DER PASSFÄLSCHER

Kinostart 13. Oktober 2022

Auf der Ber­li­na­le 2022 lief im Wett­be­werb viel me­dio­kre Kost und quä­len­de Kunst, die bes­se­ren Fil­me (so wie die­ser) wur­den in den Ne­ben­pro­gram­men ver­steckt. Ein Trend in Fort­set­zung. Schon im ver­gan­ge­nen Jahr folg­te das Wett­be­werbs­pro­gramm zu sehr dem Kopf und we­ni­ger dem Her­zen.

Das wie­der­um kann man von Cio­ma Schön­haus nicht be­haup­ten: Der jun­ge Mann ist ein wah­rer Her­zens­mensch und läuft mit bes­ter Lau­ne durchs Le­ben. Ob­wohl er als Ju­de in Na­zi­deutsch­land al­len Grund zur Ver­zweif­lung hät­te. Vom so­ge­nann­ten 3. Reich lässt er sich die Lau­ne aber nicht ver­der­ben.

„Der Pass­fäl­scher“ er­zählt die wah­re Ge­schich­te vom be­gna­de­ten Gra­fi­ker Cio­ma, der dank sei­ner Fä­hig­kei­ten wie­der­holt der Ge­sta­po ent­kom­men und ge­ra­de noch recht­zei­tig in die Schweiz ent­flie­hen kann. Mit aus­ge­zeich­ne­ter Be­set­zung (Lu­na Wed­ler, Lou­is Hof­mann – der aus­nahms­wei­se mal nicht blank zieht – und Jo­na­than Ber­lin) hat Re­gis­seu­rin Mag­gie Pe­ren ei­nen oft ver­gnüg­li­chen, im bes­ten Sin­ne leich­ten Film über Chuz­pe und Hoff­nung in düs­te­ren Zei­ten ge­dreht. Nicht die Neu­erfin­dung des Ki­nos, aber doch se­hens­wert.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land / Lu­xem­burg 2022
116 min
Re­gie Mag­gie Pe­ren

al­le Bil­der © X Ver­leih

PRÉLUDE

Die Net­flix-Se­rie „Dark“ geht bald in die 3. Sea­son und Lou­is Hof­mann hat noch kein ein­zi­ges Mal sei­nen Pe­nis ge­zeigt! So sad. Mög­li­cher­wei­se liegt es am Fern­seh­for­mat, denn auf der gro­ßen Lein­wand zieht der Jung­schau­spie­ler re­gel­mä­ßig blank. Auch in „Pré­lude“ gibt es kei­nen zwin­gen­den Grund für ei­ne Full-Fron­tal Sze­ne – und den­noch…

Der ta­len­tier­te, aber nicht über­ta­len­tier­te Pia­nist Da­vid (Lou­is Hof­mann) stu­diert am Mu­sik­kon­ser­va­to­ri­um. Gleich zu Se­mes­ter­be­ginn ver­liebt er sich in Ma­rie (Liv Li­sa Fries), die ei­gent­lich mit Wal­ter zu­sam­men ist (Jo­han­nes Nuss­baum) – Ver­wir­rung der Ge­füh­le. Un­ter der Fuch­tel sei­ner for­dern­den Pro­fes­so­rin Frau Ma­tus­sek (Ur­si­na Lar­di) wird sich Da­vid schnell sei­ner Mit­tel­mäs­sig­keit be­wusst. Bald schmerzt der Kör­per, die Hän­de zu­cken un­kon­trol­liert, der zer­brech­li­che Jun­ge ver­fällt in de­pres­si­ve Wahn­vor­stel­lun­gen.

„Pré­lude“ zeigt zur Ab­wechs­lung mal kei­ne cra­zy Mit­te­par­ty­peo­p­le, son­dern fast alt­mo­disch ernst­haf­te, jun­ge Men­schen beim Stu­di­um. Gä­be es kei­ne Roll­kof­fer und an­de­ren mo­der­nen Kram – der Film könn­te ge­nau­so gut in der Vor­kriegs­zeit des ver­gan­ge­nen Jahr­hun­derts spie­len. Da passt vor al­lem Liv Li­sa Fries, die wie ge­bo­ren wirkt für zeit­lich nicht klar ein­zu­ord­nen­de Rol­len. Wie im­mer prä­zi­se und gut: Lou­is Hof­mann. Der 22-Jäh­ri­ge hält per­fekt die Ba­lan­ce zwi­schen kal­ter Ar­ro­ganz und gro­ßen Selbst­zwei­feln.

„Pré­lude“ ist be­son­ders in der ers­ten Hälf­te stark: ein ana­ly­tisch schar­fes, ge­rad­li­nig er­zähl­tes Por­trait. Doch je ver­rück­ter Da­vid, des­to sper­ri­ger der Film. Ein­bil­dung und Rea­li­tät he­ben sich auf, es wird im­mer un­kla­rer, ob er glaubt, et­was zu tun oder es tat­säch­lich tut. Die­ses Ver­wi­schen der Gren­zen könn­te span­nend sein, doch Re­gis­seu­rin Sa­ra­bi ent­glei­tet mit fort­schrei­ten­der Pa­ra­noia der Haupt­fi­gur auch der Er­zähl­fluß, die Ge­schich­te wird im­mer wir­rer.

FAZIT

Dra­ma vom Zer­bre­chen un­ter den zu ho­hen An­for­de­run­gen an sich selbst. Gut ge­spiel­ter, am En­de schwer nach­voll­zieh­ba­rer Blick in ei­ne sen­si­ble Künst­ler­see­le.

Deutsch­land 2019
95 min
Re­gie Sa­bri­na Sa­ra­bi
Ki­no­start 29. Au­gust 2019