ZEITEN DES UMBRUCHS

Kinostart 24. November 2022

Dass ein Schmock wie Ro­nald Rea­gan der nächs­te US-Prä­si­dent wer­den könn­te, ver­setzt Ir­ving Graff (Je­re­my Strong) in Un­glau­ben. Der li­be­ra­le jü­di­sche Fa­mi­li­en­va­ter lebt An­fang der 1980er-Jah­re in Queens, New York. Mit sei­ner Frau Es­ther (An­ne Hat­ha­way) han­gelt er sich so durch, vom klas­si­schen Wunsch ge­trie­ben, die bei­den Kin­der mö­gen es "mal bes­ser ha­ben“. Doch Un­dank ist der Wel­ten Lohn: Sohn Paul (Banks Re­pe­ta) ist ver­träumt und mehr am Zeich­nen als an Leh­ren fürs Le­ben in­ter­es­siert. Ver­ständ­nis fin­det er nur bei sei­nem Groß­va­ter (An­tho­ny Hop­kins), dem ein­zi­gen Er­wach­se­nen, auf den der Jun­ge hört.

Der Film fin­det kei­nen gro­ßen dra­ma­ti­schen Bo­gen, bleibt skiz­zen­haft

Wer hat sich nicht schon mal ge­fragt, ob die ei­ge­ne Fa­mi­li­en­ge­schich­te es nicht wert wä­re, auf­ge­schrie­ben oder ver­filmt zu wer­den? Da aber die meis­ten von uns kein Soap-Ope­ra-Le­ben füh­ren, hiel­te das Er­geb­nis den Rest der Mensch­heit ver­mut­lich nicht in Atem. Und auch die Kind­heits­er­in­ne­run­gen von Ja­mes Gray sind we­ni­ger auf­re­gend, als es der Dreh­buch­au­tor und Re­gis­seur ver­mu­tet. Sein Film fin­det kei­nen gro­ßen dra­ma­ti­schen Bo­gen, bleibt skiz­zen­haft und ist nur mä­ßig in­ter­es­sant. Stän­dig war­tet man auf ei­nen gro­ßen Knall, Ge­füh­le oder Dra­ma, doch es pas­siert fast nichts. We­nigs­tens hat er ei­ne fa­bel­haf­te Be­set­zung vor der Ka­me­ra ver­sam­melt: Ne­ben Je­re­my Strong und An­ne Hat­ha­way vor al­lem An­tho­ny Hop­kins, der end­lich auf­ge­hört hat, dritt­klas­si­ge Thril­ler fürs Geld zu dre­hen, und seit „The Fa­ther“ wie­der zu Best­form zu­rück­ge­fun­den hat.

"Ar­ma­ged­don Time" – der Ori­gi­nal­ti­tel klingt bra­chi­al und viel­ver­spre­chend. Über­ra­schend, dass sich da­hin­ter ei­ne so fa­de Fa­mi­li­en­ge­schich­te ver­birgt. Wie schon zu­letzt „Ad As­tra – Zu den Ster­nen“ ist auch Grays neu­er Film kein Un­ter­hal­tungs­feu­er­werk, eher ei­ne Be­ob­ach­tung von Zu­stän­den. „Zei­ten des Um­bruchs“ möch­te ein bild­ge­wor­de­ner Jo­na­than Fran­zen-Ro­man sein: ei­ne aus­führ­li­che Be­schrei­bung vom Le­ben, bei der nicht viel pas­sie­ren muss, die aber trotz­dem fes­selt. Das funk­tio­niert bei Fran­zen auf dem Pa­pier. Ki­no folgt an­de­ren Re­geln. Da kön­nen zwei Stun­den oh­ne nen­nens­wer­te Ge­schich­te ganz schön lang wer­den.

INFOS ZUM FILM

Ori­gi­nal­ti­tel „Ar­ma­ged­don Time“
USA 2022
114 min
Re­gie Ja­mes Gray

al­le Bil­der © Uni­ver­sal Pic­tures In­ter­na­tio­nal Ger­ma­ny