ALLES ÜBER MARTIN SUTER. AUSSER DIE WAHRHEIT.

Kinostart 06. Oktober 2022

Die gro­ße Zeit des Mar­tin Su­ter scheint vor­bei, nach ein paar ge­nia­len Wer­ken um die Jahr­tau­send­wen­de wa­ren sei­ne letz­ten Bü­cher zu­neh­mend ba­nal und ent­täusch­ten so­wohl Le­ser als auch Kri­ti­ker. Nun hat Re­gis­seur An­dré Schä­fer dem Schwei­zer Ro­man­cier ein fil­mi­sches Denk­mal ge­setzt, in dem – der von Su­ter selbst er­fun­de­ne Ti­tel lässt es er­ah­nen – al­les und nichts über den Au­toren ver­ra­ten wird.

In der fik­tio­na­len Do­ku­men­ta­ti­on kom­men Su­ter und sei­ne Weg­ge­fähr­ten zu Wort, ver­mischt mit nach­ge­stell­ten Sze­nen aus den Ro­ma­nen „Small World“ und „Die dunk­le Sei­te des Mon­des“. Der Au­tor selbst taucht da­bei als stil­ler Be­ob­ach­ter auf, so­zu­sa­gen als Schöp­fer, der Teil sei­nes Werks wird. Bei der vi­su­el­len Um­set­zung wird da­bei nicht ge­ra­de auf die Fan­ta­sie der Zu­schau­er ver­traut. Heißt es im von An­dre­as Fröh­lich ge­spro­che­nen Off-Text bei­spiels­wei­se: „Er zün­de­te sich ei­ne Zi­ga­ret­te an und blick­te aus dem Fens­ter“, dann – ja ge­nau – sieht man eben das. Me­ta ist das nicht. Auch von den Zwän­gen und Me­cha­nis­men des Au­toren­da­seins er­fährt man nicht all­zu viel. Die fast fik­tiv wir­ken­de Fi­gur des bril­lan­ti­ne­fri­sier­ten „Man­nes von Welt“ Su­ter bleibt so un­nah­bar wie ei­ne er­fun­de­ne Fi­gur in ei­nem Ro­man. Nur in we­ni­gen Sze­nen, wie der mit sei­ner Ad­op­tiv­toch­ter oder bei den ge­mein­sa­men Büh­nen­auf­trit­ten mit Mu­si­ker­freund Ste­phan Ei­cher blitzt der Mensch Mar­tin Su­ter durch.

Schwer zu sa­gen, ob „Al­les über Mar­tin Su­ter. Aus­ser die Wahr­heit“ ein ad­äqua­tes Bild des Best­sel­ler­au­tors zeich­net, im­mer­hin ist es ei­ne un­ter­halt­sa­me An­nä­he­rung an das Phä­no­men Su­ter. Dass man am En­de des Films noch mal ei­nen der frü­hen Ro­ma­ne des Au­tors le­sen möch­te, ist ja nicht das schlech­tes­te Zei­chen.

INFOS ZUM FILM

Deutsch­land / Schweiz 2022
90 min
Re­gie An­dré Schä­fer

al­le Bil­der © DCM