IRRESISTIBLE

Jon Ste­wart ist all das, was Oli­ver Wel­ke ger­ne wä­re: lus­tig, so­phisti­ca­ted und mit ei­nem per­fek­ten Sinn für Ti­ming aus­ge­stat­tet. Sei­ne La­te-Night-Co­me­dy „Dai­ly Show“ war das un­er­reich­te Vor­bild für die schen­kel­klop­fen­de „ZDF heu­te-show“. Die bei­den Sen­dun­gen mit­ein­an­der zu ver­glei­chen ist in et­wa so, als wür­de man die „Lin­den­stra­ße“ in ei­nem Atem­zug mit „Brea­king Bad“ nen­nen – bei­des Dra­men, bei­de fürs Fern­se­hen ge­macht und trotz­dem lie­gen Ga­la­xien da­zwi­schen. Ste­wart hat­te 2015 die Na­se voll, be­en­de­te kur­zer­hand sein TV-Da­sein (aus­ge­rech­net kurz vor Trumps Prä­si­dent­schaft) und zog sich vor­erst aus der Öf­fent­lich­keit zu­rück. Nun legt er nach fünf Jah­ren Pau­se mit „Ir­re­sis­ti­ble“ sei­ne zwei­te Spiel­film-Re­gie­ar­beit vor.

Ste­ve Ca­rell (flei­ßig) spielt Ga­ry, ei­nen Po­lit­stra­te­gen für die US-De­mo­kra­ti­sche Par­tei. Als er ei­nes Ta­ges die lei­den­schaft­li­che Re­de des pen­sio­nier­ten Ma­ri­nes Jack Has­tings (Chris Coo­per) in ei­nem You­Tube-Vi­deo sieht, glaubt er, mit die­sem Kan­di­da­ten, die Wäh­ler im mitt­le­ren Wes­ten zu­rück­ge­win­nen zu kön­nen. Kur­zer­hand or­ga­ni­siert er ei­ne Kam­pa­gne, um Co­lo­nel Has­tings das Bür­ger­meis­ter­amt in der Klein­stadt De­er­la­ken zu ver­schaf­fen. Nach ei­nem gro­ßen Me­di­en­echo wol­len die Re­pu­bli­ka­ner eben­falls mit­mi­schen und schi­cken Ga­rys Erz­fein­din Faith (Ro­se By­ren), die den geg­ne­ri­schen Kan­di­da­ten pu­shen soll.

Ein tol­ler Cast (bis in die kleins­ten Ne­ben­rol­len), ein paar ge­lun­ge­ne Sze­nen und gu­ter Wil­le rei­chen nicht, "Ir­re­sis­ti­ble" zu ei­nem emp­feh­lens­wer­ten Film zu ma­chen. Ste­wart will mit sei­ner Ko­mö­die das drin­gend re­form­be­dürf­ti­ge ame­ri­ka­ni­sche Wahl­sys­tem an­kla­gen (US-Wahl­sys­tem in drei Mi­nu­ten er­klärt). Doch gut ge­meint ist nicht gleich gut ge­macht. Die Cha­rak­te­re und die Ge­schich­te blei­ben zu va­ge. Haupt­schuld trägt das schwa­che Dreh­buch, das sich von ei­ner ganz net­ten zur nächs­ten mit­tel­mä­ßi­gen Idee schleppt, oh­ne da­bei je­mals rich­tig in Fluß zu kom­men.

FAZIT

Für ei­ne Ko­mö­die nicht lus­tig ge­nug, für ei­ne Po­lit­sa­ti­re nicht bis­sig ge­nug. Nur okay.

Ori­gi­nal­ti­tel „Ir­re­sis­ti­ble“
USA 2020
102 min
Re­gie Jon Ste­wart
Ki­no­start 06. Au­gust 2020

MOTHERLESS BROOKLYN

Li­o­nel Essrog (Ed­ward Nor­ton) ist ein Pri­vat­de­tek­tiv, der un­ter dem Tour­et­te Syn­drom lei­det. Ei­ne Krank­heit, die im­mer für ei­nen schnel­len La­cher TIT­TEN! FI­CKEN! gut ist. „Mo­ther­less Brook­lyn“ folgt Essrog bei sei­nem ris­kan­ten Vor­ha­ben, den Mord an sei­nem Men­tor und Freund Frank Min­na (Bruce Wil­lis) auf­zu­klä­ren. Beim Kampf ge­gen Gangs­ter und Kor­rup­ti­on deckt Li­o­nel streng ge­hü­te­te Ge­heim­nis­se der New Yor­ker Po­lit­sze­ne auf.

Die simp­le For­mel lau­tet: Die bes­ten Chan­cen, ei­nen Os­car zu ge­win­nen, ha­ben Schau­spie­ler in der Rol­le ei­nes Tod­kran­ken oder Be­hin­der­ten. „Mo­ther­less Brook­lyn“ wä­re ger­ne ein coo­ler Film noir im Sti­le von „L.A. Con­fi­den­ti­al“. Doch all die Mu­sik-Sze­nen in ver­rauch­ten Jazz­clubs und all die läs­si­gen, Hut tra­gen­den De­tek­ti­ve nüt­zen nichts – her­aus­ge­kom­men ist nur ein um Stil be­müh­ter, stel­len­wei­se un­frei­wil­lig ko­mi­scher, ver­murks­ter Ego­trip Ed­ward Nor­tons. Denn statt zu vie­ler Kö­che hat hier ein ein­zi­ger Koch in zu vie­len Rol­len den Brei ver­dor­ben. Der Os­car-Kan­di­dat fun­giert als Re­gis­seur, Haupt­dar­stel­ler, Pro­du­zent und Dreh­buch­au­tor. Und schein­bar hat Re­gis­seur Nor­ton ei­nen Nar­ren an sei­nem Haupt­dar­stel­ler Nor­ton ge­fres­sen. So blei­ben Sze­nen ganz ver­liebt im­mer ein biss­chen zu lan­ge auf sei­nem Ge­sicht ge­schnit­ten. Das tut dem Film nicht gut, denn das gan­ze Ge­zu­cke und Ge­schimp­fe nervt schon nach we­ni­gen Mi­nu­ten. Auch die an­de­ren Schau­spie­ler sind nicht in Höchst­form. Wil­lem Da­foe gibt mal wie­der den am Ran­de des Wahn­sinns Wan­deln­den und Alec Bald­win schafft es nicht, als ober­kor­rup­ter Po­li­ti­ker sei­ne Fi­gu­ren als SNL-Trump oder Jack Do­nag­hy aus „30 Rock“ ver­ges­sen zu ma­chen. Re­gis­seur Nor­ton lässt sich und sei­ne Schau­spie­ler an der zu lan­gen Lei­ne, was zu gna­den­lo­sem Over­ac­ting führt.

FAZIT

Ein paar gu­te Mo­men­te hat der Film. An­sons­ten ist „Mo­ther­less Brook­lyn“ ei­ne lang­at­mi­ge, eit­le Os­car­be­wer­bung.

Ori­gi­nal­ti­tel "Mo­ther­less Brook­lyn"
USA 2019
145 min
Re­gie Ed­ward Nor­ton
Ki­no­start 12. De­zem­ber 2019