STELLA. EIN LEBEN.

STELLA. EIN LEBEN.

Ab 25. Januar 2024 im Kino

Blondiert, elegant und skrupellos – Stella Goldschlag verrät während des Zweiten Weltkriegs jüdische Mitbürger, um ihre eigene Haut zu retten.

Ber­lin 1940: Sie lebt und liebt Jazz. Der gro­ße Traum vom En­ga­ge­ment in New York wird sich nicht er­fül­len, denn Stel­la und ih­re Freun­de sind Ju­den. Sie kann zwar zu­nächst un­ter­tau­chen, doch 1943 wird sie ver­haf­tet. Um sich und ih­re El­tern zu ret­ten, ar­bei­tet sie im Auf­trag der Ge­sta­po, sucht nach jü­di­schen Mit­bür­gern und de­nun­ziert sie. 

War Stel­la Gold­schlag ein Mons­ter?

Zwi­schen 600 und 3.000 Ju­den ver­rät Stel­la Gold­schlag und stürzt sie da­mit ins Ver­der­ben. Nach Kriegs­en­de will sie sich als „Op­fer des Fa­schis­mus“ an­er­ken­nen las­sen, spä­ter kon­ver­tiert sie zum Chris­ten­tum und wird be­ken­nen­de An­ti­se­mi­tin. Pau­la Beer spielt die am­bi­va­len­te Fi­gur ge­wohnt fa­cet­ten­reich, doch als Zu­schau­er bleibt man di­stan­ziert. Es fällt schwer, ir­gend­ei­ne Form von Sym­pa­thie oder Mit­ge­fühl (trotz bru­ta­ler Fol­ter durch die Ge­sta­po) für ei­ne Kol­la­bo­ra­teu­rin zu ent­wi­ckeln, die sich der­art skru­pel­los ver­hält. Wie sie ge­mein­sam mit ih­rem Freund, dem Pass­fäl­scher Rolf Isaak­sohn, nicht nur über­teu­er­te Aus­weis­pa­pie­re an Ju­den ver­kauft, son­dern sich bald ei­nen ge­nuss­vol­len Sport dar­aus macht, so­gar en­ge Freun­de zu ver­ra­ten – das ist schon ganz und gar wi­der­lich.

Den Ku­damm der 40er-Jah­re hat Set-De­si­gner Al­brecht Kon­rad kur­zer­hand an der Frank­fur­ter Al­lee nach­ge­baut. Das sieht täu­schend echt aus und ist ei­ne Wohl­tat ge­gen­über den sonst üb­li­chen, im Com­pu­ter ge­ne­rier­ten Ku­lis­sen. STEL­LA. EIN LE­BEN. be­sticht im­mer­hin durch tol­le Aus­stat­tung. Doch so­wohl in der Be­set­zung als auch in der Bild­spra­che ist der Film ei­gen­ar­tig mo­dern. Zu kei­nem Mo­ment glaubt man ernst­haft, Jan­nis Nie­wöh­ner oder Da­mi­an Har­dung sei­en Men­schen aus der da­ma­li­gen Zeit. Ka­me­ra­mann Be­ne­dict Neu­en­fels zoomt und wa­ckelt da­zu durch die Ge­schich­te, als wür­de er ei­nen Ja­son-Bourne-Film in den 2000er-Jah­ren dre­hen – auch das wirkt an­ge­strengt und fehl am Platz.

Ein zwie­späl­ti­ger Film über ei­ne (mehr als) zwie­späl­ti­ge Frau. War Stel­la Gold­schlag ein Mons­ter? Dar­über zu ur­tei­len, fällt schwer. Über al­lem steht die ewi­ge Fra­ge: „Was hät­te man selbst ge­tan?“ Stel­la Gold­schlag war Tä­te­rin und Op­fer zu­gleich. STEL­LA. EIN LE­BEN. hat in­sze­na­to­ri­sche Schwä­chen, er­zählt aber ei­ne hoch­in­ter­es­san­te und gleich­zei­tig ver­stö­ren­de wah­re Ge­schich­te.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land 2023
115 min
Re­gie Ki­li­an Ried­hof

al­le Bil­der © MA­JE­S­TIC

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EIN NASSER HUND

EIN NASSER HUND

Der 16-jäh­ri­ge Ira­ner Soheil zieht mit sei­nen El­tern nach Ber­lin-Wed­ding. Schnell freun­det er sich beim Ki­cken mit ein paar Mi­gran­ten­jungs an, ver­liebt sich in das tür­ki­sche Mäd­chen Sel­ma. Was Soheil sei­nen neu­en Freun­den ver­schweigt: Er ist kein Mus­lim, son­dern Ju­de. Als er sich ge­zwun­ge­ner­ma­ßen outet, ist der Beef (#Ju­gend­spra­che) vor­pro­gram­miert. Krass an­ti­se­mi­tisch! Ja, Mann!

Der Wed­ding ist nicht nur im Kom­men (seit über 50 Jah­ren), son­dern auch Hei­mat für Ara­ber, Kur­den, Tür­ken, Pa­läs­ti­nen­ser – al­les ei­ne gro­ße Fa­mi­lie. Doch we­he, ein Ju­de ver­irrt sich hier­hin, dann ist es mit der To­le­ranz vor­bei. „Für die Deut­schen bin ich ein Ka­na­ke, für die Tür­ken ein Ju­de und für die Is­rae­lis ein Ter­ro­rist“, stellt Soheil re­si­gniert fest. Wie soll es da je­mals Welt­frie­den ge­ben?

Viel zu viel reißt der Film in zu kur­zer Zeit an: Die Haupt­fi­gur Soheil ver­än­dert sich im Sau­se­schritt vom gu­ten Jun­gen zum ge­fei­er­ten Spray­er, dann zum bö­sen Dea­ler, Mes­ser­ste­cher, un­frei­wil­li­gen Va­ter, Ban­den­op­fer, Fach­mann für Nah­ost­kon­flik­te und schließ­lich zum is­rae­li­schen Sol­da­ten. Je­der Er­in­ne­rungs­fet­zen aus der Buch­vor­la­ge von Arye Sharuz Shali­car wird un­mo­ti­viert zu ei­ner Film­sze­ne ver­wurs­tet, egal, ob das ei­nen grö­ße­ren Zu­sam­men­hang er­gibt oder nicht. Mög­lich, dass der Film erst am Schnei­de­tisch zer­hack­stückt wur­de, aber flüs­sig er­zählt geht an­ders.

Da­mir Lu­kače­vić ver­folgt das heh­re Ziel, ei­nen po­li­ti­schen Film über Hass und Ge­walt, To­le­ranz und das schwie­ri­ge Zu­sam­men­le­ben ver­schie­de­ner Kul­tu­ren zu ma­chen. Das ist nur teil­wei­se ge­glückt. Die jun­gen (Laien)-Darsteller ma­chen ih­re Sa­che or­dent­lich, doch ei­ni­ge Sze­nen, be­son­ders die mit Ki­da Kho­dr Ra­ma­dan (un­ver­meid­lich), be­we­gen sich auf ge­ho­be­nem Schü­ler-Thea­ter-Ni­veau.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land 2021
102 min
Re­gie Da­mir Lu­kače­vić
Ki­no­start 09. Sep­tem­ber 2021

al­le Bil­der © War­ner Bros. Pic­tures Ger­ma­ny