DIE FABELMANS

DIE FABELMANS

Kinostart 09. März 2023

Ste­ven Spiel­berg ist in Hoch­form und kei­ner will es se­hen. Wie schon zu­letzt sei­ne Neu­ver­fil­mung der WEST SI­DE STO­RY ist auch DIE FA­BEL­MANS an den ame­ri­ka­ni­schen Ki­no­kas­sen ge­floppt. Fil­me für Er­wach­se­ne funk­tio­nie­ren nicht mehr, unkt die US-Pres­se. Da­bei soll­te man ge­ra­de Fil­me wie DIE FA­BEL­MANS im Ki­no auf der gro­ßen Lein­wand se­hen. Nicht nur we­gen Ja­nusz Ka­mińskis ma­gi­schen Bil­dern, son­dern weil die 151 Mi­nu­ten lan­ge Kind­heits- und Ju­gend­er­in­ne­rung Spiel­bergs ei­nen Sog ent­fal­tet, dem man sich oh­ne Ab­len­kung hin­ge­ben muss.

Mi­chel­le Wil­liams wird als Kan­di­da­tin für den Os­car ge­han­delt

Ce­cil B. De­Mil­les THE GREA­TEST SHOW ON EARTH öff­net dem klei­nen Sam die Au­gen, be­son­ders ei­ne Kol­li­si­ons­sze­ne mit zwei Zü­gen und ei­nem Au­to. Zu Hau­se stellt er das Un­glück mit Spiel­zeug nach. Sei­ne Mut­ter bringt ihn auf die Idee, das Gan­ze zu fil­men, da­mit er es sich so oft an­se­hen kann, wie er will. Voi­là. Das ers­te Werk des Jung­re­gis­seurs ist fer­tig. In im­mer auf­wän­di­ge­ren Pro­duk­tio­nen setzt er bald sei­ne Schwes­tern und Freun­de in Sze­ne. Wäh­rend sich sei­ne El­tern mehr und mehr aus­ein­an­der­le­ben, hat Sam Fa­bel­man sei­ne Be­stim­mung ge­fun­den: das Fil­me­ma­chen.

Groß­ar­tig: Ga­bri­el La­Bel­le als jun­ger Sam­my Fa­bel­man aka Ste­ven Spiel­berg und Judd Hirsch in ei­ner Gast­rol­le als schrä­ger On­kel Bo­ris. Mi­chel­le Wil­liams, die die Mut­ter spielt, wird als Kan­di­da­tin für den Os­car ge­han­delt. Für ih­re Ge­samt­leis­tung hät­te sie es ver­dient, ob­wohl sie in man­chen Sze­nen der­ma­ßen über­dreht spielt, dass man sich fragt: Ist das noch Schau­spiel­kunst oder schon Over­ac­ting?

Im Ja­nu­ar die­sen Jah­res ge­wann THE FA­BEL­MANS den Gol­den Glo­be als bes­tes Dra­ma. Er ha­be sich lan­ge nicht ge­traut, so ei­ne per­sön­li­che Ge­schich­te zu er­zäh­len, sagt der Re­gis­seur bei der Preis­ver­lei­hung. Quatsch, denn den viel per­sön­li­che­ren Film über die Ängs­te sei­ner Kind­heit hat er schon vor 40 Jah­ren ge­dreht: ET.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „The Fa­bel­mans“
USA 2022
151 min
Re­gie Ste­ven Spiel­berg

al­le Bil­der © Uni­ver­sal Pic­tures In­ter­na­tio­nal Ger­ma­ny

WEST SIDE STORY

WEST SIDE STORY

Über­flüs­sig, hier noch­mal die Ge­schich­te von To­ny, Ma­ria, den Jets und den Sharks nach­zu­er­zäh­len. Selbst ein­ge­fleisch­ten Mu­si­cal­has­sern dürf­te die Hand­lung von West Si­de Sto­ry ver­traut sein: Shake­speares Ro­meo und Ju­lia, nur eben im New York der spä­ten 1950er-Jah­re an­ge­sie­delt.

