EXIL

Deutsch­land im Hoch­som­mer. Die Ka­me­ra klebt am wi­der­lich ver­schwitz­ten Hemd­kra­gen von Xha­fer. Der Ko­so­vo-Al­ba­ner lebt mit sei­ner Frau und den bei­den Töch­tern in ei­nem Rei­hen­haus, ar­bei­tet als Phar­ma­in­ge­nieur. Könn­te al­les so bie­der-schön in­te­griert sein, wür­de sich Xha­fer nicht ge­mobbt füh­len. Mails wer­den „ver­se­hent­lich“ nicht wei­ter­ge­lei­tet, die oft an­ge­mahn­ten Test­ergeb­nis­se blei­ben aus, es wird ge­tu­schelt. Ei­nes Ta­ges hängt ei­ne to­te Rat­te an sei­nem Gar­ten­tor. Xha­fers dif­fu­ses Miss­trau­en ge­gen Kol­le­gen, sei­ne Frau und sich selbst wächst, er stei­gert sich zu­se­hends in ei­ne Pa­ra­noia. Bald stellt sich die Fra­ge: Ist Xha­fer der Ver­folg­te oder ist er selbst die Be­dro­hung?

Haupt­dar­stel­ler Mišel Ma­tiče­vić ge­lingt es, den Cha­rak­ter die­ses zu­tiefst ver­un­si­cher­ten Man­nes glaub­haft her­aus­zu­schä­len. San­dra Hül­ler spielt eben­so über­zeu­gend sei­ne ge­pei­nig­te Ehe­frau. Man wür­de der Schau­spie­le­rin nach all den Dra­men, in de­nen sie zu­letzt mit­ge­wirkt hat, mal wie­der ei­ne et­was leich­te­re Rol­le wün­schen, denn ko­mö­di­an­ti­sches Ta­lent be­sitzt sie zwei­fel­los, wie sie in „To­ni Erd­mann“ ge­zeigt hat.

„Exil“ ist har­te Kost. Gif­ti­ge Ocker­tö­ne und Düs­ter­nis er­zeu­gen ei­ne kaf­ka­es­ke Be­klem­mung. Das Se­zie­ren der Psy­che des Prot­ago­nis­ten muss man aus­hal­ten kön­nen. Ver­lo­re­ne Hei­mat, aus­ge­schlos­sen sein, In­te­gra­ti­on – „Exil“ be­rührt vie­le The­men und hängt noch lan­ge nach. 

FAZIT

Ein düs­te­rer Alp­traum, De­pres­si­on als Film. Ge­nau rich­tig für ei­nen lau­en Som­mer­abend im Ki­no.

Deutsch­land / Bel­gi­en / Ko­so­vo 2020
121 min
Re­gie Vi­sar Mo­ri­na
Ki­no­start 20. Au­gust 2020