THE FRENCH DISPATCH

THE FRENCH DISPATCH

Wes Anderson ist ein Genie.

5/5

Es gibt wohl kaum ei­nen Re­gis­seur der Ge­gen­wart, der so vor Ori­gi­na­li­tät und vi­su­el­lem Ein­falls­reich­tum strotzt wie Wes An­der­son. Sein neu­es­ter Film ist ei­ne lie­be­voll ko­mi­sche Hom­mage an den Jour­na­lis­mus. Mit spie­le­ri­scher Fan­ta­sie und vi­sio­nä­rem Geist er­weckt der Meis­ter­re­gis­seur ei­ne Samm­lung von herr­lich schrul­li­gen Ge­schich­ten zum Le­ben, die in der letz­ten Aus­ga­be des fik­ti­ven Ma­ga­zins "The French Dis­patch" ver­öf­fent­licht wer­den.
Ne­ben sei­nem hoch­ka­rä­ti­gen Stamm­ensem­ble (u. a. Bill Mur­ray, Owen Wil­son, Adri­en Bro­dy) ha­ben dies­mal die Os­car­preis­trä­ge­rin Fran­ces Mc­Dor­mand und Jung­star Ti­mo­thée Cha­l­a­met ei­nen un­ver­gess­li­chen Auf­tritt. Für das ty­pi­sche Wes-An­der­son-Fee­ling sor­gen die fan­tas­ti­sche Aus­stat­tung und das lie­be­vol­le Spiel mit Mi­nia­tu­ren und Zei­chen­trick­se­quen­zen. "The French Dis­patch" ist ein Muss für Fans. In Can­nes gab es da­für mi­nu­ten­lang Stan­ding Ova­tions.

Wes Anderson ist ein überschätztes One-Trick-Pony.

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Das eng­li­sche Wort „pre­ten­tious“ wur­de ei­gens für den US-ame­ri­ka­ni­schen Re­gis­seur er­fun­den. Im Ge­gen­satz zu Woo­dy Al­len, der auch nur ei­ne Ge­schich­te in sich trägt, die­se aber we­nigs­tens durch wech­seln­de Gen­res im­mer wie­der neu ver­packt, er­geht sich An­der­son in rei­ner Selbst­ver­liebt­heit und zi­tiert sich am liebs­ten selbst. Den vi­su­el­len Schnick­schnack, wie das Spiel mit Far­be und Schwarz-Weiß oder thea­ter­haft auf­ge­schnit­te­ne Sets kennt man mitt­ler­wei­le zur Ge­nü­ge.
Ne­ben den üb­li­chen Ver­däch­ti­gen sind die im­mer la­tent ge­nervt wir­ken­de Fran­ces Mc­Dor­mand und Jung­star Ti­mo­thée Cha­l­a­met mit da­bei. Letz­te­rer macht ein paar iro­ni­sche Be­mer­kun­gen über sei­ne kna­ben­haf­te Fi­gur. So ori­gi­nell sind Dreh­buch­au­to­ren: Den glei­chen Scherz gab es ge­ra­de erst in „Dune“ zu hö­ren.
Wer bis­her nicht mit dem An­der­son-Uni­ver­sum warm ge­wor­den ist, den wird auch „The French Dis­patch“ nicht be­keh­ren. Für ei­ne hal­be Stun­de mö­gen der vi­su­el­le Witz und die sprach­li­che Akro­ba­tik ganz amü­sant sein – auf 108 Mi­nu­ten ge­dehnt ist es nur auf­ge­plus­ter­te Lan­ge­wei­le.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „The French Dis­patch“
USA 2020
108 min
Re­gie Wes An­der­son
Ki­no­start 21. Ok­to­ber 2021

al­le Bil­der © Walt Dis­ney Stu­di­os Mo­ti­on Pic­tures Ger­ma­ny