DER SCHLIMMSTE MENSCH DER WELT

Kinostart 02. Juni 2022

In ei­ner der schöns­ten Sze­nen in die­sem an schö­nen Sze­nen rei­chen Film knipst Ju­lie ei­nen Licht­schal­ter um, und plötz­lich bleibt die gan­ze Welt (oder zu­min­dest Os­lo) ste­hen. Ju­lie kann un­ge­hin­dert durch die Stra­ßen zu dem Mann lau­fen, den sie liebt und ihn küs­sen. Hach. Lie­be. Über­haupt – die Lie­be! „Der schlimms­te Mensch der Welt“ ist ei­ner der bes­ten Lie­bes­fil­me der letz­ten Jah­re, wenn nicht gar… Und wer sich als Zu­schau­er nicht un­sterb­lich in die Haupt­dar­stel­le­rin Re­na­te Reins­ve ver­liebt, der trägt ein Herz aus Stein in der Brust.

Re­gis­seur Joa­chim Trier er­zählt die Ge­schich­te ei­ner jun­gen Frau, die ver­sucht, ih­ren Platz im Le­ben zu fin­den. Gar nicht so ein­fach, denn Ju­lie, die ge­ra­de 30 Jah­re alt ge­wor­den ist, stürzt sich mit gro­ßer Be­geis­te­rung in im­mer neue Be­rufs­zie­le und Be­zie­hun­gen. Me­di­zin­stu­di­um? Zu kör­per­lich. Psy­cho­lo­gie­stu­di­um? Zu geis­tig. Fo­to­gra­fin? War­um nicht? Oder doch lie­ber in ei­nem Buch­ge­schäft ar­bei­ten? Mit dem 14 Jah­re äl­te­ren Co­mic­zeich­ner Ak­sel lebt sie ei­ni­ger­ma­ßen glück­lich zu­sam­men, doch mit des­sen „er­wach­se­nen“ Freun­den wird sie nicht warm. Ei­nes Ta­ges schleicht sie sich heim­lich auf ei­ne Hoch­zeits­par­ty und lernt dort den le­bens­lus­ti­gen, gleich­alt­ri­gen Eivind ken­nen.

„Der schlimms­te Mensch der Welt“ ist ein wun­der­ba­rer nor­we­gi­scher Film, der al­les in sich ver­eint, was ei­nen Film se­hens­wert macht: Gran­dio­se Schau­spie­ler, ei­ne zu Her­zen ge­hen­de Ge­schich­te, Ernst­haf­tig­keit, Mensch­lich­keit und Fan­ta­sie. In ei­nen Pro­log, 12 Ka­pi­tel und ei­nen Epi­log un­ter­teilt, zeigt der Film Schlüs­sel­mo­men­te in Ju­lies Le­ben – Mo­men­te, die über ih­ren wei­te­ren Weg ent­schei­den, auch wenn sie das in die­sem Au­gen­blick selbst noch nicht rea­li­siert.

Joa­chim Trier, der ge­mein­sam mit Es­kil Vogt (Re­gis­seur von „The In­no­cent“ – noch so ein groß­ar­ti­ger skan­di­na­vi­scher Film) das Dreh­buch ge­schrie­ben hat, um­schifft ge­konnt al­le gän­gi­gen Lie­bes­film-Kli­schee-Klip­pen und bleibt von der ers­ten bis zur letz­ten Sze­ne wahr­haf­tig. Ei­ne klu­ge, char­man­te Ko­mö­die, ei­ne ero­ti­sche Ro­man­ze, ein bit­ter­sü­ßes Dra­ma – so viel Film fürs Geld. Wenn es die deut­sche Syn­chro­ni­sa­ti­on nicht wie­der ka­putt­macht, schon jetzt ei­ner der bes­ten Fil­me des Jah­res.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Ver­dens vers­te men­nes­ke“
Nor­we­gen 2021
121 min
Re­gie Joa­chim Trier

al­le Bil­der © Koch Films