THE KING OF STATEN ISLAND

Pech ge­habt: Das hät­te ei­ne bril­lan­te Ana­ly­se und Mar­cel-Reich-Ra­ni­cki-wür­di­ge Kri­tik wer­den kön­nen, doch lei­der ver­schwand das ge­ra­de fer­tig ge­schrie­be­ne Do­ku­ment im Pa­pier­korb – und war nach ver­se­hent­li­cher Lö­schung des­sel­ben für im­mer ver­lo­ren. Des­halb gibts hier nur ei­ne scha­le Ko­pie des ge­nia­len Ori­gi­nals:

Scott ist ein Lo­ser, der sein Le­ben nicht ge­ba­cken kriegt. Mit 24 wohnt er noch im­mer bei sei­ner Mut­ter und ver­bringt an­sons­ten den gan­zen Tag kif­fend mit sei­nen Kum­pels. Sein Traum, Tat­too-Künst­ler zu wer­den, bleibt Wunsch­den­ken. Au­ßer ein paar Krit­ze­lei­en auf wil­li­gen Ver­suchs­ka­nin­chen (ihm selbst und sei­nen Freun­den) hat er nichts vor­zu­wei­sen. Der frü­he Ver­lust des Va­ters, der bei ei­nem Ein­satz als Feu­er­wehr­mann ums Le­ben kam, be­las­tet den Jun­gen noch 17 Jah­re spä­ter. Als ihm sei­ne Mut­ter ei­nes Ta­ges den groß­mäu­li­gen Feu­er­wehr­mann Ray als ih­ren neu­en Freund prä­sen­tiert, be­ginnt Scott sein ewi­ges Sla­cker-Da­sein in­fra­ge zu stel­len.

Ein Mie­se­pe­ter, der je­den, der ihm zu na­he kommt vor den Kopf stößt. Es fällt schwer, Sym­pa­thien für Scott zu ent­wi­ckeln. Pe­te Da­vid­son, Ein­ge­weih­ten bis­lang höchs­tens als En­sem­ble­mit­glied von „Sa­tur­day Night Live“ oder Ex-Freund von Aria­na Gran­de be­kannt, ist mit sei­nem un­ge­wa­sche­nen, ewig un­aus­ge­schla­fe­nen Aus­se­hen wie für die Rol­le ge­macht. 

Ma­ri­sa To­mei als Mut­ter Mar­gie und Bill Burr als ihr Lo­ver Ray schaf­fen es, gleich­zei­tig dra­ma­ti­sche Tie­fe und ko­mö­di­an­ti­sche Leich­tig­keit auf die Lein­wand zu zau­bern. Sie sind die heim­li­chen Stars des Films, ger­ne wür­de man mehr von ih­nen und we­ni­ger von den zahl­rei­chen und nur mä­ßig lus­ti­gen Sze­nen mit Scott und sei­nen Kum­pels se­hen.

FAZIT

Re­gis­seur Judd Apa­tow be­weist ein Händ­chen für ko­mi­sche Ab­sur­di­tä­ten, ex­ak­te Be­ob­ach­tun­gen und au­then­ti­sche Ge­füh­le. Mit „The King of Sta­ten Is­land“ ist ihm ei­ne sehr per­sön­li­che Tra­gik-Ko­mö­die ge­glückt, die An­lei­hen am Le­ben sei­nes Haupt­dar­stel­lers Pe­te Da­vid­son nimmt: Auch des­sen Va­ter war Feu­er­wehr­mann und kam bei den Ter­ror­an­schlä­gen von 911 ums Le­ben.

Ori­gi­nal­ti­tel „The King of Sta­ten Is­land“
USA 2020
137 min
Re­gie Judd Apa­tow
Ki­no­start 30. Ju­li 2020