Im Lau­fe sei­ner sa­gen­haft er­folg­rei­chen Kar­rie­re hat Ste­ven Spiel­berg un­zäh­li­ge Block­bus­ter ge­dreht, Prei­se ge­won­nen, Klas­si­ker für die Ewig­keit kre­iert. Nun al­so ei­ne Neu­ver­fil­mung des zehn­fach os­car­ge­krön­ten Leo­nard-Bern­stein-Mu­si­cals. An der 2021er Ver­si­on ist erst­mal nichts falsch: Paul Ta­ze­wells Kos­tü­me strah­len in al­len Far­ben des Re­gen­bo­gens, die Sets stim­men bis ins kleins­te De­tail und Di­rec­tor of Pho­to­gra­phy Ja­nusz Ka­min­ski konn­te ge­wohnt vie­le Lam­pen in Rich­tung Ka­me­ra­op­tik dre­hen, so­dass sein Mar­ken­zei­chen – Fla­res in je­der Ein­stel­lung – ge­büh­rend zur Gel­tung kom­men. Cho­reo­gra­fie und Ge­sang sind spot­less. Al­le be­tei­lig­ten Ge­wer­ke sind auf der Hö­he ih­rer Schaf­fens­kunst. Und den­noch fragt man sich wäh­rend der ge­sam­ten 155 Mi­nu­ten: War­um?

War­um ei­ne neue Ver­si­on, die der al­ten nichts Nen­nens­wer­tes hin­zu­zu­fü­gen hat, au­ßer schi­cke­rer Op­tik und un­cha­ris­ma­ti­sche­ren Haupt­dar­stel­lern? Vor al­lem der ewi­ge Klas­sen­spre­cher An­sel El­g­ort ist als To­ny die In­kar­na­ti­on von net­ter Lan­ge­wei­le. Such a pret­ty face: Ra­chel Zegler, ei­ne ech­te Dis­ney-Prin­zes­sin mit glo­cken­kla­rer Stim­me, wird als Ma­ria in je­der Sze­ne von der tem­pe­ra­ment­vol­le­ren Aria­na De­Bo­se (als Ani­ta) an die Wand ge­spielt und ge­sun­gen. Über­haupt sind sämt­li­che Ne­ben­fi­gu­ren bes­ser be­setzt als das blas­se Paar im Zen­trum der Ge­schich­te. It's alar­ming how un­char­ming they are. 

Ste­ven Spiel­berg hat­te wohl ein­fach Lust, ei­nen sei­ner Lieb­lings­fil­me neu zu in­sze­nie­ren – mit feis­te­ren Bil­dern und bes­se­rer Tech­nik. Da­bei ver­mei­det er al­les Mo­der­ne. „La La Land“, „In the Heights“ oder Baz Luhr­manns „Ro­meo + Ju­liet“ sind da deut­lich mu­ti­ger und ver­spiel­ter. Spiel­bergs Film wirkt, als sei er ein per­fekt re­stau­rier­tes Werk aus den 1950er-Jah­ren. We­nigs­tens sind dies­mal die Pu­er­to­ri­ca­ner echt und wer­den nicht von braun ge­schmink­ten Grin­gos ge­spielt.

I feel pret­ty: "West Si­de Sto­ry" 2021 sieht gut aus und ist ganz okay, reicht aber bei wei­tem nicht an die Ori­gi­nal­ver­si­on her­an. Ei­ne Emp­feh­lung für al­le, die ger­ne schö­ne Men­schen in schö­nen Kos­tü­men se­hen wol­len, die hübsch cho­reo­gra­fiert tan­zen und da­zu be­rühm­te Lie­der sin­gen.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „West Si­de Sto­ry“
USA 2021
155 min
Re­gie Ste­ven Spiel­berg
Ki­no­start 09. De­zem­ber 2021

al­le Bil­der © Walt Dis­ney Stu­di­os Mo­ti­on Pic­tures Ger­ma­ny