BABYLON – RAUSCH DER EKSTASE

BABYLON – RAUSCH DER EKSTASE

Kinostart 19. Januar 2023

Wer schon mal be­rauscht war, von wel­cher Dro­ge auch im­mer – Ad­re­na­lin, Ko­ka­in, Se­ro­to­nin – kennt die­ses Ge­fühl. Die Zeit rast und scheint gleich­zei­tig still­zu­ste­hen. Ei­ne Mi­nu­te fühlt sich wie ei­ne Stun­de an, die Nacht wie ein Mo­ment. „Ba­by­lon – Rausch der Ek­sta­se”, der neue Film von Da­mi­en Cha­zel­le („La La Land”, „Whip­lash”) ent­lässt ei­nen nach drei Stun­den acht Mi­nu­ten ähn­lich be­täubt und be­schwingt. Ame­ri­ka­ni­sche Zu­schau­er lie­ßen sich vom Trai­ler täu­schen – ein durch­ge­dreh­ter Kos­tüm­schin­ken mit Ele­fant und Jazz­mu­sik? Und blie­ben dem Epos fern. Sie wis­sen nicht, was ih­nen ent­geht.

Was Hol­ly­wood prägt: Ras­sis­mus, Se­xis­mus, Gier

Al­lein die ers­ten dreis­sig Mi­nu­ten sind ei­ne Par­ty, bei der man vor lau­ter Sin­nes­ein­drü­cken kaum Luft be­kommt. Doch ge­nau dann, wenn es zu viel der Ek­sta­se wird, legt Cha­zel­le den Schal­ter um. Der Cast ist vor­züg­lich, Brad Pitt als ver­derbt me­lan­cho­li­scher Dou­glas Fair­banks Typ am En­de sei­ner Kar­rie­re und Mar­got Rob­bie in der Rol­le des süch­ti­gen Star­lets, die in ih­rer mo­der­nen Auf­ma­chung ver­stört und nicht nur Träu­mer wie New­co­mer Die­go Cal­va ma­gne­ti­siert.

Cha­zel­le will viel: ei­ne Cho­reo­gra­fie wie „Apo­ca­lyp­se Now” und hin­ter die Ku­lis­sen der In­dus­try leuch­ten wie einst „Boo­gie Nights”. Er wirft al­les in den Ring, was Hol­ly­wood im­mer noch prägt: Ras­sis­mus, Se­xis­mus, Gier, so­gar To­bey Ma­gui­re in ei­ner wi­der­li­chen Gast­rol­le und klärt ne­ben­bei noch ein paar My­then auf: In der Stumm­film­ära gab es of­fen­bar mehr Wes­tern­film-Re­gis­seu­rin­nen als hun­dert Jah­re spä­ter, der Mull­hol­land Dri­ve war wirk­lich nur ei­ne Schot­ter­stra­ße und Film­kri­ti­ke­rin­nen hat­ten Macht! Was sol­len wir sa­gen: Wir ha­ben uns präch­tig amü­siert.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Ba­by­lon“
USA 2022
188 min
Re­gie Da­mi­en Cha­zel­le

al­le Bil­der © Pa­ra­mount Pic­tures Ger­ma­ny