessen, dass es sich „nur“ um einen Puppenfilm handelt. In Wes Anderson-typischen Bildern, alle so schön wie Gemälde, gibt es so viele Details und Kleinigkeiten zu entdecken, dass man den Film auf jeden Fall zweimal anschauen sollte.

FAZIT

Facettenreiche Wundertüte, klare Empfehlung.

USA, 2018
Regie Wes Anderson
105 min